Samstag, 21. November 2015

Mit leeeeichter Verspätung ein paar Infos zu meinen Erlebnissen

Ein euphorisches "Hallo" und 你好(Ni3 Hao3) aus Chengdu, Sichuan Provinz China...
hier ->

http://www.worldatlas.com/img/locator/city/051/3551-chengdu-locator-map.jpg

Nun war es ja so, dass ich vor meiner Abreise zu so ziemlich jeder sich bietenden Gelgenheit erwähnte und rumposaunte, dass ich einen super aufregenden, mit Spannung vollgepackten und rundum beeindruckenden Blog zu schreiben vorhätte... Das hat bisher noch auf sich warten lassen. Aus Gründen... Die da hauptsächlich wären: Chaos, die Priorität zu haben erstmal überleben zu wollen und soviele neue Eindrücke und Material, dass ich garnicht wusste, wo ich anfangen sollte. Nicht, dass ich das jetzt wüsste, aber da ich heute bis ca. 15.00 Uhr im Bett lag und mir der Rücken begann wehzutun, dachte ich mir, dass ich mir eine Hose anziehen könne, meinen Laptop einpacken und mir einen inspirierenden Ort suchen sollte, um endlich mit diesem wunderbaren Stück Literatur zu beginnen, auf das meine ganzen Fans (3, in Worten: Drei) so sehnsüchtig warten. Dass diese Aussage maßlos übertrieben sei, überhöre ich jetzt mal diskret. Es haben mich in den letzten zwei Monaten bestimmt 20... Zwei Leute mit der Frage angeschrieben, wo denn meine Erfahrungsberichte blieben.

Also, stürzen wir uns ins "Abenteuer" - Mein Leben hier in China.

Es ist vielleicht am einfachsten, wenn ich in den ersten Posts hier ein paar Grundlagen beleuchte und immer mal wieder auf bestimmte Ereignisse eingehen, die mich hier besonders beeindrucken. Oder es gibt absolut garkeine Struktur und ich ergebe mich der kreativen Anarchie, auch bekannt als "mangelndes Organisationstalent".

Beginnen wir mit den Grundlagen: Am 25. August 2015 Jahre nach Christi Geburt, bin ich, meine umständlich schwere und bestechend orange Reisetasche sowie ein billiger Aldi-Rollkoffer in Bremen in ein Flugzeug gestiegen. Dieses konnte sogar fliegen und brachte mich nach Paris zu dem wohl unübersichtlichsten Flughafen mit dem motiviertesten Personal. "Motiviert" in diesem Falle absolut unter keinen Umständen auf die Idee zu kommen, dass nicht jeder Fluggast an diesem sehr internationalen Flughafen astreines Französisch spräche.
Die Problematik in dem ganzen Unterfangen bestand darin, dass ich am Charles de Gaulles Flughafen die Airline wechseln musste - Also Gepäck annehmen und wieder abgeben, weil ich dadurch bei der Ticketbuchung etwas Geld sparen konnte. Nur waren an jenem Orte jegliche Hinweisschilder und Bodenpläne so hilfreich wie ein Mittagessen ohne Geschirr und Besteck. Schön, dass sich jemand die Mühe gemacht hat etwas vorzubereiten, aber irgendwie bringt es den Gast nicht weiter.
Nach langer Suche, lautstark geäußerter Frustration und einem dezenten Hassgefühl fand ich letztendlich den Schalter von Qatar Airways und konnte meine Reisebegleitung in Form von vorhin beschriebenem Gepäck abgeben. Nun nur noch schnell zum Terminal schlendern. Als f*cking ob! In Kurzversion: Auch das zu finden war super umständlich, aber ich schaffte es und fand mich als eine der wenigen Langnasen in der Wartehalle des Fluges, der mich nach Chengdu bringen sollte. Ein erster Vorgeschmack wie es sich anfühlen würde als Ausländer die Minderheit darzustellen. Ein Erlebnis, das jeder mal gemacht haben sollte, lässt es einen einige Dinge in einem anderen Licht betrachten.

Als ich dann aber im großen Flieger von Paris Richtung Osten abhob, mischten sich Aufregung, Neugierde, Erschöpfung und ein leichter Harndrang in meinem Befinden zusammen. Generell eine ganz positive Mischung. Bis auf das aufs Klo müssen, macht das in öffentlichen Verkehrsmitteln doch eher selten Freude.

