So, ich habe mir wirklich vorgenommen bald mal wieder etwas zu schreiben. Manchmal braucht man nur etwas Druck von außen - In diesem Fall von meiner Hochschule in Bremen, die uns verpflichet einen Zwischenbericht zu verfassen, um sicherzugehen, dass wir nicht nur ein Jahr hier rumsitzen und Frühlingsrollen essen. (Ich habe hier noch keine einzige davon gesehen. Merkwürdig.)
- Zwischenbericht -
Studiensemester an der Sichuan Universität 四川大学
in Chengdu
WS 2015
Name: Frank Kucera
Heimatuniversität: Hochschule Bremen
Studiengang: AWS Chinesisch
Gastuniversität: Sichuan Universität 四川大学
Berichtszeitraum: 25.08.15 - 22.02.2016
DAAD – Programm: CSC Selbstzahler Programm
Der folgende Bericht darf allen Studenten der nachfolgenden Semestern sowie allen
interessierten Personen in jeglicher Form zugänglich gemacht werden
1
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbereitungen vor Reiseantritt........................................................................................................3
1.1 Visumangelegenheiten...............................................................................................................3
1.2 Bank...........................................................................................................................................3
1.3 Versicherung..............................................................................................................................3
1.4 Gesundheit und Reiseapotheke..................................................................................................4
1.5 Flugticket...................................................................................................................................4
1.6 Finanzierung des Auslandsjahres...............................................................................................4
2. Ankunft in Chengdu.........................................................................................................................5
2.1 Vom Flughafen in die Stadt........................................................................................................5
2.2 Unterkunft der ersten Tage.........................................................................................................5
2.3 Wohnungssuche.........................................................................................................................6
2.4 Einschreibung Universität und Aufenthaltsgenehmigung.........................................................7
3. Leben in Chengdu.............................................................................................................................8
3.1 Bankkonto..................................................................................................................................8
3.2 Handy.........................................................................................................................................8
3.3 Mobilität – Bus, U-Bahn, Taxi, Fahrrad, E-Bike.......................................................................8
3.3 Der Sichuan Dialekt 四川话......................................................................................................9
3.4 Hinweise zur Sichuan Küche...................................................................................................10
3.5 Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Peking und Shanghai.................................................10
4. Studieren an der Sichuan Universität.............................................................................................10
4.1 Infos zur Sichuan Universität...................................................................................................11
4.2 Einschätzung der Lehrkräfte....................................................................................................11
4.2.1 Frau Xian..........................................................................................................................11
4.2.2 Frau He.............................................................................................................................12
4.3 Stundenplan.............................................................................................................................12
4.4 Prüfungen.................................................................................................................................13
4.5 Zeugnis.....................................................................................................................................14
4.6 Einschätzung des eigenen Lernfortschritts..............................................................................14
5. Kurzer Reisebericht........................................................................................................................15
6. Ausgabenübersicht..........................................................................................................................16
7. Erster Eindruck vom Praktikum.....................................................................................................18
8. Fazit................................................................................................................................................18
1. Vorbereitungen vor Reiseantritt
Es empfiehlt sich früh genug mit den Vorbereitungen für das Auslandsjahr zu beginnen. Neben den
offensichtlichen Dingen wie Finanzierung, Versicherung, Gepäck, etc. empfehle ich auch sich
bereits zeitnah damit auseinanderzusetzen, was man neben Studium und Praktikum noch von der
Zeit in China erwartet und danach die Städtewahl zu treffen, da diese Dinge des Alltags sehr
wichtig sind. Dafür bietet es sich an Google, Youtube, www.echinacities.com und die jeweiligen
Foren der Zielstadt zu durchsuchen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie das Leben vor
Ort sein wird.
1.1 Visumangelegenheiten
Seit dem Jahre 2013 haben sich die Visabestimmungen gerade für Studenten und Praktikanten
stark verändert. Das bedeutet in der Praxis, dass es nahezu unmöglich ist während des Aufenthalts
die Stadt zu wechseln, da es kein Praktikantenvisum mehr gibt und man nur mit Hilfe des
Zielunternehmens eine Chance hat das nötige Businessvisum zu bekommen. Dies wiederum ist mit
einem erheblichen Zeit- und Finanzaufwand für sowohl Firma als auch Student verbunden und
lohnt sich nur in Ausnahmefällen. Daher genau überlegen, wo man das ganze Jahr verbringen
möchte.
Ist diese Entscheidung gefallen, muss man ca. einen Monat vor Abreise zur Visums-Agentur der
Volksrepublik China in Hamburg fahren und dort den Pass sowie die Einladungsschreiben der
chinesischen Universität, die man durch die Hochschule bekommt, abgeben. Dieser
Standardservice kostet 65€ und benötigt ca. eine Woche Bearbeitungszeit. Ein Gesundheitszeugnis
sowie HIV-Test wurden im Sommer 2015 wie bereits vorher nicht mehr benötigt.
1.2 Bank
Ein paar Monate vor Abreise sollte man sich Gedanken darum machen, wie man in China an das
nötige Bargeld kommen kann. Hierbei empfiehlt es sich bei der DKB, Comdirect oder Consorsbank
eine Kreditkarte zu beantragen, mit der man Gebührenfrei weltweit Bargeld abheben kann. Dies
funktioniert bequem online und spart eine Menge Stress.
Hat man so ein Konto eingerichtet und die Karte erhalten, ist es möglich per Online-Banking immer
wieder größere Beträge von seinem Hauptkonto auf das Kreditkartenkonto zu überweisen. Im Falle
eines Verlusts der Karte ist so nicht gleich der komplette Geldbestand in Gefahr.
Unbedingt darauf achten die oft mitgelieferten kleinen TAN-Generatoren mitzunehmen, die man
für das Online-Banking im Ausland benötigt.
1.3 Versicherung
Ein zuverlässiger Versicherungsschutz im Ausland ist nicht zu vernachlässigen. Die meisten wählen
dabei ein Paket des ADAC, HUK Coburg oder der Hanse Merkur aus, die Basis- und
Zusatzleistungen enthalten und auch wieder online und unkompliziert beantragt werden können.
Die Kosten liegen dabei ca. zwischen 300 – 400 Euro für rund 12 Monate Versicherungsschutz.
Am besten 2 Monate vor Abreise beantragen.
1.4 Gesundheit und Reiseapotheke
Auch wenn der Gesundheitstest nicht mehr zwingend erforderlich ist, sollte man sich vor Abreise
noch einmal selbst versichern, dass gesundheitlich alles in Ordnung ist und die wichtigsten
Impfungen nicht zu lange zurückliegen. Bei chronischen Krankheiten und ähnlichem sollte man sich
rechtzeitig informieren, ob benötigte Medikamente als Jahresvorrat mitgenommen oder vor Ort
auch erhalten werden können.
Zusätzlich kann es nicht schaden sich eine kleine Reiseapotheke mit den wichtigsten Mitteln gegen
Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, etc. vorzubereiten. Dies kann man
auch wieder online bestellen, z.B. bei DocMorris und eine Menge Geld sparen.
Man bekommt zwar auch alles in China, allerdings von unbekannten Marken und anfangs kann es
sich etwas schwierig gestalten in seiner Not in der fremden Apotheke das Benötigte zu bekommen.
1.5 Flugticket
Mindestens ein halbes Jahr vorher sollte die Suche nach Flugtickets beginnen. Dies entweder
online oder in der Agentur (Sta-Travel). Gute Webseiten sind: www.fluege.de,
www.skyscanner.com und die jeweiligen Seiten der Fluggesellschaften. Es lohnt sich dabei auch
genau zu recherchieren, ob man den Langstreckenflug eventuell aus einer anderen europäischen
Großstadt günstiger bekommt, als einem das Suchportal vorschlägt. Um beispielsweise nach
Chengdu zu kommen, buchte ich einen Flug bei Airfrance von Bremen nach Paris und von dort aus
dann mit Qatar Airways direkt nach Chengdu. Diese Route konnte automatisch von keinem Portal
generiert werden und erlaubte es mir „nur“ 480€ insgesamt zu bezahlen, was ein guter Preis war.
1.6 Finanzierung des Auslandsjahres
In der Regel bekommt jeder, der in Deutschland Bafög bezieht im Ausland auch die zusätzliche
Unterstützung. Da dieses mit einem enormen Aufwand verbunden ist, dringend rechtzeitig
anfangen!
Grundsätzlich sollte man sich für die Stipendien des DAADs bewerben. Dieser bietet ein
Vollstipendium und ein Selbstzahler-Programm an, bei dem die Studiengebühren vom China
Scholarship Council übernommen werden. In Chengdu muss man allerdings immer noch 3093RMB
zahlen. Da sich nur wenige Studenten bewerben, sind in aller Regel Plätze durchaus zu bekommen.
In manchen Fällen bekommt man aber weder Bafög noch sind die Eltern in der Lage alles zu
finanzieren. Daher kann ich persönlich einen Studentenkredit der KfW empfehlen, auch wenn viele
davon abraten. Es lässt sich online beantragen und bedarf keiner Vermögensnachweise. Man kann
sich einen Höchstbetrag von 7200€ in verschieden gestaffelten monatlichen Raten auszahlen
lassen und bei Bedarf eine Abschlagszahlung in Höhe von 3600€ auf einmal beziehen, was gerade
für den ersten, teuersten Monat eine gute Wahl ist.
Die Tilgung beginnt 4 Jahre nach der ersten Auszahlung in 50€-Schritten (oder mehr, sehr flexibel)
und kann bei Bedarf gestundet werden, ist es mal nicht möglich eine Rate zu begleichen. Sollte
man komplett zahlungsunfähig werden, übernimmt der Staat die Rückzahlung. Der Zinssatz von
rund einem Prozent muss dabei in Kauf genommen werden. Dennoch eine gute Alternative und
Reserve.
2. Ankunft in Chengdu
Alle Vorbereitungen sind getroffen, Visum beantragt, Sachen gepackt und schon geht es los nach
China. Wer noch nie vorher in China war, wird sich nun persönlich einen Eindruck von dem Land
verschaffen können, dessen Sprache, Kultur, Geschichte, etc. die letzten 2 Jahre den
Hauptbestandteil des Studiums darstellten.
2.1 Vom Flughafen in die Stadt
Chengdus Flughafen heißt Shuang Liu International (双流国际) und liegt relativ weit außerhalb. Um
von dort aus zur Unterkunft zu gelangen, nimmt man entweder ein Taxi oder den Shuttlebus.
Fällt die Entscheidung aufs Taxi unbedingt nur am offiziellen Taxi-Stand nach Mitfahrgelegenheiten
suchen und nach dem Einsteigen darauf achten, dass das Taxameter angestellt wird, was
sicherstellt, dass man auch wirklich nur den Normalpreis von ca. 50 RMB zahlt. Es ist nämlich nicht
unüblich direkt nach dem Verlassen des Flughafengebäudes angesprochen zu werden und in ein
privates, überteuertes Taxi gelockt zu werden.
Nahezu 24 Stunden verkehrt zusätzlich der Shuttle-Bus, der einen für unter 10 RMB in die Stadt
bringt, von wo aus aus man mit Bus oder Taxi die letzte Strecke zur Unterkunft überbrücken kann.
Chengdu ist im August sehr warm und die Luftfeuchtigkeit ist hoch, daher sollte man darauf
achten, dass man sich gegebenenfalls einfach von ein paar unnötigen Kleidungsstücken befreien
kann.
2.2 Unterkunft der ersten Tage
Sofern man nicht plant direkt in das Wohnheim der Sichuan Universität zu ziehen, braucht man für
die ersten Tage eine Unterkunft. Besonders empfehlenswert ist das Flip Flop Lounge Hostel nahe
der Haupteinkaufsstraße Chun Xi Lu ( 春熙路) direkt im Zentrum. Zu buchen auf
www.hostelbookers.com für ca. 6€ pro Nacht im komfortablen 4-Bett-Zimmer. Neben der guten
Lage kann diese Hostel mit kompetentem und sehr hilfreichen Personal, sowie Sauberkeit glänzen.
