Donnerstag, 26. November 2015

Der Traum vom Eigenheim oder zumindest nicht draußen schlafen zu müssen

Der Winter in Chengdu sei zwar nicht so kalt wie in Deutschland, aber durch die hohe Luftfeuchtigkeit wohl ziemlich unangenehm. Diesen oder ähnliche Sätze hörte man von so ziemlich jedem, der zur kalten Jahreszeit in dieser Stadt war. Nur was man sich genau darunter vorstellen könne, war mir bis vor einer Woche nicht wirklich klar. Und jetzt...? Kapiert. Habe ich vor 2-3 Wochen noch mit T-Shirt draußen über Pandas nachgedacht, während mich die ersten Winterbilder aus Deutschland erreichten, ist es jetzt ungefähr so, als würde man mit noch nassen Klamotten in einer herbstlichen Pfütze sitzen. Es gibt tatsächlich angenehmere Situationen. Weiterhin gibt es im Süden Chinas generell keine Heizungen - Auch nicht bei uns zuhause. Natürlich, benutz doch die Klimaanlage, sagen einige. Aber einen leicht muffigen Windzug im Nacken zu haben, der daran erinnert von einem großen Tier reichlich penetrant angeatmet zu werden, kann eine ölschluckende, umweltverschmutzende Zentralheizung einfach nicht ersetzen. Auf der anderen Seite lässt mich mein kaltklammes Zimmer an meine Zeit in London zurückdenken... Da hatten wir eine Heizung, aber kein Geld sie anzumachen. Höchstens mal am Sonntag für ein paar Stunden. Gut, das klingt jetzt dramatischer als es wirklich ist. Viele Schichten tragen a lá Zwiebel geht auch erstmal klar. Diesen Text beispielsweise schreibe ich gerade mal wieder in meinem Lieblings-, reichlich asiatisch-schrägen Kuriositätenladen/Café. Der Laden heißt "Fish says" (鱼说 yu2shuo1 - gesprochen "üüh-schuaah" - Für die, die es genau wissen wollen.) Hier ist es magischerweise warm, es gibt Strom und eine gute Internetverbindung. Dazu verhältnismäßig günstigen Kaffee. Frank hat Kaffee - Frank ist glücklich.
Die Geschichte, die ich euch heute erzählen möchte, liebe Kinder, handelt von unserer abenteuerlichen Wohnungssuche. Zumindest hauptsächlich. Mal sehen, wie weit und extrem ich abschweifen werde ~~~ Schnallt Euch an.

Mein letzter Eintrag endete mit der erfolgreichen Ankunft im Flip-Flop Hostel. Das war und ist auch wirklich eines der besten, in denen ich je rumhing. Lag hauptsächlich am fanastischen Personal. Ganz besonders die eine Köchin! Gefühlte 285 Jahre alt, 34cm groß und nur Sichuan Dialekt sprechend. Das aber mit der Lautstärke eines gebährenden Passagierflugzeugs. Diese wunderbare Person hat uns immer Frühstück und Tee gemacht. Das war zwar nichtmal besonders gut, aber mit Liebe zubereitet. So komfortabel und aufregend das Hostelleben auch sein kann, irgendwann reicht einem der Fußgeruch des Zimmernachbarn, die akute Fußpilzgefahr im Waschraum oder das zusammensuchen seiner Sachen aus der wabbeligen Reisetasche. Daher dachten wir (Nina, Maike und ich - Wir studieren zusammen und haben schon in Deutschland geplant eine WG von wunderbarer Merkwürdigkeit zu gründen) uns so nach ein paar Tagen - Ne eigene Basis wäre ganz knorke. Besonders weil auch bald die Uni losgehen sollte und wir davor solch grundlegende Dinge erledigt haben wollten.
Nun, wie finden drei Trottel wie wir eine bezahlbare, einigermaßen schöne und bestenfalls uninahe Wohnung? Es gibt hier hauptsächlich drei Möglichkeiten das zu bewerkstelligen: Internet, Agentur oder persönliche Kontakte.
Erstes und letzteres fielen schon bald raus, weil die meisten Internetanzeigen nur eine Handynummer boten und telefonieren auf Chinesisch auch jetzt noch wahnsinnig gruselig ist. Ich verstehe bis heute einige Leute nicht im direkten Gespräch - Dann brauch ich es per Telefon garnicht erst versuchen.