Wenn man sonst nur das Fliegen in den Budget-Airlines Europas gewohnt ist, findet man sich in einem "richtigen" Flugzeug erst einmal von vielerlei beeindruckenden Dingen umrundet. Da wären der bequeme Sitz mit eigener Kotztüte in bequemer Reichweite, das Entertainmentsystem in der Kopfstütze vorderhand, die Decke mit dem Airline-Logo, die man am Flugende eigtl. abgeben soll, die aber unter den unglücklichsten aller Umständen von ganz allein ohne mein Zutun in meinen Rucksack fiel und nie wieder gesehen ward. Ich machte mich auf ein paar entspannte Stunden in einigen Metern Höhe bereit. Ganz bald nach dem Abheben begannen auch schon die Flugbegleiter mit ihren vollbeladenen Wagen durch die Gänge zu schieben. Der Anblick erfüllte mich mit Freude und einer gewissen Beklommenheit, hatte ich doch noch von zahlreichen Ryanairflügen im Kopf, dass die Kostbarkeiten in 10000m Höhe meistens mind. 10€ und eine Niere kosteten. Als ich dann aber dran war zu bestellen und durchs penetrante Anstarren derer, die vorher bedient wurden, herausfand, dass man ein Getränk einfach so bekommt, war ich reichlich erfreut. Ich wollte es dann auch zur Feier des Tages richtig krachen lassen und bestellte einen ganzen Becher Apfelsaft. Das war ein Nervenkitzel, wow! Doch damit nicht genug, es gab nicht nur ein Getränk, sondern MEHRERE. Heiliger Furzkuchen, ich realisierte, dass ich mich während der 7 Stunden Flug doch würde hydrieren können und mein vorhergeganges Training wie ein Kaktus zu leben, garnicht nötig war. Bei der zweiten Runde dachte ich dann aber, dass ich mir nun wirklich mal was gönnen wollte und fragte nach einem Glas Weißwein. Durch beginnenden Jetlag und reisebedingtem Verlust jeglichen Zeitgefühls, war mir in dem Moment nicht klar, dass ich gerade der erste Fluggast war, der um kurz nach Mittag, 43 Minuten nach Start das erste Glas Alk bestellte. Peinlich berührt und mir der Geringschätzung sicherlich aller Passagiere plus Pilot bewusst (Kam mir nur so vor, in Wirklichkeit hats niemanden ineressiert), drapierte ich meinen Drink stilvoll auf meinem kleinen Klapptischchen.
Nachdem ich am Becher nippte, wurde mir allerdings bewusst, warum so wenige nur um diese Zeit nach langem wachbleiben alkoholhaltige Erfrischungen bestellten in 10.000m Höhe - - Ich fühlte mich, als ob ein Esel auf meinem Kopf säße. Kurzum: Ich war ziemlich breit. Aus Angst DER eine Passagier zu werden, der sich durch lautes und penetrantes Singen in die Schlagzeilen der etablierten Klatschblätter bringt, entschied ich zu ratzen.
Dem Vorhaben folgte ich mit viel Körpereinsatz und Motivation und ließ mich nur durch die Mahlzeiten und der Blähungen meines werten Sitznachbarn unterbrechen.
Leider musste ich auch in Qatar umsteigen. Doch dies war im Vergleich zu Paris ein Zuckerschlecken und das meine ich ganz wörtlich, weil ich tatsächlich Zeit hatte noch ein Eis zu essen. Nach über 20 Stunden ohne Schlaf und in einer fremden Zeitzone, erschien es mir sinnvoll um Ortszeit 2.00 Uhr morgens eines zu essen.

Nachdem ich jetzt vielmehr ins Detail gegangen bin als eigentlich geplant, hier der zweite Teil der Reise in schnell: Von Qatar direkt nach Chengdu. Geratzt, gefuttert, Filme geschaut und meine erste richtige Konversation auf Chinesisch mit meiner Sitznachbarin geführt. Ca. 2 Jahre emsigen Chinesischlernens haben es mir ermöglicht... genau nichts zu verstehen, von dem , was die nette Dame mir so euphorisch erzählte. Ein guter Start in meinen Aufenthalt hier in China, dachte ich mir da so.