Andernfalls gibt es viele gute andere Hostels oder auch günstige Hotels, für diejenigen, die es
wünschen. Von dort aus kann dann mit der Wohnungs-/WG-Suche begonnen werden und die
Registrierung sowie erstes Kennenlernen der Sichuan Universität stattfinden.
Man sollte mindestens eine Woche vor Unterrichtsbeginn in Chengdu ankommen, um die
Registrierung sowie Wohnungssuche bis dorthin abgeschlossen zu haben.
2.3 Wohnungssuche
Anders als in Shanghai oder Peking lohnt es sich in keinster Weise das Wohnheim der Sichuan
Universität zu benutzen, da es überteuert ist und nicht annähernd den Standard einer Wohnung
oder eines Zimmers außerhalb des Campus erreicht.
Wer mutig ist kann sich direkt eine Wohnung auf dem Campus in einem Gebäude suchen, die
zahlreich vorhanden sind, allerdings auch ziemlich alt wirken. Überall auf dem Campus hängen
Zettel oder man spricht einfach Jemanden an, der so aussieht, als würde er Wohnungen
vermitteln. Wie genau so jemand aussieht, merkt man sofort, wenn man über den Campus
schlendert.
Alternativ gibt es die Möglichkeit sich auf der Karte oder einfach nach eigenem Gutdünken ein
Stadtviertel auszusuchen, anzuschauen und dann die nächstbeste Agentur anzusteuern, um eine
Wohnung zu finden.
Wer es sich zutraut, kann zusätzlich online auf Seiten wie www.58.com, www.echinacities.com,
etc, nach privaten Angeboten suchen, aber dazu benötigt man sehr solide Kenntnisse des örtlichen
Dialekts und der Gepflogenheiten. Mit einer Agentur ist man auf der sicheren Seite, auch wenn
man eine Gebühr in Höhe von 50-80% (unbedingt handeln) einer Monatsmiete in Kauf nehmen
muss. Dafür erwarten einen ein guter Service, Besichtigungen bis man wirklich zufrieden ist und
die Sicherheit, dass der Vertrag und die Pflichten von Vermieter und Mieter geklärt sind.
Neben den beiden großen Ketten Lian Jia (链家) und Century 21 gibt es auch kleinere, unabhängige
Büros. Hier wirklich einfach dem Bauchgefühl vertrauen und mindestens 5 Wohnungen anschauen,
da einem anfangs wie überall die Unterkünfte angeboten werden, die schon zu lange im Bestand
sind und Niemand haben will. Nicht zu früh zufrieden sein!
Die Mietpreise sind im Vergleich zu Shanghai oder Peking etwa die 50% günstiger, was es einem
ermöglicht in Nähe der Uni (12 Minuten Fahrrad) ein Zimmer in einer Wohnung, die nicht älter ist
als 6 Jahre, mit sehr hohem Standard für ca. 200-230€ warm monatlich zu bekommen (3er WG).
Es ist hier üblich 3 Monatsmieten im Vorraus, 1 Monatsmiete Kaution und die Gebühr bei
Vertragsabschluss bar zu bezahlen, daher auf jeden Fall genug Bargeld dabei haben!
Die meisten Wohnungen sind möbliert, aber kleinere Dinge wie Geschirr, Töpfe, Bettwäsche, etc.
sind nicht vorhanden und müssen selbst gekauft werden. Für Haushaltsgegenstände und eigentlich
Allem, was es so gibt, sollte man einen Trip zum Fabrikverkauf/Markt He Hua Chi (荷花池) beim
Nordbahnhof wagen. Auf einem Areal von mehreren Hektar werden von Putzeimer, Bettwäsche,
Schuhe, Plastik-Deko alles erdenkliche zu guten Preisen verkauft – sofern man handeln kann. Sehr
empfehlenswert, da sehr authentisch und abenteuerlich.
Ansonsten gibt es neben IKEA von Billig- bis Luxusmarkt alles, was man so braucht. Zusätzlich lässt
sich vieles auch online bestellen und entweder bar bei Ankunft oder per WeChat (Mit
chinesischem Konto) bezahlen und wird direkt nach Hause geliefert. Besonders lohnend für
Elektrogeräte wie z.B. Toaster-Ofen oder Fön.
Kauft man im Geschäft, gerade in den überall verbreiteten Ito Yokado Filialen, nicht vom
zuvorkommenden Service und dem Einkaufserlebnis generell ablenken lassen. Das führte dazu,
dass ich ausversehen viel zu teure Luxusbettwäsche kaufte und dieses mir erst an der Kasse
bewusst wurde als es schon zu spät war ohne Gesichtsverlust vom Kauf zurückzutreten.
2.4 Einschreibung Universität und Aufenthaltsgenehmigung
Sobald man eine Wohnung/WG gefunden hat, sollte man sich innerhalb von 3 Tagen beim
nächsten Pai Chu Suo (派出所) registrieren. Dafür sollte man Pass und Mietvertrag mitnehmen und
sich mindestens eine Stunde Zeit nehmen, da Niemand Englisch spricht und man anfangs noch
nicht an den Sichuan Dialekt gewöhnt ist.
Nun ist man Besitzer einer vorläufigen Registrierung, die man innerhalb von 30 Tagen in eine
Residence Permit umwandeln lassen muss. Dazu begibt man sich zum Tian Fu Square (天府广场),
auf dem eine große Mao-Statue steht. Diese direkt anschauend geht man links zwischen den
Gebäuden vorbei, um zum Public Security Bureau in der Renmin Xilu (成都市公安局出入境管
里处, 人民西路2号3楼) zu gelangen. Dort angekommen füllt man das Antragsformular aus,
das man im Erdgeschoss bekommt (Mitbringen: Pass, Passkopie – möglich vor Ort, Passbild und
400 RMB) und begibt sich in den Wartebereich. Sobald man beim Sachbearbeiter ist, am Besten
nur den Anweisungen folgen und nichts vom Praktikum oder Arbeit generell erwähnen, sondern
einfach nur das X-Visum abändern lassen.
Einen Monat später kann der Pass mit der Aufenthaltsgenehmigung wieder abgeholt werden. Für
die Zwischenzeit bekommt man einen Pass-Ersatz, mit dem man alles machen kann außer ein
Bankkonto eröffnen.
Sobald man den Pass zurückbekommen hat, mussten einige von uns zurück zum Pai Chu Suo, um
das Registrierungsdokument erneuern zu lassen. Das war uns nicht klar und wir waren ca. einen
Monat zu spät. Man rief unsere Vermieterin an, die uns wiederum informierte. Auf der Station
wurden wir dann aber zum Glück nur kurz getadelt und mussten nicht die Verzugsstrafe zahlen.
Die Registrierung an der Universität ist etwas einfacher. Man geht zum Ausländerbüro in der Mitte
des Campus in den 2. Stock, Büro hinten links und gibt seine Dokumente ab (Polizeiliche
Registrierung, Passkopie, Passfoto, Einladungsschreiben, Stipendiumsunterlagen).
Anschließend begleicht man am Empfangstresen in Bar die Studiengebühr und kann sich bei
Bedarf im Büro direkt nach Studentenausweis, Mensakarte und Bibliotheksausweis erkundigen. Bei
uns dauerte dies allerdings noch 2 Wochen bis diese verfügbar waren. Lohnt sich aber sehr, da es
fast überall Vergünstigungen gibt – gerade bei Eintrittspreisen.
3. Leben in Chengdu
Die größten Hürden sind genommen und man bekommt langsam einen Eindruck davon, wie das
Leben in der Hauptstadt der Sichuan Provinz aussehen wird
3.1 Bankkonto
Ein chinesisches Bankkonto lohnt sich in vielerlei Hinsicht. Man kann online einkaufen und muss
nicht immer Bargeld dabei haben. Dies kann sowieso schwierig werden, da die internationale
Kreditkarte nur in den großen Banken wie ICBC, BOC, Merchant's Bank und CITIC akzeptiert wird
und diese nicht immer vorhanden sind.
Die Beantragung ist kostenlos und kann entweder bei einer ICBC oder BOC gemacht werden. Alles,
was man dafür braucht sind Pass, Polizeiliche Registrierung und Studentenausweis. Innerhalb von
30 Minuten kann man direkt eine Karte mit eigenem PIN sein Eigen nennen und z.B. mit WeChat
verbinden, um das immer populärer werdende WeChat Pay (微信支付) zu nutzen. Man kann auch
versuchen bei Alipay ein internationales Konto zu eröffnen, doch aus mir unerklärlichen Gründen
hat es bei mir nicht funktioniert.
Das chinesische Bankkonto ist auch gut, wenn man sich einen Nebenjob sucht und darüber bezahlt
werden kann.
3.2 Handy
Eine chinesische Handynummer ist absolut unverzichtbar und kann seit einiger Zeit nur noch in
den größten Filialen der Anbieter China Unicom (联通) oder China Mobile (移动通信) mit dem Pass
beantragt werden. Dazu steigt man am Besten an der U-Bahn Haltestelle Tai Sheng Nan Lu (太升南
路) aus, da in diesem Gebiet alle Filialen und Handyläden zu finden sind. Für die Beantragung der
Handykarte benötigt man den Pass und eine andere chinesische Handynummer. Ein Freund half
mir dabei und zu dem Zeitpunkt habe ich es leider noch nicht ganz verstanden, was es damit auf
sich hatte. Ab dann kann man für ca. 10€ telefonieren und 4G Internet nutzen. Es ist darauf zu
achten, ob man einen Tarif nimmt, der nur in Chengdu gilt oder einen für ganz China (etwas
teurer).
Wer sowieso ein neues Smartphone benötigt kann sich hier eines zu einem Preis zwischen 50-300
Euro besorgen. Besonders zu empfehlen sind die Eigenmarken wie Xiaomi, Oppo und Vivo. Mit ein
bisschen Internetrecherche weiß man dann auch, ob das Gerät in Deutschland weiterbenutzt
werden kann.
3.3 Mobilität – Bus, U-Bahn, Taxi, Fahrrad, E-Bike
Auch wenn das U-Bahn-Netz Chengdus zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit denen der Großstädte
Peking und Shanghai mithalten kann, wird es kontinuierlich verbessert. Aber neben der U-Bahn
gibt es viele weitere Möglichkeiten von A nach B zu kommen. Auf jeden Fall lohnt es sich eine
Jiaotong Ka (交通卡) zu besorgen, die man an jeder U-Bahn Haltestelle bekommen und aufladen
kann. Eine Busfahrt kostet damit auch nicht mehr 2 RMB sondern nur noch 1,80RMB.
Mit dieser Karte kann man auch die Schnellbusse benutzen, die die Stadt auf der 2. Ringstraße auf
ihrer eigenen Spur umkreisen und eine gute Alternative zur U-Bahn darstellen.
Taxi fahren ist hier im Gegensatz zu Deutschland immer bezahlbar, da man nur eine Anfangsgebühr
von 8 RMB plus 1,80RMB für jeden gefahrenen Kilometer bezahlen muss.
Neuerdings gibt es aber noch bessere Alternativen wie Uber und Zhuan Che ( 专车), die es
ermöglichen eine Mitfahrt in einem Privat-PKW für einen noch geringeren Preis zu organisieren.
Dazu entweder die eigene App auf das Smartphone laden oder direkt über die unverzichtbare App
Baidu Maps (百度地图) die Fahrt bestellen und online bezahlen. Die einzige Schwierigkeit dieser
Methode besteht darin, dass man nach Abschluss des Bestellvorgangs vom jeweiligen Fahrer
angerufen wird, um einmal die Identität zu bestätigen und einen genaueren Abholpunkt
auszumachen. Dies gestaltet sich manchmal schwierig, da der Fahrer nur Dialekt spricht oder man
einfach nicht ohne weiteres in der Lage ist auf Chinesisch seinen derzeitigen Standort zu
beschreiben.
Wer ganz unabhängig sein möchte kauft sich am besten auf dem Campus der Universität ein
„gebrauchtes“ Fahrrad oder einen der immer populärer werdenden E-Roller.
Und wenn die Zeit da ist, ist es immer möglich die Stadt zu Fuß zu erkunden oder sich einfach auf
gut Glück in irgendeinen Bus zu setzen, da man auf diese Weise fast immer tolle Orte entdeckt und
einen Eindruck der verschiedenen Stadtteile gewinnt.