Und nach nur einer knappen Woche ist man auch noch nicht sooo gut in der Gesellschaft vernetzt, als dass man von Wohnungsangeboten überhäuft würde. Also: Agentur. Gönnen wir uns den Luxus!
Nur...wo suchen? Wie läuft das überhaupt ab? Brauchen wir irgendwelche besonderen Dokumente? Was, wenn die uns fragen, wie viele Badezimmer wir brauchen und wir antworten, dass eine Küche genug sei. Wie unglaublich peinlich das wäre! Sicher wäre man dann  direkt für immer und ewig bei denen unten durch und wir müssten hier 10 Monate unter einer Brücke wohnen und uns um die Zeitung zum drauf schlafen prügeln... (Erinnert ihr euch? Meine brilliante Fähigkeit schwarz zu sehen.)
Wir nahmen dennoch all unseren Mut zusammen und einen anderen Kumpel mit, der an dem Tag nichts besseres zu tun hatte, um in das Stadtviertel Yu Lin zu fahren, von dem ich in Deutschland bereits las, dass es fresh grün und ein bisschen alternativ sei. Und zufällig wohnte dort auch jener Freund, dessen Wohnung uns wir zuerst einmal anschauen wollten, um einen Eindruck davon zu bekommen, was es hier eigentlich so gibt. Tatsächlich gefiel uns seine Wohnung derart gut, dass wir am liebsten direkt nebenan eingezogen wären.
Wir gingen also runter und eine Agentur suchen, die eventuell Wohnungen in genau dieser Gegend haben könnte. Nun ist es in China oft so, dass die Makler einiger Agenturen mit einer Schautafel ihrer Angebote direkt vor einem sog. Xiao Qu stehen. Xiao Qu (gesprochen "Chiao Tschüüh") ist mehr oder weniger eine Wohnanlage mit seiner eigenen Infrastruktur. Anders als in Deutschland sind die Wohnblöcke immer einzelne, umzäunte und bewachte Viertel. Wenn man mit dem Taxi fährt, sagt man meistens nur den Namen des Xiao Qu's und der Fahrer weiß, wohin man will. Adressen sind hier nicht so ein Ding...
Jedenfalls stehen oft diverse Makler direkt vor so einem Xiao Qu und preisen die Wohnungen an, die sie in Jenem vermieten oder verkaufen können. Es ist nur etwas komisch das so zu sehen, wie dort drei rauchende, Anzug tragende Typen mit ihrem Schildchen stehen und einem sein zukünftiges Eigenheim andrehen wollen. Aus Neugierde und Mangel an anderen Alternativen versuchten wir sie dennoch anzusprechen und ihnen unsere Vorstellungen zu erläutern.... Das hat auch anfangs fantastisch überhaupt nicht funktioniert! Lag zum Einen daran, dass wir in zwei Jahren Chinesisch hauptsächlich Wirtschaftsvokabular und eher wenig im Alltag zu gebrauchendes gelernt haben und zum anderen - Der Dialekt. Mal wieder. Es wäre für uns im Prinzip einfacher gewesen Chinas und Ugandas Bruttosozialprodukt zu vergleichen und Vorschläge zu geben, wie man jenes verbessern könnte, in einem spontanen Vortrag zu erläutern als nach 3-Zimmer, Küche, Bad zu fragen. Was heißt gleich nochmal "Ein Fenster wäre auch cool"?
Nach ca. 12 Minuten und einer immer größer werdenden Menschentraube, die unsere Versuche neugierig beobachtete, hat einer der Makler verstanden, dass wir wohl eine Wohnung suchen würden. Klappt doch. Nach weiteren 30 Minuten haben wir auch die Rahmenbedingungen wie Größe, Budget und Lage übermitteln können.
Während unseres Gesprächs wurden so einige Zigaretten geraucht und es ist hier eine höfliche Geste allen im Gespräch verwickelten Mitmenschen auch  eine Fluppe anzubieten, wenn man sich selber eine nimmt. Nina und ich sind ja allerdings Nichtraucher... Was tun? Ich meinte irgendwo einmal gelesen zu haben, dass es ziemlich unhöflich sei eine angebotene Zigarette abzulehnen. Gut, andere Länder, andere Sitten, her mit dem Ding. Hat allerdings nicht wirklich geholfen unsere Glaubwürdigkeit zu steigern, da wir nun zusätzlich zur kommunikativen Barriere auch noch Husten und Röcheln unterdrücken mussten. Dies sollte sich noch einige Male im Laufe des Tages wiederholen. Ich sah mich bereits eine Schachtel am Tag rauchen, bis mir am abend mal einfiel einen chinesischen Freund zu fragen, ob das überhaupt wirklich so unhöflich sei. Leicht verwirrt fragte er mich, wie ich denn auf die bescheuerte Idee gekommen sei.... Gut, sorry Lunge, zumindest das hätte ich dir ersparen können.
Zurüüüüück zum eigentlichen Thema - Anstehende Wohnungsbesichtigungen. Das folgende scheint überall auf der Welt gleich zu sein, erlebte ich es doch in Deutschland, England und hier -> Es wird zuerst versucht dem verzweifelten Wohnungssuchenden die letzten Bruchbuden, die schon zu lange im Portfolio sind, anzudrehen.  Das war auch genau der Plan von unserem Makler, den wir, weil wir uns seinen chinesischen Namen partout nicht merken konnten, liebevoll "Kalle" nannten. Wir liefen also zur ersten möglichen Traumwohnung. Wandern traf es eher, da diese Stadt einfach mal viel zu groß ist und sie uns wohl noch die Gegend schmackhaft machen wollten. Das war eine Theorie; Ich glaube immernoch, dass wir uns verlaufen hatten und sie das nur nicht nicht zugeben wollten.
Die ersten zwei Wohnungen, die wir also anschauten, waren... charakteristisch, nahezu avantgarde! Wer braucht schon eine Toilettenschüssel, wenn das Rohr selbst doch breit genug ist. Ne Tür? Jetzt hörts aber auf.
Irgendwann wussten die werten Makler dann, dass wir wussten, dass sie wussten, dass wir wussten, dass sie uns hier gerade ihren Müll andrehen wollten. Hah, nicht mit uns! Weiter zur 4. Wohnung. (Die Odysee erstreckte sich übrigens über den ganzen Tag. Wir liefen gute 342 Km durch Yu Lin und haben auch keine Möglichkeit gehabt etwas zu essen.) Im Nachhinein eine sehr gute Taktik, da wir am  Ende des Tages fast bereit gewesen wären die letzte Wohnung zu nehmen. Diese war auch garnicht mal schlecht, luxuriös gar, aber es war doch recht deutlich, dass sie lange nicht bewohnt war und dementsprechend schmierig. Gut, kann man putzen, hauptsache warme Bleibe. Zum Glück war aber Jakob dabei, der ja schon eine Wohnung hatte und daher unser potenzielles Domizil genauer unter die Lupe nehmen konnte. Tolle Panorama-Fensterfront über der Stadt. Nur was ist das? Das Fenster "schließt nicht richtig". In der Realität hieß das, dass man bei "geschlossenem" Fenster immer noch genug Platz im Rahmen hatte seine ganze Hand nach draußen zu stecken. Ja... Fragen wir direkt mal den Makler dazu. Für ihn natürlich absolut kein Problem. Ist doch noch warm draußen und im Winter... Naja, zieht bestimmt nicht. Während ich ihm versuchte klarzumachen, dass unsere Ansprüche zwar nicht hoch waren, aber sowas ginge dann doch nicht, machten sich die anderen daran die anderen Zimmer und Geräte noch einmal genauer zu untersuchen. In Kurzfassung: Oh weia. Kaputte Lampen, streikende Wasserhähne, absolut verdreckte und müffelnde Küchengeräte und der sich aufdrängende Verdacht, dass jemand in dieser Wohnung gestorben sein müsste und sie deshalb so lange leerstand und eigentlich auch verdächtig preiswert war.
Dennoch war die Verzweiflung groß und wir wollten endlich eine Wohnung haben. Liessen uns versichern, dass die Schäden behoben würden und nahmen uns eine Nacht zum drüber schlafen. Beste Entscheidung.
Am selben Abend nämlich bekam einer der Hostelmitarbeiter von unserer Situation Wind und bot an uns zu helfen. Einfach so. Unglaublich netter Kerl. Hat mir auch noch geholfen Handy, Sim-Karte und vieles anderes zu besorgen. Danke, Dong Chen.
Er meinte dann an jenem Abend, dass das alles ziemlicher Bullsh*t sei und wir lieber noch einmal in einem anderen Stadtviertel schauen sollten.