Nach einer gefühlten Ewigkeit von ca. 12 Jahren und 7 Minuten, landeten wir Chengdu. Welch Abenteuer und neue Erlebnisse sollten mich hier erwarten? Welch tolle Gerichte werde ich essen und sicherlich nach 2 Wochen bestes Chinesisch sprechen und schreiben? Dieses denkend und verträumt den anderen Passagieren im Weg stehend, wurde ich sanft aber bestimmt solange geschubst, bis man an mir vorbei aussteigen konnte. Dachte mir dann auch, dass ich das mal tun sollte und setzte meinen ersten Fuß auf chinesischen Boden (Es gab keine Gangway. Man musste einer dieser Treppen aus dem Flugzeug aufs Rollfeld hinabsteigen.. wie so ein barbarisches Tier im Wald. Pah).
Dennoch dachte ich mir so:" Whooop, China" und meine Lungen sollten einen ersten Vorgeschmack auf die duftend versmogte Luft Chengdus erhaschen. In Realität leider weniger poetisch, da ich erstmal husten musste und es echt fies nach Fuß roch. Könnte ich aber auch selbst gewesen sein. Immer noch beeindruckt kam ich in der Ankunftshalle des Shuangliang Airports an und sah, dass man ein Papier ausfüllen müsse, bevor man zur Pass- und Visumskontrolle ginge. Das hat mich wiedermal doll beeindruckt und ich wollte ein paar Photos machen. Klick, klick, klick super Bilder. Was ist das? Ein "Bitte-Nicht-Fotografieren"-Schild? Oh snap, keine drei Minuten her und schon mit dem Gesetz in Konflikt. Was bin ich ein Rebell.
Papier ausgefüllt und auf zum Schalter. Was, wenn mein Visum nicht in Ordnung ist? Was, wenn mein Gepäck nicht angekommen ist? Was, wenn man mir eine Frage stellt, ich sie nicht verstehe und man mich direkt ind dunkelste Verlies gleich neben den Toiletten sperrt? Mir selbst unnötige Sorgen machen konnte ich schon immer gut und habe mich wunderbar in die schlimmsten Szenarien reingesteigert, bis ich endlich an die Reihe kam mein 60€-Hamburger-Chinakonsulats-Visum vorzuzeigen. Natürlich lief alles reibungslos und ich habe schon fast etwas enttäuscht nach 5 Minuten meine Tasche in bestem Zustand vorgefunden. Soviel zu den aufregendes Erlebnissen bei der Einreise.
Auf also ins Stadtzentrum zum vorgebuchten Hostel. Gewissenhaft wie ich manchmal bin, hatte ich einen Zettel mit der Adresse dabei, um sie dem Taxifahrer vor die Nase halten zu können. Warum nochmal hatte sich die Frau im Flugzeug so über den angeblichen Ort des Hostels gewundert? Das stand doch genauso auf der Website. Bestimmt irrte sie sich. Ohne Zeit zu verlieren stolperte ich an den Anfang der Taxireihe und zeigte stolz mein kleines Zettelchen vor. Fahrer guckt, sichtlich desinteressiert und schüttelt den Kopf. Sagt, dass er soweit nich fahren würde.... Wie bitte? Ein Taxi, dass nicht in die Stadt fahren will? Tolles Businessmodel, Typ, wirklich. Ich gehe ein Stück zurück und der Sicherheitsmann fragt leicht besorgt aber hauptsächlich neugierig, was los sei, wo ich denn hin wolle. Auch ihm gönne ich einen Blick auf meinen mit Liebe auf die Rückseite eines Café-Bons geschrieben Text. Seine Reaktion bestand hauptsächlich darin, mir aufgeregt in tiefstem Sichuandialekt einen anscheinden nicht unwichtigen Tatbestand zu erklären. Natürlich verstand ich ihn nicht. Irgendwann dämmerte mir aber doch, dass die Adresse anscheinend falsch sei und mich ca. 140 Km außerhalb Chengdus in die unbesiedelte Wildnis Sichuans gebracht hätte. Was zum Geier? Das stand da genauso auf der Website. Leicht angesäuert ging ich zurück ins Flughafengebäude, um die Damen am Informationsschalter von meinem Leid wissen zu lassen und sie zu bitten mir die richtige Adresse rauszusuchen. Das klappte ganz wunderbar und diesmal fand ich auch einen Fahrer, der bereit war, seinen Job zu machen.
Auf der Autobahn hatte ich nun endlich etwas Zeit die Gegend auf mich wirken zu lassen. Grau, hässliche Hochhäuser, müffelnd und laut. Jackpot! Wie damals, als ich den ersten Abend in London ankam dachte ich mir - WAS ZUM GEIER DACHTE ICH MIR HIERHER ZU KOMMEN??!?!1!eins

Ohne Witz, an dem Tag war kein gutes Wetter und alles sah unglaublich sche*ße aus. Dass ich über 36 Stunden nicht richtig geschlafen hatte, half wenig weiter.
Nach einer knappen Dreiviertelstunde Fahrt aber erreichten wir das Hostel. Die Gegend, in der es sich befand, war wahnsinnig attraktiv. Der Charme eines zwielichtigen Hinterhofs mit dem Aroma verbrannten Gummis. Egal, Abenteuer, jung sein und so. Ich ging mit meinen Fünfzehntausend Kilo Gepäck in den wackeligen Außenaufzug und komme an der Rezeption an. Soviel ich gerade gemeckert habe, so sehr war ich von Interieur des Etablissements aber angetan. War wirklich gemütlich und das Personal super freundlich. Ich bezog mein Hochbett und war erstmal ziemlich kaputt und überfordert aber gleichzeitig beruhigt angekommen zu sein.

Soviel zur Hinreise. Nach und nach werden nun (hoffentlich) mehr und mehr Sachen zu meinem Leben hier veröffenticht. Doch soviel schonmal jetzt: Es gefällt mir hier verdammt gut!
Das verbotenste Photo, das ich jemals machte. Nimm das, Peking
Zu sehen: Ich mit meiner Tasche und großem Optimismus

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