3.3 Der Sichuan Dialekt 四川话
In der Hochschule lernen wir Hochchinesisch und haben den Eindruck, dass dieses an vielen Orten
auch so gesprochen würde. Dies ist nicht immer richtig. Schon in den ersten Tagen nach Ankunft in
Chengdu wird einem das zischelnde und gutturale Chinesisch auffallen, das gerade von
Einwohnern über 40 Jahren zumeist gesprochen wird.
Im Gegensatz zu vielen anderen chinesischen Dialekten ist es dem Hochchinesisch oder 普通话 in
vielen Hinsichten ähnlich, bedarf aber einigem an Gewöhnung, da die Laute „zhi“, „chi“, „shi“ das
„h“ verlieren und auch eher scharf klingen wie „z“, „c“, „s“. Zusätzlich werden N-Laute zu einem
Laut, der wie „l(n)“ klingt, „uo“ aus zum Beispiel 国 wird etwas wie „ui“ (Auf die oft gestellte Frage,
woher man stamme also nicht „De Guo“ antworten sondern „Deeh Gweeh/Gui“. Der
Possessivmarker 的 wird hier in etwa wie „leeh“ ausgesprochen. Außer der unterschiedlichen
Aussprache werden teilweise auch andere Wörter für gewohnte Phrasen benutzt. 什么 wird zu
Sha2 啥 und 知道 zu Xiao3 De晓得.
Dies kann zu Anfang und auch später noch zu frustrierenden Missverständnissen führen, aber in
der Regel sprechen die meisten Chengduer zusätzlich Hochchinesisch und wenn nicht, ist es immer
noch eine sehr gute Übung zum Hörverständnis und bereitet auf die Realität vor, dass 普通话 nicht
immer Standard ist.
3.4 Hinweise zur Sichuan Küche
Die Sichuan Provinz ist für scharfes und Ma2La4 麻辣 (betäubende Schärfe) bekannt und
geschätzt. Für alle die, die kein Chili mögen, empfiehlt es sich beim Bestellvorgang dies zu
erwähnen, was in der Regel kein Problem darstellt.
Schwieriger ist es für alle, die aus welchen Gründen auch immer auf tierische Produkte verzichten
wollen oder müssen. Man kann bei der Bestellung erwähnen, dass man z.B. kein Fleisch haben
möchte, aber man muss sich darauf einstellen, dass nahezu immer zumindest Fleischbrühe oder
ein Sud im Essen sein werden. Oft genug wird man sehr komisch angeguckt oder nahezu verjagt,
wenn man diese Sonderwünsche äußert, da dieses Konzept hier einfach nahezu unbekannt ist.
Daher ist es eine fantastische Möglichkeit selbst das Kochen zu beginnen oder zu verbessern, da
Lebensmittel nahezu nichts kosten und man viel neues ausprobieren kann.
Wer sich das nicht zutraut oder nicht die Zeit hat, kann folgende Gerichte nahezu überall finden,
die am ehesten frei von tierischen Produkten sind (Su4De 素的): Yu2Xiang1qie2zi 鱼香茄子
(Gebratene Auberginen mit viel Knoblauch), Ma2Po2Dou4Fu (Tofu in typischer Chilisoße)麻婆豆腐,
Hong2shao1Dou4Fu 红烧豆腐,红烧茄子,Tu3dou4si1 土豆丝 (Kartoffelstreifen gebraten),糖醋白
菜,重庆小面,豌豆面 und so weiter.
Alternativ haben die meisten buddhistischen Klöster auch ein kleines Restaurant, in dem man
gegen eine kleine Gebühr vegetarische Gerichte bekommen kann.
Milchprodukte sind selten in Hauptgerichten zu finden, was für Allergiker und Veganer ein Problem
weniger darstellt. Dennoch sollte man sich darauf einstellen, dass man nach der Bestätigung des
Kellners etwas fleischfreies bestellt zu haben einen Knochen in der Suppe zu finden, da es ja sonst
unmöglich schmecken könne. 入乡随俗。
3.5 Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Peking und Shanghai
Als Zusammenfassung der vorherigen Hinweise komme ich zu der Ansicht, dass die Kosten hier in
Chengdu in etwa 50% niedriger sind als die in den anderen Städten bei gleicher Lebensqualität.
Dies macht Chengdu für alle noch interessanter, die sich wegen der Finanzierung des
Auslandsjahres Gedanken machen müssen. Mieten, Transport, Ausgehen, etc. sind hier wesentlich
erschwinglicher und wer auch noch selbst kocht kann das gesparte Geld für tolle Unternehmungen
außerhalb Chengdus nutzen, um das Land noch besser kennenzulernen.
4. Studieren an der Sichuan Universität
Das Studium ist neben dem Praktikum der Hauptgrund für den China-Aufenthalt, daher sollte man
sich genau überlegen welche Universität man als Ziel auswählt.
4.1 Infos zur Sichuan Universität
Die Sichuan Universität gehört zu einer der besten des Landes und hat eine lange Tradition als
erste höhere Lehranstalt in Süd-West China.
Beim ersten Betreten des Campus fallen einem viele Unterschiede zu einem deutschen Campus
auf. Es gibt viele Wohnhäuser, Geschäfte, kleine Stände, die Fahrräder verkaufen, Sportanlagen,
etc.
Das Gebäude für die ausländischen Studenten wirkt von außen etwas alt, passt aber zum Rest und
ist von innen in einem sehr guten Zustand. Möbliert mit Holzmöbeln, die allerdings ziemlich
unbequem werden können.
Verlässt man das Unterrichtsgebäude und wendet sich nach rechts, gelangt man einen gut
ausgestatteten Kiosk und ein tolles kleines Café, das sehr guten Americano Kaffee für nur 10 RMB
verkauft.
Es lohnt sich unbedingt die Mensakarte im Ausländeroffice zu beantragen, da die Mensen für
durchschnittlich 5-6 RMB Essen von Restaurant-Qualität bieten können.
4.2 Einschätzung der Lehrkräfte
Im Gegensatz zu unseren Kommilitonen in Shanghai und Peking sind wir von nur zwei Lehrkräften -
Frau Xian Li Xia 鲜丽霞 und Frau He Qian 何倩 – unterrichtet, die meiner Meinung nach ihre
Sache sehr gut gemacht haben
4.2.1 Frau Xian
Frau Xian betreut die Bremer Gruppe schon seit geraumer Zeit und einige Erfahrung mit unseren
Ansprüchen. Anfangs war sie noch etwas reserviert und ihr Lehrstil, der daraus bestand die
wichtigen Kernsätze aus den Wirtschaftstexten mehr oder weniger auswendig nachzuerzählen,
sagte uns nicht wirklich zu. Vielleicht etwas zu direkt fragten wir sie also, ob es möglich sei, mehr
freies Sprechen einzubauen und uns etwas vom Text zu entfernen. Sie wirkte etwas uneinsichtig,
aber hat gemerkt, dass wir eine andere Methode bevorzugen und dementsprechend Lehrinhalte
angepasst.
Sobald wir uns alle besser kennengelernt hatten, wurde die Stimmung immer besser und die
Stunden wurden mit Textarbeit aber auch sehr viel freier Diskussion gefüllt und meistens fand sich
auch noch die Zeit über private Dinge und Probleme zu reden.
Die Zwischenprüfungen waren fair gestaltet und hatten den Inhalt, auf den wir vorbereitet wurden.
Nach der Zwischenprüfung haben wir uns auch mehr und mehr von dem doch recht veralteten
Buch entfernt und regelmäßige Vorträge zu frei gewählten Themen in die Stunden eingebaut.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Frau Xian ihr Handwerk versteht, aber immer noch offen
für Anregungen der Studenten ist. Ihr Stil ist eine Mischung aus Sachlichkeit und Humor, der zu
einer sehr guten Atmosphäre führte.
Nach den Abschlussprüfungen gingen wir mit ihr und Frau He noch Essen und zum Karaoke und
haben alle noch einmal ein bisschen „unser Fett weg bekommen“, was man im Rahmen der Uni so
nicht unbedingt gemacht hätte. Bis auf Kleinigkeiten war ich sehr zufrieden mit ihrer
Unterrichtsgestaltung und Lehrstil und bei Fragen/Problemen konnte man sich jederzeit an sie
wenden.
4.2.2 Frau He
Frau He ist eine noch relativ junge und sehr energetische Dozentin, die durch ihre offene und
manchmal sympathische, etwas unbeholfene Art den Unterricht so gestalten konnte, dass es nie zu
Durchhängern unsererseits kam. Sie unterrichtete uns in Mittelstufen-Chinesisch, Kou Yu und das
zweiwöchentliche Extra-Modul, in dem wir zu vorgegebenen oder selbstgewählten Themen
Vorträge hielten.
Frau He legte besonderen Wert darauf unser gesprochenes Chinesisch zu verbessern, indem sie
uns die Nutzung vieler neuer Konjunktionen und Phrasen beibrachte und an Beispielen,
Diskussionen und Gesprächen näherbrachte.
Da sie aus Qingdao stammt, haben wir mit ihr auch einige Besonderheiten des dort gesprochenen
Dialekts und Eigenarten besprochen, wohingegen wir ihr deutsche Volkslieder übersetzen und
präsentieren sollten. Diese kleinen Abweichungen vom traditionellen Lehrplan nach Buch sorgten
dafür, dass der Unterricht immer interessant blieb und wir merkten, dass es sich lohnt unser
gesprochenes Chinesisch aufzupolieren.
Die von ihr gestellten Prüfungen waren mir allerdings etwas zu simpel und reichten nicht an das
Unterrichtsniveau unserer Kommilitonen in Peking und Shanghai heran.
Insgesamt betrachtet ist Frau He eine der sympathischsten Lehrkräfte, die ich jemals hatte, ohne
aber ihren Lehrauftrag zu vernachlässigen, da „Spaß und Arbeit“ in verschiedenster Form von ihr
kombiniert wurden und wir so beispielsweise einmal Unterricht im Teehaus machten, um die
Besonderheiten des Sichuan Dialekts kennenzulernen.
Ich hoffe, dass Frau He so wie Frau Xian der Bremer Gruppe noch lange zur Verfügung stehen
werden.
4.3 Stundenplan
Der Lehrplan der Sichuan Universität bestand aus vier verschiedenen Modulen: 经贸汉语
Wirtschaftschinesich, 综合汉语 Allgemein-/Mittelstufenchinesisch, 口语 Alltagschinesisch sowie
dem zweiwöchentlichem 语言实践 Anwendungsmodul.
Zeit Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
8.30 – 10.00 经贸汉语经贸汉语经贸汉语经贸汉语
10.30 – 12.00 综合汉语综合汉语口语综合汉语口语
14.00 – 15.30 口语双周 语言实践
4.4 Prüfungen
Beide Dozentinnen haben uns jeweils vor Zwischen- (30%) und Abschlussprüfung (50%) mitgeteilt,
worauf in etwa wir uns vorbereiten sollen.
Teil aller Prüfungen waren Vokabeln, Satzbau aus gemischten Satzteilen, Leseverstehen, freies
schreiben und ähnliches.
Mit Vorbereitung waren diese gut zu schaffen und reichten meiner Meinung nach vom Anspruch
nicht an die Chinesisch Klausuren des 4. Semesters in Bremen heran.
Die mündliche Kou Yu Prüfung erinnerte tatsächlich mehr an die aus dem 1. und 2. Semester, da
einzelne Vokabeln richtig vorgelesen werden mussten und im Anschluss ein simpler Dialog mit Frau
He geführt wurde.
Für das Fach 语言实践 sollten wir ein Thema unserer Wahl thematisch vorbereiten und am
Prüfungstag einen Aufsatz darüber schreiben.
Zusätzlich gab es wöchentlich bei beiden Dozentinnen Diktate und Referate, die zu 20% mit in die
Abschlussnote einflossen.
4.5 Zeugnis
4.6 Einschätzung des eigenen Lernfortschritts
Im Vergleich zu Peking und Shanghai war der Anspruch des Unterrichts an der Sichuan Universität
niedriger, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sich meine Fähigkeiten im Hörverstehen
und frei sprechen wahnsinnig verbessert haben.