Diesen Hinweis nahmen wir uns zu Herzen und fuhren am nächsten Tag auf gut Glück in die Nähe des Uni-Geländes und schauten uns ein wenig die Gegend an. War erstmal nicht sonderlich beeindruckend, aber zumindest nah dran. Wir wollten es diesmal mit einer anderen Agentur versuchen und gingen ins erstbeste Büro.
Diesmal mit kompetenter erscheinenden Maklern redend, hatten wir nach nur wenigen Minuten unsere Vorstellungen erläutert und brachen bald zu den ersten Besichtigungen auf.
Was uns auch dort immer wieder auffiel und uns anfangs etwas komisch vorkam, war, dass es hier ganz normal zu sein scheint während "geschäftlicher" Interaktionen auch über eher private Dinge zu reden. So waren die netten Damen ausgesprochen neugierig, wo wir herkamen, was wir hier machen, wie das Leben in Deutschland sei und ob es dort keine "normalen" Zigaretten gäbe. Wie bitte? Achja, sie sahen, wie sich Maike ab und zu mit ihrem aus Deutschland mitgebrachtem Tabak Zigaretten selbst rollte. Das ist hier absolut unbekannt.
Nach 12 Minuten waren wir also mehr oder weniger beste Freunde, aber wir waren ja eigentlich gekommen eine Bleibe zu suchen.
Im Gegensatz zum Vortag waren die Wohnungen in diesem Viertel um Längen besser und hatten sogar schließende Fenster und Türen. Jay. Nach ein paar Stunden hatten wir auch fast unser Traumapartement gefunden. Mit der einen Hand schon fast den Zuschlag gemacht, hat einer von uns zum Glück noch im letzten Moment einen gigantischen Schimmelfleck im Zimmer 3 gefunden. MIST! Schnell beste Freundin Nr.2 gerufen und ihr versucht zu erklären, dass Schimmel in die Zimmer nix gut für Lunge sei. Sie guckte, fragte nach, guckte nochmal - Wo sei jetzt das Problem? Bisschen Farbe drüber und vergessen ist die Sache. Interessante Vorgehensweise - Erklärt auch so einiges, aber für uns supergenaue und gesundheitsliebende Deutsche nicht akzeptabel. Die Wohnung fiel leider auch raus.
Die Stimmung fiel leicht, es wurde diskutiert, sicherlich heimlich über uns geflucht, aber mit größter Professionalität eine weitere Wohnung gesucht.
Man bat uns ein bisschen zu warten und lud uns eine halbe Stunde später ins Auto, um uns zu einem anderem Xiao Qu zu bringen.
Und da hatten sie aber was gefunden, jawollja! Eine sehr grüne, eigtl. viel zu luxuriös erscheinde Wohnanlage (Eigener Tennisplatz, Check. Pool, auch da. Yissss). Schnell in den Fahrstuhl und die Wohnung besichtigen. Riecht gut nach essen...!? Oh, hier wohnt noch wer. Tatsächlich war eine Familie plus alte Omma gerade am Mittagessen. Es war uns etwas unangenehm jetzt einfach in der Bude rumzurennen und womöglich wieder was zum kritisieren zu finden. Doch man versicherte uns bald, dass man morgen sowieso ausziehen würde. Nun hört man ja so einiges über China und wir waren nicht ganz überzeugt, ob der morgige Auszug auch wirklich FREIWILLIG geschehen würde... Naja, erstmal gucken. Im Prinzip war die Wohnung perfekt. Modern, sehr gemütlich, gut ausgestattet. Das einzige Problem stellte eines der Schlafzimmer dar. Es war bisher das Kinderzimmer, daher war die Tapete mit LKWs verziert und das Bett war eine Kinderkrippe. Auch wenn wir immer wieder von uns selbst sagen, dass wir viel zu kindisch sind für unser Alter, war das dann aber doch etwas unpassend. Schnell gefragt, ob es möglich wäre zu streichen und ein anderes Bett zu bekommen. Und hier kam es zum Missverständnis: Wir meinten verstanden zu haben, dass das garkein Problem sei. SUPER! Jackpot! Direkt unterschreiben und Reservierungsgebühr zahlen. Die Vertragsunterschrift wurde für den nächsten Tag angesetzt, sodass wir noch einmal Zeit hatten uns alles durch den Kopf gehen zu lassen.
Am selben Abend im Hostel trafen wir auch unseren neuen chinesischen Freund wieder und erzählten ihm auch diesmal von unserem Erlebnis. Während des Gesprächs erzähltem wir ihm auch davon, dass wir ein bisschen Schiss davor hatten den Mietvertrag nicht richtig zu verstehen und nacher noch ausversehen eine unserer Nieren mitverkaufen würden. Um das zu verhindern, bot er sich an am nächsten Tage mitzukommen und sich alles genau anzugucken.
Sprung zum nächsten Morgen. Der Termin war um 12.00 Uhr mittags angesetzt. Ich stand einigermaßen pünktlich um 10.00 Uhr auf, weil ich endlich mal nach Kaffee suchen wollte. Das ist die Geschichte, in der ich ausversehen in meinen assigsten Klamotten in einem Luxuscafé landete und mich nicht mehr raustraute. Vielleicht komme ich ein anderes Mal darauf zurück.