Zu bemängeln sind zwar die alten Texte des Wirtschaftschinesisch Buchs, aber man lernte
dennoch, wie man Texte mit vielen fremden Vokabeln so lesen kann, dass man die grundlegende
Aussage versteht und in eigenen Worten wiedergeben kann. Diese Technik hilft dabei chinesische
Zeitungen oder Webseiten besser zu verstehen.
Allerdings merkt man schnell, dass die Fähigkeit per Hand zu schreiben ohne regelmäßige Übung
langsam schlechter wird, dem man irgendwie freiwillig mit viel Motivation beikommen könnte.
Die Mischung aus Unterricht und der chinesischsprachigen Lebensumgebung führten dazu, dass
ich mich nun nicht mehr davor scheue Konversationen auf Chinesisch zu führen und in der Regel
das ausdrücken kann, was ich möchte, wenn auch nicht immer grammatikalisch einwandfrei.
Bevor ich hierher kam habe ich so etwas manchmal im Asia-Laden probiert und bin an Dialekt
sowie Sprachgeschwindigkeit der dortigen Mitarbeiter direkt gescheitert.
Nach der Uni fuhren ein Kommilitone und ich mit dem Bus nach Laos und stellten fest, dass uns
unser Chinesisch Konversationen mit mitfahrenden Chinesen und Laoten ermöglichte, die auf
Englisch niemals funktioniert hätten, was ein wirklich gutes Gefühl war. In Laos selbst haben wir
aus Gewohnheit schon generell alle auf Chinesisch angesprochen, weil es mehr und mehr vertraut
wird.
Auch ein Vorstellungsgespräch für einen Nebenjob, das gleichzeitig auf Deutsch, Englisch und
Chinesisch geführt wurde, konnte ich ohne allzu große Mühe bewältigen.
Neben dem „gehobenen“ Wirtschaftschinesisch ist es außerdem interessant den Dialekt besser zu
verstehen und auch selbst anzuwenden, was des Öfteren zu erstaunten Blicken führt.
Man kann auch hier sagen, dass man mit genug eigener Motivation hier sehr viel lernen kann
außerhalb des Unterrichts. Und anstatt stundenlang zuhause über Vokabellisten zu grübeln, bietet
es sich an zum Beispiel einen chinesischen Roman zu kaufen und versuchen zu verstehen. Wer will,
kann lernen und Spaß haben gut verbinden.
5. Kurzer Reisebericht
Einer der Gründe, weshalb ich Chengdu auswählte, war der, dass die Stadt sehr günstig gelegen ist,
um mit Zug und Bus interessante Orte besuchen zu können.
An diversen Wochenenden und in der Golden Week sowie zum Frühlingsfest hatten wir immer die
Möglichkeiten Sichuans berühmte Berge Le Shan und Emei Shan zu erklimmen und andere kleinere
Ausflüge zu machen.
Aber man muss nicht innerhalb Chinas bleiben, da Zug und Bus hier sehr viel erschwinglicher sind
als in Europa. Daher entschieden ein Kommilitone und ich uns dazu über Weihnachten und
Silvester Richtung Kunming und Laos aufzubrechen und dies möglichst günstig.
Die Stadt Kunming in der Yunnan Provinz fungiert oft nur als Zwischenstopp für die bekannteren
Touristenorte im Süden Chinas, hat selber aber auch eine Menge zu bieten. Wer sich entscheidet
dorthin zu fahren, muss unbedingt in das Lost Garden Hostel einchecken, dass die schönsten
Zimmer und die beste Pizza Chinas zu bieten hat.
Man sollte unbedingt von Kunming aus mit dem Zug ins 2 Stunden entfernte Hei Jing 黑井 fahren
und am Bahnhof nach einem alten Herren und seinem Eselskarren Ausschau halten, der einen für
10 RMB durch ein kleines, authentisches Dorf fährt, um im Salzförderort Hei Jing anzukommen,
den man auf eigene Faust erkunden kann und der noch nicht von Touristenmassen verdorben ist.
Weil wir noch Zeit übrig hatten sind wir auf gut Glück ins Nachbardorf gewandert und haben mit
dem Dorfältesten reden können, der meinte, dass noch nicht viele Ausländer bei ihnen gewesen
wären. Ein wirklich besonderes Erlebnis.
(Ein paar Wochen zuvor waren meine Mitbewohnerinnen und ich schon einmal in Kunming und
fuhren von dort aus in das Tai Ping Tal zum selbsternannten „Spirit Tribe“ - Eine Aussteigersiedlung
in wunderschöner Natur, die seit einiger Zeit Musikfestivals organisiert. Auch sehr lohnenswert
nach der langen Zeit in der Großstadt)
Von Kunming aus kann man per Schlafbus bis nach Vietnam oder Laos fahren. Wir haben die
Strecke nach Luang Prabang angetreten und erlebten eine abenteuerliche, wahnsinnig
anstrengende 26 Stunden Fahrt für ca. 50€.
Man durchquert atemberaubende Landschaften, die man im Flugzeug verpassen würde, machten
Rast an hygienisch wirklich herausfordernden Tankstellen und Rastplätzen und zogen bald die
Aufmerksamkeit der anderen Mitfahrer auf uns, da wir die einzigen Ausländer waren und sogar
Chinesisch sprechen konnten.
Einmal angekommen in Luang Prabang fanden wir mit Hilfe zweier Chinesinnen, die wir auf dem
letzten Teilstück kennenlernten ein chinesisch geführtes Hostel und fühlten uns direkt wie zuhause.
Laos ist ein tolles Land für einen Abenteuertrip, aber die Busfahrten hin und zurück mit teilweise
grenzwertigen Situationen sind der Hauptgrund, weshalb dieser Urlaub im Kopf bleibt.
Wer sich auch für diese Art des Reisens interessiert sollte unbedingt die Seite www.seat61.com
besuchen, die sämtliche Zug-, Bus-, Schiffverbindungen weltweit detailliert beschreibt.
6. Ausgabenübersicht
Wie vorher schon erwähnt ist das Leben hier weitaus günstiger als in Shanghai oder Peking, ohne
dabei in irgendeiner Form schlechter zu sein.
Zusätzlich gibt es die Möglichkeit während des Studiums einer Nebentätigkeit nachzugehen, um
die eigene Kasse etwas aufzubessern. Es findet sich immer eine Privatschule, die einen Aushilfs-
Englischlehrer braucht oder Firmen, die Übersetzer für ihre Inhalte brauchen können. Ich habe
beispielsweise beim Spieleentwickler Tap4Fun einmal die Woche chinesische und englische Inhalte
ins Deutsche übersetzt und so erste Arbeitseindrücke in China gewinnen können.
7. Erster Eindruck vom Praktikum
Das Thema Praktikum ist das einzige, was Chengdu im Vergleich zu den anderen Städten wirklich
schlecht dastehen lässt, da nahezu keine Angebote vorhanden sind. Selbst die Liste aus dem Aulis
hat mir nicht wirklich geholfen. Daher habe ich erst recht spät durch den Kontakte bei meinem
Nebenjob eine WeChat-Gruppe für Jobsuchende gefunden und dort meine Angaben gepostet.
Dann allerdings bekam ich recht schnell drei gute Angebote, von denen ich mich für ein Praktikum
bei dem jungen Start-Up Enlai Total Educational Solutions entschied.
Dieses Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft einer renommierten südenglischen Software-
Firma und hat sich darauf spezialisiert geeignete Lehrkräfte und alternative Bildungssysteme wie
z.B. Forest School an chinesische Privatschulen zu bringen.
Da wir hier noch ziemlich am Anfang sind, kann ich aus nächster Nähe Meetings mit Klienten und
Geschäftspartnern beiwohnen und erlebe mit, wie man ein Contractual Joint Venture aufbaut.
Meine Aufgaben sind hauptsächlich in den Bereichen HR, Marketing und Strategisches
Management. So habe ich aktiv an der Webseite mitgearbeitet und Wissen aus den vorigen
Semestern anwenden und ausbauen können. Wir sprechen Englisch und Chinesisch und ich sehe
tatsächlich, dass mir die Stelle hier hilft meine Interessen weiter zu fokussieren und vielleicht gute
Kontakte zu für später zu knüpfen, da die großen Hierarchien noch nicht aufgebaut sind.
8. Fazit
Insgesamt bin ich sehr froh Chengdu ausgewählt zu haben, da das Leben hier sehr vielseitig
zwischen chinesischer Tradition und Moderne ist. Die Universität ist zwar nicht so „gut“ wie jene in
Peking, aber die Dozentinnen geben ihr Bestes, um eine gute Lernatmosphäre zu schaffen und
jeder, der wirklich daran interessiert ist Fortschritte zu machen, hat die Chance dazu dies hier zu
tun, da sich immer ein neugieriger Einwohner findet, der Lust auf ein Gespräch hat. Schwierig wird
es allerdings bei der Praktikumssuche. Es empfiehlt sich wesentlich früher anzufangen als ich es tat
und man sollte alle Kontakte, sofern man sie schon hat, nutzen, um etwas zu finden. Alternativ
sollte man sich hier vor Ort mit anderen arbeitenden Ausländern auseinandersetzen, da diese
einem oft noch zu einer Stelle verhelfen können, die auf den Jobbörsen nicht ausgeschrieben ist.
Chengdu ist ein bisschen „anders“ und wer ein sehr vielfältiges Auslandsjahr sucht, ist hier genau
richtig!
Montag, 22. Februar 2016
Donnerstag, 26. November 2015
Der Traum vom Eigenheim oder zumindest nicht draußen schlafen zu müssen
Der Winter in Chengdu sei zwar nicht so
kalt wie in Deutschland, aber durch die hohe Luftfeuchtigkeit wohl
ziemlich unangenehm. Diesen oder ähnliche Sätze hörte man von so
ziemlich jedem, der zur kalten Jahreszeit in dieser Stadt war. Nur was
man sich genau darunter vorstellen könne, war mir bis vor einer Woche
nicht wirklich klar. Und jetzt...? Kapiert. Habe ich vor 2-3 Wochen noch
mit T-Shirt draußen über Pandas nachgedacht, während mich die ersten
Winterbilder aus Deutschland erreichten, ist es jetzt ungefähr so, als
würde man mit noch nassen Klamotten in einer herbstlichen Pfütze sitzen.
Es gibt tatsächlich angenehmere Situationen. Weiterhin gibt es im Süden
Chinas generell keine Heizungen - Auch nicht bei uns zuhause.
Natürlich, benutz doch die Klimaanlage, sagen einige. Aber einen leicht
muffigen Windzug im Nacken zu haben, der daran erinnert von einem großen
Tier reichlich penetrant angeatmet zu werden, kann eine ölschluckende,
umweltverschmutzende Zentralheizung einfach nicht ersetzen. Auf der
anderen Seite lässt mich mein kaltklammes Zimmer an meine Zeit in London
zurückdenken... Da hatten wir eine Heizung, aber kein Geld sie
anzumachen. Höchstens mal am Sonntag für ein paar Stunden. Gut, das
klingt jetzt dramatischer als es wirklich ist. Viele Schichten tragen a
lá Zwiebel geht auch erstmal klar. Diesen Text beispielsweise schreibe
ich gerade mal wieder in meinem Lieblings-, reichlich asiatisch-schrägen
Kuriositätenladen/Café. Der Laden heißt "Fish says" (鱼说 yu2shuo1 -
gesprochen "üüh-schuaah" - Für die, die es genau wissen wollen.) Hier
ist es magischerweise warm, es gibt Strom und eine gute
Internetverbindung. Dazu verhältnismäßig günstigen Kaffee. Frank hat
Kaffee - Frank ist glücklich.
Die
Geschichte, die ich euch heute erzählen möchte, liebe Kinder, handelt
von unserer abenteuerlichen Wohnungssuche. Zumindest hauptsächlich. Mal
sehen, wie weit und extrem ich abschweifen werde ~~~ Schnallt Euch an.