Jeeeedenfalls machten wir aus Dong Cheng direkt vor der Agentur um die Uhrzeit zu treffen und wir machten uns selbst irgendwann auf den Weg. Das blöde war, dass wir absolut vergessen hatten, wo die Agentur eigtl. war und wir brauchten dringend einen Geldautomaten für die Kaution. Mit einer eleganten Verspätung von ca. 40 Minuten kamen wir aber doch an und man wartete bereits auf uns.
Wir trotteten alle gemeinsam zurück zur Wohnung, um noch einmal die Details zu besprechen. Diesmal war die Familie auch wieder da, aber - mir ist bis heute nicht klar wie - Die Wohnung war komplett leer. Nicht schlecht, Herr Chinaspecht.
So, wie war das noch mit dem streichen und dem neuen Bett? Geht auf garkeinen Fall? ... Wie bitte?
Was jetzt? Gestern war das doch noch kein Problem? Haben wir vllt. etwas falsch verstanden? Wir fragten unseren Freund, ob er der Sache noch einmal auf den Grund gehen könne - Ja, es sei so, dass hier nichts geändert werden könne. Das fanden wir in dem Moment direkt richtig nicht gut!
Wir diskutierten dennoch kurz, wer sich eventuell bereiterklären würde ein Stück Kindheit wiederzuerleben, aber einigten uns dann doch bald, dass wir in diesem Fall leider wieder einmal absagen müssten. Vermieterin und Makler waren alles andere als amused. Es war mittlerweile der dritte Tag mit den schwierigen Deutschen und die Stimmung drohte zu kippen. Bevor wir uns aber prügeln mussten, hat es eine der Maklerin doch noch irgendwie geschafft einen anderen Besichtigungstermin zu vereinbaren.
Falls jetzt noch irgendjemand am lesen ist  - Der Text wird viel zu lang - Es sollte endlich von Erfolg gekrönt sein.
Wir kehrten noch einmal zur Agentur zurück und man bat uns zu warten.
Eine kurze Zeit später lud man uns wieder einmal ins Auto und brachte uns zum Nachbar Xiao Qu.