Mein
letzter Eintrag endete mit der erfolgreichen Ankunft im Flip-Flop
Hostel. Das war und ist auch wirklich eines der besten, in denen ich je
rumhing. Lag hauptsächlich am fanastischen Personal. Ganz besonders die
eine Köchin! Gefühlte 285 Jahre alt, 34cm groß und nur Sichuan Dialekt
sprechend. Das aber mit der Lautstärke eines gebährenden
Passagierflugzeugs. Diese wunderbare Person hat uns immer Frühstück und
Tee gemacht. Das war zwar nichtmal besonders gut, aber mit Liebe
zubereitet. So komfortabel und aufregend das Hostelleben auch sein kann,
irgendwann reicht einem der Fußgeruch des Zimmernachbarn, die akute
Fußpilzgefahr im Waschraum oder das zusammensuchen seiner Sachen aus der
wabbeligen Reisetasche. Daher dachten wir (Nina, Maike und ich - Wir
studieren zusammen und haben schon in Deutschland geplant eine WG von
wunderbarer Merkwürdigkeit zu gründen) uns so nach ein paar Tagen - Ne
eigene Basis wäre ganz knorke. Besonders weil auch bald die Uni losgehen
sollte und wir davor solch grundlegende Dinge erledigt haben wollten.
Nun,
wie finden drei Trottel wie wir eine bezahlbare, einigermaßen schöne
und bestenfalls uninahe Wohnung? Es gibt hier hauptsächlich drei
Möglichkeiten das zu bewerkstelligen: Internet, Agentur oder persönliche
Kontakte.
Erstes
und letzteres
fielen schon bald raus, weil die meisten Internetanzeigen nur eine
Handynummer boten und telefonieren auf Chinesisch auch jetzt noch
wahnsinnig gruselig ist. Ich verstehe bis heute einige Leute nicht im
direkten Gespräch - Dann brauch ich es per Telefon garnicht erst
versuchen.
Und nach nur einer knappen Woche ist man auch noch nicht
sooo gut in der Gesellschaft vernetzt, als dass man von
Wohnungsangeboten überhäuft würde. Also: Agentur. Gönnen wir uns
den Luxus!
Nur...wo suchen? Wie läuft das überhaupt ab? Brauchen wir
irgendwelche besonderen Dokumente? Was, wenn die uns fragen, wie
viele Badezimmer wir brauchen und wir antworten, dass eine Küche genug
sei. Wie unglaublich peinlich das wäre! Sicher wäre man dann direkt für
immer und ewig bei denen unten durch und wir müssten hier 10 Monate
unter einer Brücke wohnen und uns um die Zeitung zum drauf schlafen
prügeln... (Erinnert ihr euch? Meine brilliante Fähigkeit schwarz zu
sehen.)Wir nahmen dennoch all unseren Mut zusammen und einen anderen Kumpel mit, der an dem Tag nichts besseres zu tun hatte, um in das Stadtviertel Yu Lin zu fahren, von dem ich in Deutschland bereits las, dass es fresh grün und ein bisschen alternativ sei. Und zufällig wohnte dort auch jener Freund, dessen Wohnung uns wir zuerst einmal anschauen wollten, um einen Eindruck davon zu bekommen, was es hier eigentlich so gibt. Tatsächlich gefiel uns seine Wohnung derart gut, dass wir am liebsten direkt nebenan eingezogen wären.
Wir gingen also runter und eine Agentur suchen, die eventuell Wohnungen in genau dieser Gegend haben könnte. Nun ist es in China oft so, dass die Makler einiger Agenturen mit einer Schautafel ihrer Angebote direkt vor einem sog. Xiao Qu stehen. Xiao Qu (gesprochen "Chiao Tschüüh") ist mehr oder weniger eine Wohnanlage mit seiner eigenen Infrastruktur. Anders als in Deutschland sind die Wohnblöcke immer einzelne, umzäunte und bewachte Viertel. Wenn man mit dem Taxi fährt, sagt man meistens nur den Namen des Xiao Qu's und der Fahrer weiß, wohin man will. Adressen sind hier nicht so ein Ding...
Jedenfalls stehen oft diverse Makler direkt vor so einem Xiao Qu und preisen die Wohnungen an, die sie in Jenem vermieten oder verkaufen können. Es ist nur etwas komisch das so zu sehen, wie dort drei rauchende, Anzug tragende Typen mit ihrem Schildchen stehen und einem sein zukünftiges Eigenheim andrehen wollen. Aus Neugierde und Mangel an anderen Alternativen versuchten wir sie dennoch anzusprechen und ihnen unsere Vorstellungen zu erläutern.... Das hat auch anfangs fantastisch überhaupt nicht funktioniert! Lag zum Einen daran, dass wir in zwei Jahren Chinesisch hauptsächlich Wirtschaftsvokabular und eher wenig im Alltag zu gebrauchendes gelernt haben und zum anderen - Der Dialekt. Mal wieder. Es wäre für uns im Prinzip einfacher gewesen Chinas und Ugandas Bruttosozialprodukt zu vergleichen und Vorschläge zu geben, wie man jenes verbessern könnte, in einem spontanen Vortrag zu erläutern als nach 3-Zimmer, Küche, Bad zu fragen. Was heißt gleich nochmal "Ein Fenster wäre auch cool"?
Nach ca. 12 Minuten und einer immer größer werdenden Menschentraube, die unsere Versuche neugierig beobachtete, hat einer der Makler verstanden, dass wir wohl eine Wohnung suchen würden. Klappt doch. Nach weiteren 30 Minuten haben wir auch die Rahmenbedingungen wie Größe, Budget und Lage übermitteln können.
Während unseres Gesprächs wurden so einige Zigaretten geraucht und es ist hier eine höfliche Geste allen im Gespräch verwickelten Mitmenschen auch eine Fluppe anzubieten, wenn man sich selber eine nimmt. Nina und ich sind ja allerdings Nichtraucher... Was tun? Ich meinte irgendwo einmal gelesen zu haben, dass es ziemlich unhöflich sei eine angebotene Zigarette abzulehnen. Gut, andere Länder, andere Sitten, her mit dem Ding. Hat allerdings nicht wirklich geholfen unsere Glaubwürdigkeit zu steigern, da wir nun zusätzlich zur kommunikativen Barriere auch noch Husten und Röcheln unterdrücken mussten. Dies sollte sich noch einige Male im Laufe des Tages wiederholen. Ich sah mich bereits eine Schachtel am Tag rauchen, bis mir am abend mal einfiel einen chinesischen Freund zu fragen, ob das überhaupt wirklich so unhöflich sei. Leicht verwirrt fragte er mich, wie ich denn auf die bescheuerte Idee gekommen sei.... Gut, sorry Lunge, zumindest das hätte ich dir ersparen können.
Zurüüüüück zum eigentlichen Thema - Anstehende Wohnungsbesichtigungen. Das folgende scheint überall auf der Welt gleich zu sein, erlebte ich es doch in Deutschland, England und hier -> Es wird zuerst versucht dem verzweifelten Wohnungssuchenden die letzten Bruchbuden, die schon zu lange im Portfolio sind, anzudrehen. Das war auch genau der Plan von unserem Makler, den wir, weil wir uns seinen chinesischen Namen partout nicht merken konnten, liebevoll "Kalle" nannten. Wir liefen also zur ersten möglichen Traumwohnung. Wandern traf es eher, da diese Stadt einfach mal viel zu groß ist und sie uns wohl noch die Gegend schmackhaft machen wollten. Das war eine Theorie; Ich glaube immernoch, dass wir uns verlaufen hatten und sie das nur nicht nicht zugeben wollten.
Die ersten zwei Wohnungen, die wir also anschauten, waren... charakteristisch, nahezu avantgarde! Wer braucht schon eine Toilettenschüssel, wenn das Rohr selbst doch breit genug ist. Ne Tür? Jetzt hörts aber auf.
Irgendwann wussten die werten Makler dann, dass wir wussten, dass sie wussten, dass wir wussten, dass sie uns hier gerade ihren Müll andrehen wollten. Hah, nicht mit uns! Weiter zur 4. Wohnung. (Die Odysee erstreckte sich übrigens über den ganzen Tag. Wir liefen gute 342 Km durch Yu Lin und haben auch keine Möglichkeit gehabt etwas zu essen.) Im Nachhinein eine sehr gute Taktik, da wir am Ende des Tages fast bereit gewesen wären die letzte Wohnung zu nehmen. Diese war auch garnicht mal schlecht, luxuriös gar, aber es war doch recht deutlich, dass sie lange nicht bewohnt war und dementsprechend schmierig. Gut, kann man putzen, hauptsache warme Bleibe. Zum Glück war aber Jakob dabei, der ja schon eine Wohnung hatte und daher unser potenzielles Domizil genauer unter die Lupe nehmen konnte. Tolle Panorama-Fensterfront über der Stadt. Nur was ist das? Das Fenster "schließt nicht richtig". In der Realität hieß das, dass man bei "geschlossenem" Fenster immer noch genug Platz im Rahmen hatte seine ganze Hand nach draußen zu stecken. Ja... Fragen wir direkt mal den Makler dazu. Für ihn natürlich absolut kein Problem. Ist doch noch warm draußen und im Winter... Naja, zieht bestimmt nicht. Während ich ihm versuchte klarzumachen, dass unsere Ansprüche zwar nicht hoch waren, aber sowas ginge dann doch nicht, machten sich die anderen daran die anderen Zimmer und Geräte noch einmal genauer zu untersuchen. In Kurzfassung: Oh weia. Kaputte Lampen, streikende Wasserhähne, absolut verdreckte und müffelnde Küchengeräte und der sich aufdrängende Verdacht, dass jemand in dieser Wohnung gestorben sein müsste und sie deshalb so lange leerstand und eigentlich auch verdächtig preiswert war.
Dennoch war die Verzweiflung groß und wir wollten endlich eine Wohnung haben. Liessen uns versichern, dass die Schäden behoben würden und nahmen uns eine Nacht zum drüber schlafen. Beste Entscheidung.
Am selben Abend nämlich bekam einer der Hostelmitarbeiter von unserer Situation Wind und bot an uns zu helfen. Einfach so. Unglaublich netter Kerl. Hat mir auch noch geholfen Handy, Sim-Karte und vieles anderes zu besorgen. Danke, Dong Chen.
Er meinte dann an jenem Abend, dass das alles ziemlicher Bullsh*t sei und wir lieber noch einmal in einem anderen Stadtviertel schauen sollten.
Diesen Hinweis nahmen wir uns zu Herzen und fuhren am nächsten Tag auf gut Glück in die Nähe des Uni-Geländes und schauten uns ein wenig die Gegend an. War erstmal nicht sonderlich beeindruckend, aber zumindest nah dran. Wir wollten es diesmal mit einer anderen Agentur versuchen und gingen ins erstbeste Büro.
Diesmal mit kompetenter erscheinenden Maklern redend, hatten wir nach nur wenigen Minuten unsere Vorstellungen erläutert und brachen bald zu den ersten Besichtigungen auf.
Was uns auch dort immer wieder auffiel und uns anfangs etwas komisch vorkam, war, dass es hier ganz normal zu sein scheint während "geschäftlicher" Interaktionen auch über eher private Dinge zu reden. So waren die netten Damen ausgesprochen neugierig, wo wir herkamen, was wir hier machen, wie das Leben in Deutschland sei und ob es dort keine "normalen" Zigaretten gäbe. Wie bitte? Achja, sie sahen, wie sich Maike ab und zu mit ihrem aus Deutschland mitgebrachtem Tabak Zigaretten selbst rollte. Das ist hier absolut unbekannt.
Nach 12 Minuten waren wir also mehr oder weniger beste Freunde, aber wir waren ja eigentlich gekommen eine Bleibe zu suchen.
Im Gegensatz zum Vortag waren die Wohnungen in diesem Viertel um Längen besser und hatten sogar schließende Fenster und Türen. Jay. Nach ein paar Stunden hatten wir auch fast unser Traumapartement gefunden. Mit der einen Hand schon fast den Zuschlag gemacht, hat einer von uns zum Glück noch im letzten Moment einen gigantischen Schimmelfleck im Zimmer 3 gefunden. MIST! Schnell beste Freundin Nr.2 gerufen und ihr versucht zu erklären, dass Schimmel in die Zimmer nix gut für Lunge sei. Sie guckte, fragte nach, guckte nochmal - Wo sei jetzt das Problem? Bisschen Farbe drüber und vergessen ist die Sache. Interessante Vorgehensweise - Erklärt auch so einiges, aber für uns supergenaue und gesundheitsliebende Deutsche nicht akzeptabel. Die Wohnung fiel leider auch raus.