In dieser Wohnanlage schauten wir uns noch einmal drei Wohnungen an. Nina und ich waren von der ersten sofort begeistert - 31. Stockwerk, gut geschnitten, großer Balkon, zwei Badezimmer, Wasserspender und alles, was man so braucht. Achja, der Preis stimmte. Wir zahlen ca. pro Person nichtmal 200€ im Monat. In Bremen bekäme man dafür höchstens ne Besenkammer neben den Bahnschienen, wenn überhaupt.
Mit Hilfe unseres Kumpels setzten wir also einen erneuten Termin zur Unterschrift fest. (Er ist übrigens auch Student an der Sichuan Universität und beginnt gerade seinen Master. In China ist es üblich im Wohnheim zu wohnen. Das bedeutet gemeinsam mit 4-6 Leuten ein Zimmer teilen. Es war uns zwischenzeitlich etwas unangenehm, dass er sehen musste, wie wir uns über dies und das in einer eigenen Wohnungen beschwerten, waren wir ja im Prinzip auch nur Studenten. Das Ding ist nur, dass wir als Ausländer dann auch ins Ausländerwohnheim gemusst hätten, das wiederum absolut frech überteuert und auch ziemlich hässlich ist. Daher eigene Wohnung.)

Sprung zum nächsten Tag: Wir unterschrieben und waren endlich nicht mehr obdachlos! (Übrigens, ein Mietvertrag hier umfasst tatsächlich 4 Din-A3 Seiten und jedes wichtige Detail wird mit einem Fingerabdruck von jeweils Vermieter und Mieter abgesegnet. DAS ist mal genaues arbeiten und sieht irgendwie cool aus.)
Nachdem wir also unsere Kaution bezahlt und unsere Seele hoffentlich nicht gleich mitverkauft hatten, fand also die Schlüsselübergabe statt.
Ungeduldig, wie ich manchmal bin, wollte ich noch am gleichen Abend unbedingt "einziehen". Maike und Nina waren entspannter und wollten es am nächsten Tag in Ruhe machen.

Kurzfassung für alle, die nicht 3 Stunden haben zum genauen durchlesen: Wir schauten uns insgesamt 7-10 Wohnungen an, von denen die Hälfte an Gefängnisse erinnerte. Wir entpuppten uns als "anspruchsvolle" Mieter, weil wir schließende Fenster und schimmelfreie Wände erwarteten.
Zusätzlich lernten wir, dass man sich mit Maklern befreunden kann und es möglich ist einen kompletten Haushalt plus Omma innerhalb weniger Stunden in Kartons zu packen und auszuziehen. 





Auf zur 2. Agentur (Noch ziemlich motiviert)

Meine Aussicht aus dem 31. Stockwerk

Alle Zimmer haben diesen tollen Erker zum draufsitzen und Apfel essen

Hier trocknen wir unsere Wäsche, damit sie auch nen tollen Ausblick hat

Hier schlafe ich in diesem viel zu großen Bett, das viel zu viel Platz wegnimmt

Blick aufs Wohnzimmer und Balkon (Einfach dazudenken)