Die Stimmung fiel leicht, es wurde diskutiert, sicherlich heimlich über uns geflucht, aber mit größter Professionalität eine weitere Wohnung gesucht.
Man bat uns ein bisschen zu warten und lud uns eine halbe Stunde später ins Auto, um uns zu einem anderem Xiao Qu zu bringen.
Und da hatten sie aber was gefunden, jawollja! Eine sehr grüne, eigtl. viel zu luxuriös erscheinde Wohnanlage (Eigener Tennisplatz, Check. Pool, auch da. Yissss). Schnell in den Fahrstuhl und die Wohnung besichtigen. Riecht gut nach essen...!? Oh, hier wohnt noch wer. Tatsächlich war eine Familie plus alte Omma gerade am Mittagessen. Es war uns etwas unangenehm jetzt einfach in der Bude rumzurennen und womöglich wieder was zum kritisieren zu finden. Doch man versicherte uns bald, dass man morgen sowieso ausziehen würde. Nun hört man ja so einiges über China und wir waren nicht ganz überzeugt, ob der morgige Auszug auch wirklich FREIWILLIG geschehen würde... Naja, erstmal gucken. Im Prinzip war die Wohnung perfekt. Modern, sehr gemütlich, gut ausgestattet. Das einzige Problem stellte eines der Schlafzimmer dar. Es war bisher das Kinderzimmer, daher war die Tapete mit LKWs verziert und das Bett war eine Kinderkrippe. Auch wenn wir immer wieder von uns selbst sagen, dass wir viel zu kindisch sind für unser Alter, war das dann aber doch etwas unpassend. Schnell gefragt, ob es möglich wäre zu streichen und ein anderes Bett zu bekommen. Und hier kam es zum Missverständnis: Wir meinten verstanden zu haben, dass das garkein Problem sei. SUPER! Jackpot! Direkt unterschreiben und Reservierungsgebühr zahlen. Die Vertragsunterschrift wurde für den nächsten Tag angesetzt, sodass wir noch einmal Zeit hatten uns alles durch den Kopf gehen zu lassen.
Am selben Abend im Hostel trafen wir auch unseren neuen chinesischen Freund wieder und erzählten ihm auch diesmal von unserem Erlebnis. Während des Gesprächs erzähltem wir ihm auch davon, dass wir ein bisschen Schiss davor hatten den Mietvertrag nicht richtig zu verstehen und nacher noch ausversehen eine unserer Nieren mitverkaufen würden. Um das zu verhindern, bot er sich an am nächsten Tage mitzukommen und sich alles genau anzugucken.
Sprung zum nächsten Morgen. Der Termin war um 12.00 Uhr mittags angesetzt. Ich stand einigermaßen pünktlich um 10.00 Uhr auf, weil ich endlich mal nach Kaffee suchen wollte. Das ist die Geschichte, in der ich ausversehen in meinen assigsten Klamotten in einem Luxuscafé landete und mich nicht mehr raustraute. Vielleicht komme ich ein anderes Mal darauf zurück.
Jeeeedenfalls machten wir aus Dong Cheng direkt vor der Agentur um die Uhrzeit zu treffen und wir machten uns selbst irgendwann auf den Weg. Das blöde war, dass wir absolut vergessen hatten, wo die Agentur eigtl. war und wir brauchten dringend einen Geldautomaten für die Kaution. Mit einer eleganten Verspätung von ca. 40 Minuten kamen wir aber doch an und man wartete bereits auf uns.
Wir trotteten alle gemeinsam zurück zur Wohnung, um noch einmal die Details zu besprechen. Diesmal war die Familie auch wieder da, aber - mir ist bis heute nicht klar wie - Die Wohnung war komplett leer. Nicht schlecht, Herr Chinaspecht.
So, wie war das noch mit dem streichen und dem neuen Bett? Geht auf garkeinen Fall? ... Wie bitte?
Was jetzt? Gestern war das doch noch kein Problem? Haben wir vllt. etwas falsch verstanden? Wir fragten unseren Freund, ob er der Sache noch einmal auf den Grund gehen könne - Ja, es sei so, dass hier nichts geändert werden könne. Das fanden wir in dem Moment direkt richtig nicht gut!
Wir diskutierten dennoch kurz, wer sich eventuell bereiterklären würde ein Stück Kindheit wiederzuerleben, aber einigten uns dann doch bald, dass wir in diesem Fall leider wieder einmal absagen müssten. Vermieterin und Makler waren alles andere als amused. Es war mittlerweile der dritte Tag mit den schwierigen Deutschen und die Stimmung drohte zu kippen. Bevor wir uns aber prügeln mussten, hat es eine der Maklerin doch noch irgendwie geschafft einen anderen Besichtigungstermin zu vereinbaren.
Falls jetzt noch irgendjemand am lesen ist - Der Text wird viel zu lang - Es sollte endlich von Erfolg gekrönt sein.
Wir kehrten noch einmal zur Agentur zurück und man bat uns zu warten.
Eine kurze Zeit später lud man uns wieder einmal ins Auto und brachte uns zum Nachbar Xiao Qu.
In dieser Wohnanlage schauten wir uns noch einmal drei Wohnungen an. Nina und ich waren von der ersten sofort begeistert - 31. Stockwerk, gut geschnitten, großer Balkon, zwei Badezimmer, Wasserspender und alles, was man so braucht. Achja, der Preis stimmte. Wir zahlen ca. pro Person nichtmal 200€ im Monat. In Bremen bekäme man dafür höchstens ne Besenkammer neben den Bahnschienen, wenn überhaupt.
Mit Hilfe unseres Kumpels setzten wir also einen erneuten Termin zur Unterschrift fest. (Er ist übrigens auch Student an der Sichuan Universität und beginnt gerade seinen Master. In China ist es üblich im Wohnheim zu wohnen. Das bedeutet gemeinsam mit 4-6 Leuten ein Zimmer teilen. Es war uns zwischenzeitlich etwas unangenehm, dass er sehen musste, wie wir uns über dies und das in einer eigenen Wohnungen beschwerten, waren wir ja im Prinzip auch nur Studenten. Das Ding ist nur, dass wir als Ausländer dann auch ins Ausländerwohnheim gemusst hätten, das wiederum absolut frech überteuert und auch ziemlich hässlich ist. Daher eigene Wohnung.)
Sprung zum nächsten Tag: Wir unterschrieben und waren endlich nicht mehr obdachlos! (Übrigens, ein Mietvertrag hier umfasst tatsächlich 4 Din-A3 Seiten und jedes wichtige Detail wird mit einem Fingerabdruck von jeweils Vermieter und Mieter abgesegnet. DAS ist mal genaues arbeiten und sieht irgendwie cool aus.)
Nachdem wir also unsere Kaution bezahlt und unsere Seele hoffentlich nicht gleich mitverkauft hatten, fand also die Schlüsselübergabe statt.
Ungeduldig, wie ich manchmal bin, wollte ich noch am gleichen Abend unbedingt "einziehen". Maike und Nina waren entspannter und wollten es am nächsten Tag in Ruhe machen.
Kurzfassung für alle, die nicht 3 Stunden haben zum genauen durchlesen: Wir schauten uns insgesamt 7-10 Wohnungen an, von denen die Hälfte an Gefängnisse erinnerte. Wir entpuppten uns als "anspruchsvolle" Mieter, weil wir schließende Fenster und schimmelfreie Wände erwarteten.
Zusätzlich lernten wir, dass man sich mit Maklern befreunden kann und es möglich ist einen kompletten Haushalt plus Omma innerhalb weniger Stunden in Kartons zu packen und auszuziehen.
| Auf zur 2. Agentur (Noch ziemlich motiviert) |
| Meine Aussicht aus dem 31. Stockwerk |
| Alle Zimmer haben diesen tollen Erker zum draufsitzen und Apfel essen |
| Hier trocknen wir unsere Wäsche, damit sie auch nen tollen Ausblick hat |
| Hier schlafe ich in diesem viel zu großen Bett, das viel zu viel Platz wegnimmt |
| Blick aufs Wohnzimmer und Balkon (Einfach dazudenken) |
| Die Küchen in hier sind eher funktional als schön. Kochen macht trotzdem Spaß |
Samstag, 21. November 2015
Mit leeeeichter Verspätung ein paar Infos zu meinen Erlebnissen
Ein euphorisches "Hallo" und 你好(Ni3 Hao3) aus Chengdu, Sichuan Provinz China...
hier ->
Nun war es ja so, dass ich vor meiner Abreise zu so ziemlich jeder sich bietenden Gelgenheit erwähnte und rumposaunte, dass ich einen super aufregenden, mit Spannung vollgepackten und rundum beeindruckenden Blog zu schreiben vorhätte... Das hat bisher noch auf sich warten lassen. Aus Gründen... Die da hauptsächlich wären: Chaos, die Priorität zu haben erstmal überleben zu wollen und soviele neue Eindrücke und Material, dass ich garnicht wusste, wo ich anfangen sollte. Nicht, dass ich das jetzt wüsste, aber da ich heute bis ca. 15.00 Uhr im Bett lag und mir der Rücken begann wehzutun, dachte ich mir, dass ich mir eine Hose anziehen könne, meinen Laptop einpacken und mir einen inspirierenden Ort suchen sollte, um endlich mit diesem wunderbaren Stück Literatur zu beginnen, auf das meine ganzen Fans (3, in Worten: Drei) so sehnsüchtig warten. Dass diese Aussage maßlos übertrieben sei, überhöre ich jetzt mal diskret. Es haben mich in den letzten zwei Monaten bestimmt 20... Zwei Leute mit der Frage angeschrieben, wo denn meine Erfahrungsberichte blieben.
Also, stürzen wir uns ins "Abenteuer" - Mein Leben hier in China.
Es ist vielleicht am einfachsten, wenn ich in den ersten Posts hier ein paar Grundlagen beleuchte und immer mal wieder auf bestimmte Ereignisse eingehen, die mich hier besonders beeindrucken. Oder es gibt absolut garkeine Struktur und ich ergebe mich der kreativen Anarchie, auch bekannt als "mangelndes Organisationstalent".
Beginnen wir mit den Grundlagen: Am 25. August 2015 Jahre nach Christi Geburt, bin ich, meine umständlich schwere und bestechend orange Reisetasche sowie ein billiger Aldi-Rollkoffer in Bremen in ein Flugzeug gestiegen. Dieses konnte sogar fliegen und brachte mich nach Paris zu dem wohl unübersichtlichsten Flughafen mit dem motiviertesten Personal. "Motiviert" in diesem Falle absolut unter keinen Umständen auf die Idee zu kommen, dass nicht jeder Fluggast an diesem sehr internationalen Flughafen astreines Französisch spräche.
Die Problematik in dem ganzen Unterfangen bestand darin, dass ich am Charles de Gaulles Flughafen die Airline wechseln musste - Also Gepäck annehmen und wieder abgeben, weil ich dadurch bei der Ticketbuchung etwas Geld sparen konnte. Nur waren an jenem Orte jegliche Hinweisschilder und Bodenpläne so hilfreich wie ein Mittagessen ohne Geschirr und Besteck. Schön, dass sich jemand die Mühe gemacht hat etwas vorzubereiten, aber irgendwie bringt es den Gast nicht weiter.
Nach langer Suche, lautstark geäußerter Frustration und einem dezenten Hassgefühl fand ich letztendlich den Schalter von Qatar Airways und konnte meine Reisebegleitung in Form von vorhin beschriebenem Gepäck abgeben. Nun nur noch schnell zum Terminal schlendern. Als f*cking ob! In Kurzversion: Auch das zu finden war super umständlich, aber ich schaffte es und fand mich als eine der wenigen Langnasen in der Wartehalle des Fluges, der mich nach Chengdu bringen sollte. Ein erster Vorgeschmack wie es sich anfühlen würde als Ausländer die Minderheit darzustellen. Ein Erlebnis, das jeder mal gemacht haben sollte, lässt es einen einige Dinge in einem anderen Licht betrachten.
Als ich dann aber im großen Flieger von Paris Richtung Osten abhob, mischten sich Aufregung, Neugierde, Erschöpfung und ein leichter Harndrang in meinem Befinden zusammen. Generell eine ganz positive Mischung. Bis auf das aufs Klo müssen, macht das in öffentlichen Verkehrsmitteln doch eher selten Freude.
Wenn man sonst nur das Fliegen in den Budget-Airlines Europas gewohnt ist, findet man sich in einem "richtigen" Flugzeug erst einmal von vielerlei beeindruckenden Dingen umrundet. Da wären der bequeme Sitz mit eigener Kotztüte in bequemer Reichweite, das Entertainmentsystem in der Kopfstütze vorderhand, die Decke mit dem Airline-Logo, die man am Flugende eigtl. abgeben soll, die aber unter den unglücklichsten aller Umständen von ganz allein ohne mein Zutun in meinen Rucksack fiel und nie wieder gesehen ward. Ich machte mich auf ein paar entspannte Stunden in einigen Metern Höhe bereit. Ganz bald nach dem Abheben begannen auch schon die Flugbegleiter mit ihren vollbeladenen Wagen durch die Gänge zu schieben. Der Anblick erfüllte mich mit Freude und einer gewissen Beklommenheit, hatte ich doch noch von zahlreichen Ryanairflügen im Kopf, dass die Kostbarkeiten in 10000m Höhe meistens mind. 10€ und eine Niere kosteten. Als ich dann aber dran war zu bestellen und durchs penetrante Anstarren derer, die vorher bedient wurden, herausfand, dass man ein Getränk einfach so bekommt, war ich reichlich erfreut. Ich wollte es dann auch zur Feier des Tages richtig krachen lassen und bestellte einen ganzen Becher Apfelsaft. Das war ein Nervenkitzel, wow! Doch damit nicht genug, es gab nicht nur ein Getränk, sondern MEHRERE. Heiliger Furzkuchen, ich realisierte, dass ich mich während der 7 Stunden Flug doch würde hydrieren können und mein vorhergeganges Training wie ein Kaktus zu leben, garnicht nötig war. Bei der zweiten Runde dachte ich dann aber, dass ich mir nun wirklich mal was gönnen wollte und fragte nach einem Glas Weißwein. Durch beginnenden Jetlag und reisebedingtem Verlust jeglichen Zeitgefühls, war mir in dem Moment nicht klar, dass ich gerade der erste Fluggast war, der um kurz nach Mittag, 43 Minuten nach Start das erste Glas Alk bestellte. Peinlich berührt und mir der Geringschätzung sicherlich aller Passagiere plus Pilot bewusst (Kam mir nur so vor, in Wirklichkeit hats niemanden ineressiert), drapierte ich meinen Drink stilvoll auf meinem kleinen Klapptischchen.
Nachdem ich am Becher nippte, wurde mir allerdings bewusst, warum so wenige nur um diese Zeit nach langem wachbleiben alkoholhaltige Erfrischungen bestellten in 10.000m Höhe - - Ich fühlte mich, als ob ein Esel auf meinem Kopf säße. Kurzum: Ich war ziemlich breit. Aus Angst DER eine Passagier zu werden, der sich durch lautes und penetrantes Singen in die Schlagzeilen der etablierten Klatschblätter bringt, entschied ich zu ratzen.
Dem Vorhaben folgte ich mit viel Körpereinsatz und Motivation und ließ mich nur durch die Mahlzeiten und der Blähungen meines werten Sitznachbarn unterbrechen.
Leider musste ich auch in Qatar umsteigen. Doch dies war im Vergleich zu Paris ein Zuckerschlecken und das meine ich ganz wörtlich, weil ich tatsächlich Zeit hatte noch ein Eis zu essen. Nach über 20 Stunden ohne Schlaf und in einer fremden Zeitzone, erschien es mir sinnvoll um Ortszeit 2.00 Uhr morgens eines zu essen.
Nachdem ich jetzt vielmehr ins Detail gegangen bin als eigentlich geplant, hier der zweite Teil der Reise in schnell: Von Qatar direkt nach Chengdu. Geratzt, gefuttert, Filme geschaut und meine erste richtige Konversation auf Chinesisch mit meiner Sitznachbarin geführt. Ca. 2 Jahre emsigen Chinesischlernens haben es mir ermöglicht... genau nichts zu verstehen, von dem , was die nette Dame mir so euphorisch erzählte. Ein guter Start in meinen Aufenthalt hier in China, dachte ich mir da so.
Nach einer gefühlten Ewigkeit von ca. 12 Jahren und 7 Minuten, landeten wir Chengdu. Welch Abenteuer und neue Erlebnisse sollten mich hier erwarten? Welch tolle Gerichte werde ich essen und sicherlich nach 2 Wochen bestes Chinesisch sprechen und schreiben? Dieses denkend und verträumt den anderen Passagieren im Weg stehend, wurde ich sanft aber bestimmt solange geschubst, bis man an mir vorbei aussteigen konnte. Dachte mir dann auch, dass ich das mal tun sollte und setzte meinen ersten Fuß auf chinesischen Boden (Es gab keine Gangway. Man musste einer dieser Treppen aus dem Flugzeug aufs Rollfeld hinabsteigen.. wie so ein barbarisches Tier im Wald. Pah).
Dennoch dachte ich mir so:" Whooop, China" und meine Lungen sollten einen ersten Vorgeschmack auf die duftend versmogte Luft Chengdus erhaschen. In Realität leider weniger poetisch, da ich erstmal husten musste und es echt fies nach Fuß roch. Könnte ich aber auch selbst gewesen sein. Immer noch beeindruckt kam ich in der Ankunftshalle des Shuangliang Airports an und sah, dass man ein Papier ausfüllen müsse, bevor man zur Pass- und Visumskontrolle ginge. Das hat mich wiedermal doll beeindruckt und ich wollte ein paar Photos machen. Klick, klick, klick super Bilder. Was ist das? Ein "Bitte-Nicht-Fotografieren"-Schild? Oh snap, keine drei Minuten her und schon mit dem Gesetz in Konflikt. Was bin ich ein Rebell.
Papier ausgefüllt und auf zum Schalter. Was, wenn mein Visum nicht in Ordnung ist? Was, wenn mein Gepäck nicht angekommen ist? Was, wenn man mir eine Frage stellt, ich sie nicht verstehe und man mich direkt ind dunkelste Verlies gleich neben den Toiletten sperrt? Mir selbst unnötige Sorgen machen konnte ich schon immer gut und habe mich wunderbar in die schlimmsten Szenarien reingesteigert, bis ich endlich an die Reihe kam mein 60€-Hamburger-Chinakonsulats-Visum vorzuzeigen. Natürlich lief alles reibungslos und ich habe schon fast etwas enttäuscht nach 5 Minuten meine Tasche in bestem Zustand vorgefunden. Soviel zu den aufregendes Erlebnissen bei der Einreise.
Auf also ins Stadtzentrum zum vorgebuchten Hostel. Gewissenhaft wie ich manchmal bin, hatte ich einen Zettel mit der Adresse dabei, um sie dem Taxifahrer vor die Nase halten zu können. Warum nochmal hatte sich die Frau im Flugzeug so über den angeblichen Ort des Hostels gewundert? Das stand doch genauso auf der Website. Bestimmt irrte sie sich. Ohne Zeit zu verlieren stolperte ich an den Anfang der Taxireihe und zeigte stolz mein kleines Zettelchen vor. Fahrer guckt, sichtlich desinteressiert und schüttelt den Kopf. Sagt, dass er soweit nich fahren würde.... Wie bitte? Ein Taxi, dass nicht in die Stadt fahren will? Tolles Businessmodel, Typ, wirklich. Ich gehe ein Stück zurück und der Sicherheitsmann fragt leicht besorgt aber hauptsächlich neugierig, was los sei, wo ich denn hin wolle. Auch ihm gönne ich einen Blick auf meinen mit Liebe auf die Rückseite eines Café-Bons geschrieben Text. Seine Reaktion bestand hauptsächlich darin, mir aufgeregt in tiefstem Sichuandialekt einen anscheinden nicht unwichtigen Tatbestand zu erklären. Natürlich verstand ich ihn nicht. Irgendwann dämmerte mir aber doch, dass die Adresse anscheinend falsch sei und mich ca. 140 Km außerhalb Chengdus in die unbesiedelte Wildnis Sichuans gebracht hätte. Was zum Geier? Das stand da genauso auf der Website. Leicht angesäuert ging ich zurück ins Flughafengebäude, um die Damen am Informationsschalter von meinem Leid wissen zu lassen und sie zu bitten mir die richtige Adresse rauszusuchen. Das klappte ganz wunderbar und diesmal fand ich auch einen Fahrer, der bereit war, seinen Job zu machen.
Auf der Autobahn hatte ich nun endlich etwas Zeit die Gegend auf mich wirken zu lassen. Grau, hässliche Hochhäuser, müffelnd und laut. Jackpot! Wie damals, als ich den ersten Abend in London ankam dachte ich mir - WAS ZUM GEIER DACHTE ICH MIR HIERHER ZU KOMMEN??!?!1!eins
Ohne Witz, an dem Tag war kein gutes Wetter und alles sah unglaublich sche*ße aus. Dass ich über 36 Stunden nicht richtig geschlafen hatte, half wenig weiter.
Nach einer knappen Dreiviertelstunde Fahrt aber erreichten wir das Hostel. Die Gegend, in der es sich befand, war wahnsinnig attraktiv. Der Charme eines zwielichtigen Hinterhofs mit dem Aroma verbrannten Gummis. Egal, Abenteuer, jung sein und so. Ich ging mit meinen Fünfzehntausend Kilo Gepäck in den wackeligen Außenaufzug und komme an der Rezeption an. Soviel ich gerade gemeckert habe, so sehr war ich von Interieur des Etablissements aber angetan. War wirklich gemütlich und das Personal super freundlich. Ich bezog mein Hochbett und war erstmal ziemlich kaputt und überfordert aber gleichzeitig beruhigt angekommen zu sein.
Soviel zur Hinreise. Nach und nach werden nun (hoffentlich) mehr und mehr Sachen zu meinem Leben hier veröffenticht. Doch soviel schonmal jetzt: Es gefällt mir hier verdammt gut!
hier ->
Nun war es ja so, dass ich vor meiner Abreise zu so ziemlich jeder sich bietenden Gelgenheit erwähnte und rumposaunte, dass ich einen super aufregenden, mit Spannung vollgepackten und rundum beeindruckenden Blog zu schreiben vorhätte... Das hat bisher noch auf sich warten lassen. Aus Gründen... Die da hauptsächlich wären: Chaos, die Priorität zu haben erstmal überleben zu wollen und soviele neue Eindrücke und Material, dass ich garnicht wusste, wo ich anfangen sollte. Nicht, dass ich das jetzt wüsste, aber da ich heute bis ca. 15.00 Uhr im Bett lag und mir der Rücken begann wehzutun, dachte ich mir, dass ich mir eine Hose anziehen könne, meinen Laptop einpacken und mir einen inspirierenden Ort suchen sollte, um endlich mit diesem wunderbaren Stück Literatur zu beginnen, auf das meine ganzen Fans (3, in Worten: Drei) so sehnsüchtig warten. Dass diese Aussage maßlos übertrieben sei, überhöre ich jetzt mal diskret. Es haben mich in den letzten zwei Monaten bestimmt 20... Zwei Leute mit der Frage angeschrieben, wo denn meine Erfahrungsberichte blieben.
Also, stürzen wir uns ins "Abenteuer" - Mein Leben hier in China.
Es ist vielleicht am einfachsten, wenn ich in den ersten Posts hier ein paar Grundlagen beleuchte und immer mal wieder auf bestimmte Ereignisse eingehen, die mich hier besonders beeindrucken. Oder es gibt absolut garkeine Struktur und ich ergebe mich der kreativen Anarchie, auch bekannt als "mangelndes Organisationstalent".