Die Küchen in hier sind eher funktional als schön. Kochen macht trotzdem Spaß

Samstag, 21. November 2015

Mit leeeeichter Verspätung ein paar Infos zu meinen Erlebnissen

Ein euphorisches "Hallo" und 你好(Ni3 Hao3) aus Chengdu, Sichuan Provinz China...
hier ->

http://www.worldatlas.com/img/locator/city/051/3551-chengdu-locator-map.jpg

Nun war es ja so, dass ich vor meiner Abreise zu so ziemlich jeder sich bietenden Gelgenheit erwähnte und rumposaunte, dass ich einen super aufregenden, mit Spannung vollgepackten und rundum beeindruckenden Blog zu schreiben vorhätte... Das hat bisher noch auf sich warten lassen. Aus Gründen... Die da hauptsächlich wären: Chaos, die Priorität zu haben erstmal überleben zu wollen und soviele neue Eindrücke und Material, dass ich garnicht wusste, wo ich anfangen sollte. Nicht, dass ich das jetzt wüsste, aber da ich heute bis ca. 15.00 Uhr im Bett lag und mir der Rücken begann wehzutun, dachte ich mir, dass ich mir eine Hose anziehen könne, meinen Laptop einpacken und mir einen inspirierenden Ort suchen sollte, um endlich mit diesem wunderbaren Stück Literatur zu beginnen, auf das meine ganzen Fans (3, in Worten: Drei) so sehnsüchtig warten. Dass diese Aussage maßlos übertrieben sei, überhöre ich jetzt mal diskret. Es haben mich in den letzten zwei Monaten bestimmt 20... Zwei Leute mit der Frage angeschrieben, wo denn meine Erfahrungsberichte blieben.

Also, stürzen wir uns ins "Abenteuer" - Mein Leben hier in China.

Es ist vielleicht am einfachsten, wenn ich in den ersten Posts hier ein paar Grundlagen beleuchte und immer mal wieder auf bestimmte Ereignisse eingehen, die mich hier besonders beeindrucken. Oder es gibt absolut garkeine Struktur und ich ergebe mich der kreativen Anarchie, auch bekannt als "mangelndes Organisationstalent".

Beginnen wir mit den Grundlagen: Am 25. August 2015 Jahre nach Christi Geburt, bin ich, meine umständlich schwere und bestechend orange Reisetasche sowie ein billiger Aldi-Rollkoffer in Bremen in ein Flugzeug gestiegen. Dieses konnte sogar fliegen und brachte mich nach Paris zu dem wohl unübersichtlichsten Flughafen mit dem motiviertesten Personal. "Motiviert" in diesem Falle absolut unter keinen Umständen auf die Idee zu kommen, dass nicht jeder Fluggast an diesem sehr internationalen Flughafen astreines Französisch spräche.
Die Problematik in dem ganzen Unterfangen bestand darin, dass ich am Charles de Gaulles Flughafen die Airline wechseln musste - Also Gepäck annehmen und wieder abgeben, weil ich dadurch bei der Ticketbuchung etwas Geld sparen konnte. Nur waren an jenem Orte jegliche Hinweisschilder und Bodenpläne so hilfreich wie ein Mittagessen ohne Geschirr und Besteck. Schön, dass sich jemand die Mühe gemacht hat etwas vorzubereiten, aber irgendwie bringt es den Gast nicht weiter.
Nach langer Suche, lautstark geäußerter Frustration und einem dezenten Hassgefühl fand ich letztendlich den Schalter von Qatar Airways und konnte meine Reisebegleitung in Form von vorhin beschriebenem Gepäck abgeben. Nun nur noch schnell zum Terminal schlendern. Als f*cking ob! In Kurzversion: Auch das zu finden war super umständlich, aber ich schaffte es und fand mich als eine der wenigen Langnasen in der Wartehalle des Fluges, der mich nach Chengdu bringen sollte. Ein erster Vorgeschmack wie es sich anfühlen würde als Ausländer die Minderheit darzustellen. Ein Erlebnis, das jeder mal gemacht haben sollte, lässt es einen einige Dinge in einem anderen Licht betrachten.

Als ich dann aber im großen Flieger von Paris Richtung Osten abhob, mischten sich Aufregung, Neugierde, Erschöpfung und ein leichter Harndrang in meinem Befinden zusammen. Generell eine ganz positive Mischung. Bis auf das aufs Klo müssen, macht das in öffentlichen Verkehrsmitteln doch eher selten Freude.

Wenn man sonst nur das Fliegen in den Budget-Airlines Europas gewohnt ist, findet man sich in einem "richtigen" Flugzeug erst einmal von vielerlei beeindruckenden Dingen umrundet. Da wären der bequeme Sitz mit eigener Kotztüte in bequemer Reichweite, das Entertainmentsystem in der Kopfstütze vorderhand, die Decke mit dem Airline-Logo, die man am Flugende eigtl. abgeben soll, die aber unter den unglücklichsten aller Umständen von ganz allein ohne mein Zutun in meinen Rucksack fiel und nie wieder gesehen ward. Ich machte mich auf ein paar entspannte Stunden in einigen Metern Höhe bereit. Ganz bald nach dem Abheben begannen auch schon die Flugbegleiter mit ihren vollbeladenen Wagen durch die Gänge zu schieben. Der Anblick erfüllte mich mit Freude und einer gewissen Beklommenheit, hatte ich doch noch von zahlreichen Ryanairflügen im Kopf, dass die Kostbarkeiten in 10000m Höhe meistens mind. 10€ und eine Niere kosteten. Als ich dann aber dran war zu bestellen und durchs penetrante Anstarren derer, die vorher bedient wurden, herausfand, dass man ein Getränk einfach so bekommt, war ich reichlich erfreut. Ich wollte es dann auch zur Feier des Tages richtig krachen lassen und bestellte einen ganzen Becher Apfelsaft. Das war ein Nervenkitzel, wow! Doch damit nicht genug, es gab nicht nur ein Getränk, sondern MEHRERE. Heiliger Furzkuchen, ich realisierte, dass ich mich während der 7 Stunden Flug doch würde hydrieren können und mein vorhergeganges Training wie ein Kaktus zu leben, garnicht nötig war. Bei der zweiten Runde dachte ich dann aber, dass ich mir nun wirklich mal was gönnen wollte und fragte nach einem Glas Weißwein. Durch beginnenden Jetlag und reisebedingtem Verlust jeglichen Zeitgefühls, war mir in dem Moment nicht klar, dass ich gerade der erste Fluggast war, der um kurz nach Mittag, 43 Minuten nach Start das erste Glas Alk bestellte. Peinlich berührt und mir der Geringschätzung sicherlich aller Passagiere plus Pilot bewusst (Kam mir nur so vor, in Wirklichkeit hats niemanden ineressiert), drapierte ich meinen Drink stilvoll auf meinem kleinen Klapptischchen.
Nachdem ich am Becher nippte, wurde mir allerdings bewusst, warum so wenige nur um diese Zeit nach langem wachbleiben alkoholhaltige Erfrischungen bestellten in 10.000m Höhe - - Ich fühlte mich, als ob ein Esel auf meinem Kopf säße. Kurzum: Ich war ziemlich breit. Aus Angst DER eine Passagier zu werden, der sich durch lautes und penetrantes Singen in die Schlagzeilen der etablierten Klatschblätter bringt, entschied ich zu ratzen.
Dem Vorhaben folgte ich mit viel Körpereinsatz und Motivation und ließ mich nur durch die Mahlzeiten und der Blähungen meines werten Sitznachbarn unterbrechen.
Leider musste ich auch in Qatar umsteigen. Doch dies war im Vergleich zu Paris ein Zuckerschlecken und das meine ich ganz wörtlich, weil ich tatsächlich Zeit hatte noch ein Eis zu essen. Nach über 20 Stunden ohne Schlaf und in einer fremden Zeitzone, erschien es mir sinnvoll um Ortszeit 2.00 Uhr morgens eines zu essen.

Nachdem ich jetzt vielmehr ins Detail gegangen bin als eigentlich geplant, hier der zweite Teil der Reise in schnell: Von Qatar direkt nach Chengdu. Geratzt, gefuttert, Filme geschaut und meine erste richtige Konversation auf Chinesisch mit meiner Sitznachbarin geführt. Ca. 2 Jahre emsigen Chinesischlernens haben es mir ermöglicht... genau nichts zu verstehen, von dem , was die nette Dame mir so euphorisch erzählte. Ein guter Start in meinen Aufenthalt hier in China, dachte ich mir da so.