Beginnen wir mit den Grundlagen: Am 25. August 2015 Jahre nach Christi Geburt, bin ich, meine umständlich schwere und bestechend orange Reisetasche sowie ein billiger Aldi-Rollkoffer in Bremen in ein Flugzeug gestiegen. Dieses konnte sogar fliegen und brachte mich nach Paris zu dem wohl unübersichtlichsten Flughafen mit dem motiviertesten Personal. "Motiviert" in diesem Falle absolut unter keinen Umständen auf die Idee zu kommen, dass nicht jeder Fluggast an diesem sehr internationalen Flughafen astreines Französisch spräche.
Die Problematik in dem ganzen Unterfangen bestand darin, dass ich am Charles de Gaulles Flughafen die Airline wechseln musste - Also Gepäck annehmen und wieder abgeben, weil ich dadurch bei der Ticketbuchung etwas Geld sparen konnte. Nur waren an jenem Orte jegliche Hinweisschilder und Bodenpläne so hilfreich wie ein Mittagessen ohne Geschirr und Besteck. Schön, dass sich jemand die Mühe gemacht hat etwas vorzubereiten, aber irgendwie bringt es den Gast nicht weiter.
Nach langer Suche, lautstark geäußerter Frustration und einem dezenten Hassgefühl fand ich letztendlich den Schalter von Qatar Airways und konnte meine Reisebegleitung in Form von vorhin beschriebenem Gepäck abgeben. Nun nur noch schnell zum Terminal schlendern. Als f*cking ob! In Kurzversion: Auch das zu finden war super umständlich, aber ich schaffte es und fand mich als eine der wenigen Langnasen in der Wartehalle des Fluges, der mich nach Chengdu bringen sollte. Ein erster Vorgeschmack wie es sich anfühlen würde als Ausländer die Minderheit darzustellen. Ein Erlebnis, das jeder mal gemacht haben sollte, lässt es einen einige Dinge in einem anderen Licht betrachten.
Als ich dann aber im großen Flieger von Paris Richtung Osten abhob, mischten sich Aufregung, Neugierde, Erschöpfung und ein leichter Harndrang in meinem Befinden zusammen. Generell eine ganz positive Mischung. Bis auf das aufs Klo müssen, macht das in öffentlichen Verkehrsmitteln doch eher selten Freude.
Wenn man sonst nur das Fliegen in den Budget-Airlines Europas gewohnt ist, findet man sich in einem "richtigen" Flugzeug erst einmal von vielerlei beeindruckenden Dingen umrundet. Da wären der bequeme Sitz mit eigener Kotztüte in bequemer Reichweite, das Entertainmentsystem in der Kopfstütze vorderhand, die Decke mit dem Airline-Logo, die man am Flugende eigtl. abgeben soll, die aber unter den unglücklichsten aller Umständen von ganz allein ohne mein Zutun in meinen Rucksack fiel und nie wieder gesehen ward. Ich machte mich auf ein paar entspannte Stunden in einigen Metern Höhe bereit. Ganz bald nach dem Abheben begannen auch schon die Flugbegleiter mit ihren vollbeladenen Wagen durch die Gänge zu schieben. Der Anblick erfüllte mich mit Freude und einer gewissen Beklommenheit, hatte ich doch noch von zahlreichen Ryanairflügen im Kopf, dass die Kostbarkeiten in 10000m Höhe meistens mind. 10€ und eine Niere kosteten. Als ich dann aber dran war zu bestellen und durchs penetrante Anstarren derer, die vorher bedient wurden, herausfand, dass man ein Getränk einfach so bekommt, war ich reichlich erfreut. Ich wollte es dann auch zur Feier des Tages richtig krachen lassen und bestellte einen ganzen Becher Apfelsaft. Das war ein Nervenkitzel, wow! Doch damit nicht genug, es gab nicht nur ein Getränk, sondern MEHRERE. Heiliger Furzkuchen, ich realisierte, dass ich mich während der 7 Stunden Flug doch würde hydrieren können und mein vorhergeganges Training wie ein Kaktus zu leben, garnicht nötig war. Bei der zweiten Runde dachte ich dann aber, dass ich mir nun wirklich mal was gönnen wollte und fragte nach einem Glas Weißwein. Durch beginnenden Jetlag und reisebedingtem Verlust jeglichen Zeitgefühls, war mir in dem Moment nicht klar, dass ich gerade der erste Fluggast war, der um kurz nach Mittag, 43 Minuten nach Start das erste Glas Alk bestellte. Peinlich berührt und mir der Geringschätzung sicherlich aller Passagiere plus Pilot bewusst (Kam mir nur so vor, in Wirklichkeit hats niemanden ineressiert), drapierte ich meinen Drink stilvoll auf meinem kleinen Klapptischchen.
Nachdem ich am Becher nippte, wurde mir allerdings bewusst, warum so wenige nur um diese Zeit nach langem wachbleiben alkoholhaltige Erfrischungen bestellten in 10.000m Höhe - - Ich fühlte mich, als ob ein Esel auf meinem Kopf säße. Kurzum: Ich war ziemlich breit. Aus Angst DER eine Passagier zu werden, der sich durch lautes und penetrantes Singen in die Schlagzeilen der etablierten Klatschblätter bringt, entschied ich zu ratzen.
Dem Vorhaben folgte ich mit viel Körpereinsatz und Motivation und ließ mich nur durch die Mahlzeiten und der Blähungen meines werten Sitznachbarn unterbrechen.
Leider musste ich auch in Qatar umsteigen. Doch dies war im Vergleich zu Paris ein Zuckerschlecken und das meine ich ganz wörtlich, weil ich tatsächlich Zeit hatte noch ein Eis zu essen. Nach über 20 Stunden ohne Schlaf und in einer fremden Zeitzone, erschien es mir sinnvoll um Ortszeit 2.00 Uhr morgens eines zu essen.
Nachdem ich jetzt vielmehr ins Detail gegangen bin als eigentlich geplant, hier der zweite Teil der Reise in schnell: Von Qatar direkt nach Chengdu. Geratzt, gefuttert, Filme geschaut und meine erste richtige Konversation auf Chinesisch mit meiner Sitznachbarin geführt. Ca. 2 Jahre emsigen Chinesischlernens haben es mir ermöglicht... genau nichts zu verstehen, von dem , was die nette Dame mir so euphorisch erzählte. Ein guter Start in meinen Aufenthalt hier in China, dachte ich mir da so.
Nach einer gefühlten Ewigkeit von ca. 12 Jahren und 7 Minuten, landeten wir Chengdu. Welch Abenteuer und neue Erlebnisse sollten mich hier erwarten? Welch tolle Gerichte werde ich essen und sicherlich nach 2 Wochen bestes Chinesisch sprechen und schreiben? Dieses denkend und verträumt den anderen Passagieren im Weg stehend, wurde ich sanft aber bestimmt solange geschubst, bis man an mir vorbei aussteigen konnte. Dachte mir dann auch, dass ich das mal tun sollte und setzte meinen ersten Fuß auf chinesischen Boden (Es gab keine Gangway. Man musste einer dieser Treppen aus dem Flugzeug aufs Rollfeld hinabsteigen.. wie so ein barbarisches Tier im Wald. Pah).
Dennoch dachte ich mir so:" Whooop, China" und meine Lungen sollten einen ersten Vorgeschmack auf die duftend versmogte Luft Chengdus erhaschen. In Realität leider weniger poetisch, da ich erstmal husten musste und es echt fies nach Fuß roch. Könnte ich aber auch selbst gewesen sein. Immer noch beeindruckt kam ich in der Ankunftshalle des Shuangliang Airports an und sah, dass man ein Papier ausfüllen müsse, bevor man zur Pass- und Visumskontrolle ginge. Das hat mich wiedermal doll beeindruckt und ich wollte ein paar Photos machen. Klick, klick, klick super Bilder. Was ist das? Ein "Bitte-Nicht-Fotografieren"-Schild? Oh snap, keine drei Minuten her und schon mit dem Gesetz in Konflikt. Was bin ich ein Rebell.
Papier ausgefüllt und auf zum Schalter. Was, wenn mein Visum nicht in Ordnung ist? Was, wenn mein Gepäck nicht angekommen ist? Was, wenn man mir eine Frage stellt, ich sie nicht verstehe und man mich direkt ind dunkelste Verlies gleich neben den Toiletten sperrt? Mir selbst unnötige Sorgen machen konnte ich schon immer gut und habe mich wunderbar in die schlimmsten Szenarien reingesteigert, bis ich endlich an die Reihe kam mein 60€-Hamburger-Chinakonsulats-Visum vorzuzeigen. Natürlich lief alles reibungslos und ich habe schon fast etwas enttäuscht nach 5 Minuten meine Tasche in bestem Zustand vorgefunden. Soviel zu den aufregendes Erlebnissen bei der Einreise.
Auf also ins Stadtzentrum zum vorgebuchten Hostel. Gewissenhaft wie ich manchmal bin, hatte ich einen Zettel mit der Adresse dabei, um sie dem Taxifahrer vor die Nase halten zu können. Warum nochmal hatte sich die Frau im Flugzeug so über den angeblichen Ort des Hostels gewundert? Das stand doch genauso auf der Website. Bestimmt irrte sie sich. Ohne Zeit zu verlieren stolperte ich an den Anfang der Taxireihe und zeigte stolz mein kleines Zettelchen vor. Fahrer guckt, sichtlich desinteressiert und schüttelt den Kopf. Sagt, dass er soweit nich fahren würde.... Wie bitte? Ein Taxi, dass nicht in die Stadt fahren will? Tolles Businessmodel, Typ, wirklich. Ich gehe ein Stück zurück und der Sicherheitsmann fragt leicht besorgt aber hauptsächlich neugierig, was los sei, wo ich denn hin wolle. Auch ihm gönne ich einen Blick auf meinen mit Liebe auf die Rückseite eines Café-Bons geschrieben Text. Seine Reaktion bestand hauptsächlich darin, mir aufgeregt in tiefstem Sichuandialekt einen anscheinden nicht unwichtigen Tatbestand zu erklären. Natürlich verstand ich ihn nicht. Irgendwann dämmerte mir aber doch, dass die Adresse anscheinend falsch sei und mich ca. 140 Km außerhalb Chengdus in die unbesiedelte Wildnis Sichuans gebracht hätte. Was zum Geier? Das stand da genauso auf der Website. Leicht angesäuert ging ich zurück ins Flughafengebäude, um die Damen am Informationsschalter von meinem Leid wissen zu lassen und sie zu bitten mir die richtige Adresse rauszusuchen. Das klappte ganz wunderbar und diesmal fand ich auch einen Fahrer, der bereit war, seinen Job zu machen.
Auf der Autobahn hatte ich nun endlich etwas Zeit die Gegend auf mich wirken zu lassen. Grau, hässliche Hochhäuser, müffelnd und laut. Jackpot! Wie damals, als ich den ersten Abend in London ankam dachte ich mir - WAS ZUM GEIER DACHTE ICH MIR HIERHER ZU KOMMEN??!?!1!eins
Ohne Witz, an dem Tag war kein gutes Wetter und alles sah unglaublich sche*ße aus. Dass ich über 36 Stunden nicht richtig geschlafen hatte, half wenig weiter.
Nach einer knappen Dreiviertelstunde Fahrt aber erreichten wir das Hostel. Die Gegend, in der es sich befand, war wahnsinnig attraktiv. Der Charme eines zwielichtigen Hinterhofs mit dem Aroma verbrannten Gummis. Egal, Abenteuer, jung sein und so. Ich ging mit meinen Fünfzehntausend Kilo Gepäck in den wackeligen Außenaufzug und komme an der Rezeption an. Soviel ich gerade gemeckert habe, so sehr war ich von Interieur des Etablissements aber angetan. War wirklich gemütlich und das Personal super freundlich. Ich bezog mein Hochbett und war erstmal ziemlich kaputt und überfordert aber gleichzeitig beruhigt angekommen zu sein.
Soviel zur Hinreise. Nach und nach werden nun (hoffentlich) mehr und mehr Sachen zu meinem Leben hier veröffenticht. Doch soviel schonmal jetzt: Es gefällt mir hier verdammt gut!
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