Nach einer gefühlten Ewigkeit von ca. 12 Jahren und 7 Minuten, landeten wir Chengdu. Welch Abenteuer und neue Erlebnisse sollten mich hier erwarten? Welch tolle Gerichte werde ich essen und sicherlich nach 2 Wochen bestes Chinesisch sprechen und schreiben? Dieses denkend und verträumt den anderen Passagieren im Weg stehend, wurde ich sanft aber bestimmt solange geschubst, bis man an mir vorbei aussteigen konnte. Dachte mir dann auch, dass ich das mal tun sollte und setzte meinen ersten Fuß auf chinesischen Boden (Es gab keine Gangway. Man musste einer dieser Treppen aus dem Flugzeug aufs Rollfeld hinabsteigen.. wie so ein barbarisches Tier im Wald. Pah).
Dennoch dachte ich mir so:" Whooop, China" und meine Lungen sollten einen ersten Vorgeschmack auf die duftend versmogte Luft Chengdus erhaschen. In Realität leider weniger poetisch, da ich erstmal husten musste und es echt fies nach Fuß roch. Könnte ich aber auch selbst gewesen sein. Immer noch beeindruckt kam ich in der Ankunftshalle des Shuangliang Airports an und sah, dass man ein Papier ausfüllen müsse, bevor man zur Pass- und Visumskontrolle ginge. Das hat mich wiedermal doll beeindruckt und ich wollte ein paar Photos machen. Klick, klick, klick super Bilder. Was ist das? Ein "Bitte-Nicht-Fotografieren"-Schild? Oh snap, keine drei Minuten her und schon mit dem Gesetz in Konflikt. Was bin ich ein Rebell.
Papier ausgefüllt und auf zum Schalter. Was, wenn mein Visum nicht in Ordnung ist? Was, wenn mein Gepäck nicht angekommen ist? Was, wenn man mir eine Frage stellt, ich sie nicht verstehe und man mich direkt ind dunkelste Verlies gleich neben den Toiletten sperrt? Mir selbst unnötige Sorgen machen konnte ich schon immer gut und habe mich wunderbar in die schlimmsten Szenarien reingesteigert, bis ich endlich an die Reihe kam mein 60€-Hamburger-Chinakonsulats-Visum vorzuzeigen. Natürlich lief alles reibungslos und ich habe schon fast etwas enttäuscht nach 5 Minuten meine Tasche in bestem Zustand vorgefunden. Soviel zu den aufregendes Erlebnissen bei der Einreise.
Auf also ins Stadtzentrum zum vorgebuchten Hostel. Gewissenhaft wie ich manchmal bin, hatte ich einen Zettel mit der Adresse dabei, um sie dem Taxifahrer vor die Nase halten zu können. Warum nochmal hatte sich die Frau im Flugzeug so über den angeblichen Ort des Hostels gewundert? Das stand doch genauso auf der Website. Bestimmt irrte sie sich. Ohne Zeit zu verlieren stolperte ich an den Anfang der Taxireihe und zeigte stolz mein kleines Zettelchen vor. Fahrer guckt, sichtlich desinteressiert und schüttelt den Kopf. Sagt, dass er soweit nich fahren würde.... Wie bitte? Ein Taxi, dass nicht in die Stadt fahren will? Tolles Businessmodel, Typ, wirklich. Ich gehe ein Stück zurück und der Sicherheitsmann fragt leicht besorgt aber hauptsächlich neugierig, was los sei, wo ich denn hin wolle. Auch ihm gönne ich einen Blick auf meinen mit Liebe auf die Rückseite eines Café-Bons geschrieben Text. Seine Reaktion bestand hauptsächlich darin, mir aufgeregt in tiefstem Sichuandialekt einen anscheinden nicht unwichtigen Tatbestand zu erklären. Natürlich verstand ich ihn nicht. Irgendwann dämmerte mir aber doch, dass die Adresse anscheinend falsch sei und mich ca. 140 Km außerhalb Chengdus in die unbesiedelte Wildnis Sichuans gebracht hätte. Was zum Geier? Das stand da genauso auf der Website. Leicht angesäuert ging ich zurück ins Flughafengebäude, um die Damen am Informationsschalter von meinem Leid wissen zu lassen und sie zu bitten mir die richtige Adresse rauszusuchen. Das klappte ganz wunderbar und diesmal fand ich auch einen Fahrer, der bereit war, seinen Job zu machen.
Auf der Autobahn hatte ich nun endlich etwas Zeit die Gegend auf mich wirken zu lassen. Grau, hässliche Hochhäuser, müffelnd und laut. Jackpot! Wie damals, als ich den ersten Abend in London ankam dachte ich mir - WAS ZUM GEIER DACHTE ICH MIR HIERHER ZU KOMMEN??!?!1!eins

Ohne Witz, an dem Tag war kein gutes Wetter und alles sah unglaublich sche*ße aus. Dass ich über 36 Stunden nicht richtig geschlafen hatte, half wenig weiter.
Nach einer knappen Dreiviertelstunde Fahrt aber erreichten wir das Hostel. Die Gegend, in der es sich befand, war wahnsinnig attraktiv. Der Charme eines zwielichtigen Hinterhofs mit dem Aroma verbrannten Gummis. Egal, Abenteuer, jung sein und so. Ich ging mit meinen Fünfzehntausend Kilo Gepäck in den wackeligen Außenaufzug und komme an der Rezeption an. Soviel ich gerade gemeckert habe, so sehr war ich von Interieur des Etablissements aber angetan. War wirklich gemütlich und das Personal super freundlich. Ich bezog mein Hochbett und war erstmal ziemlich kaputt und überfordert aber gleichzeitig beruhigt angekommen zu sein.

Soviel zur Hinreise. Nach und nach werden nun (hoffentlich) mehr und mehr Sachen zu meinem Leben hier veröffenticht. Doch soviel schonmal jetzt: Es gefällt mir hier verdammt gut!
Das verbotenste Photo, das ich jemals machte. Nimm das, Peking
Zu sehen: Ich mit meiner Tasche und großem Optimismus