Der Winter in Chengdu sei zwar nicht so
kalt wie in Deutschland, aber durch die hohe Luftfeuchtigkeit wohl
ziemlich unangenehm. Diesen oder ähnliche Sätze hörte man von so
ziemlich jedem, der zur kalten Jahreszeit in dieser Stadt war. Nur was
man sich genau darunter vorstellen könne, war mir bis vor einer Woche
nicht wirklich klar. Und jetzt...? Kapiert. Habe ich vor 2-3 Wochen noch
mit T-Shirt draußen über Pandas nachgedacht, während mich die ersten
Winterbilder aus Deutschland erreichten, ist es jetzt ungefähr so, als
würde man mit noch nassen Klamotten in einer herbstlichen Pfütze sitzen.
Es gibt tatsächlich angenehmere Situationen. Weiterhin gibt es im Süden
Chinas generell keine Heizungen - Auch nicht bei uns zuhause.
Natürlich, benutz doch die Klimaanlage, sagen einige. Aber einen leicht
muffigen Windzug im Nacken zu haben, der daran erinnert von einem großen
Tier reichlich penetrant angeatmet zu werden, kann eine ölschluckende,
umweltverschmutzende Zentralheizung einfach nicht ersetzen. Auf der
anderen Seite lässt mich mein kaltklammes Zimmer an meine Zeit in London
zurückdenken... Da hatten wir eine Heizung, aber kein Geld sie
anzumachen. Höchstens mal am Sonntag für ein paar Stunden. Gut, das
klingt jetzt dramatischer als es wirklich ist. Viele Schichten tragen a
lá Zwiebel geht auch erstmal klar. Diesen Text beispielsweise schreibe
ich gerade mal wieder in meinem Lieblings-, reichlich asiatisch-schrägen
Kuriositätenladen/Café. Der Laden heißt "Fish says" (鱼说 yu2shuo1 -
gesprochen "üüh-schuaah" - Für die, die es genau wissen wollen.) Hier
ist es magischerweise warm, es gibt Strom und eine gute
Internetverbindung. Dazu verhältnismäßig günstigen Kaffee. Frank hat
Kaffee - Frank ist glücklich.
Die
Geschichte, die ich euch heute erzählen möchte, liebe Kinder, handelt
von unserer abenteuerlichen Wohnungssuche. Zumindest hauptsächlich. Mal
sehen, wie weit und extrem ich abschweifen werde ~~~ Schnallt Euch an.
Mein
letzter Eintrag endete mit der erfolgreichen Ankunft im Flip-Flop
Hostel. Das war und ist auch wirklich eines der besten, in denen ich je
rumhing. Lag hauptsächlich am fanastischen Personal. Ganz besonders die
eine Köchin! Gefühlte 285 Jahre alt, 34cm groß und nur Sichuan Dialekt
sprechend. Das aber mit der Lautstärke eines gebährenden
Passagierflugzeugs. Diese wunderbare Person hat uns immer Frühstück und
Tee gemacht. Das war zwar nichtmal besonders gut, aber mit Liebe
zubereitet. So komfortabel und aufregend das Hostelleben auch sein kann,
irgendwann reicht einem der Fußgeruch des Zimmernachbarn, die akute
Fußpilzgefahr im Waschraum oder das zusammensuchen seiner Sachen aus der
wabbeligen Reisetasche. Daher dachten wir (Nina, Maike und ich - Wir
studieren zusammen und haben schon in Deutschland geplant eine WG von
wunderbarer Merkwürdigkeit zu gründen) uns so nach ein paar Tagen - Ne
eigene Basis wäre ganz knorke. Besonders weil auch bald die Uni losgehen
sollte und wir davor solch grundlegende Dinge erledigt haben wollten.
Nun,
wie finden drei Trottel wie wir eine bezahlbare, einigermaßen schöne
und bestenfalls uninahe Wohnung? Es gibt hier hauptsächlich drei
Möglichkeiten das zu bewerkstelligen: Internet, Agentur oder persönliche
Kontakte.
Erstes
und letzteres
fielen schon bald raus, weil die meisten Internetanzeigen nur eine
Handynummer boten und telefonieren auf Chinesisch auch jetzt noch
wahnsinnig gruselig ist. Ich verstehe bis heute einige Leute nicht im
direkten Gespräch - Dann brauch ich es per Telefon garnicht erst
versuchen.
Und nach nur einer knappen Woche ist man auch noch nicht
sooo gut in der Gesellschaft vernetzt, als dass man von
Wohnungsangeboten überhäuft würde. Also: Agentur. Gönnen wir uns
den Luxus!
Nur...wo suchen? Wie läuft das überhaupt ab? Brauchen wir
irgendwelche besonderen Dokumente? Was, wenn die uns fragen, wie
viele Badezimmer wir brauchen und wir antworten, dass eine Küche genug
sei. Wie unglaublich peinlich das wäre! Sicher wäre man dann direkt für
immer und ewig bei denen unten durch und wir müssten hier 10 Monate
unter einer Brücke wohnen und uns um die Zeitung zum drauf schlafen
prügeln... (Erinnert ihr euch? Meine brilliante Fähigkeit schwarz zu
sehen.)Wir nahmen dennoch all unseren Mut zusammen und einen anderen Kumpel mit, der an dem Tag nichts besseres zu tun hatte, um in das Stadtviertel Yu Lin zu fahren, von dem ich in Deutschland bereits las, dass es fresh grün und ein bisschen alternativ sei. Und zufällig wohnte dort auch jener Freund, dessen Wohnung uns wir zuerst einmal anschauen wollten, um einen Eindruck davon zu bekommen, was es hier eigentlich so gibt. Tatsächlich gefiel uns seine Wohnung derart gut, dass wir am liebsten direkt nebenan eingezogen wären.
Wir gingen also runter und eine Agentur suchen, die eventuell Wohnungen in genau dieser Gegend haben könnte. Nun ist es in China oft so, dass die Makler einiger Agenturen mit einer Schautafel ihrer Angebote direkt vor einem sog. Xiao Qu stehen. Xiao Qu (gesprochen "Chiao Tschüüh") ist mehr oder weniger eine Wohnanlage mit seiner eigenen Infrastruktur. Anders als in Deutschland sind die Wohnblöcke immer einzelne, umzäunte und bewachte Viertel. Wenn man mit dem Taxi fährt, sagt man meistens nur den Namen des Xiao Qu's und der Fahrer weiß, wohin man will. Adressen sind hier nicht so ein Ding...
Jedenfalls stehen oft diverse Makler direkt vor so einem Xiao Qu und preisen die Wohnungen an, die sie in Jenem vermieten oder verkaufen können. Es ist nur etwas komisch das so zu sehen, wie dort drei rauchende, Anzug tragende Typen mit ihrem Schildchen stehen und einem sein zukünftiges Eigenheim andrehen wollen. Aus Neugierde und Mangel an anderen Alternativen versuchten wir sie dennoch anzusprechen und ihnen unsere Vorstellungen zu erläutern.... Das hat auch anfangs fantastisch überhaupt nicht funktioniert! Lag zum Einen daran, dass wir in zwei Jahren Chinesisch hauptsächlich Wirtschaftsvokabular und eher wenig im Alltag zu gebrauchendes gelernt haben und zum anderen - Der Dialekt. Mal wieder. Es wäre für uns im Prinzip einfacher gewesen Chinas und Ugandas Bruttosozialprodukt zu vergleichen und Vorschläge zu geben, wie man jenes verbessern könnte, in einem spontanen Vortrag zu erläutern als nach 3-Zimmer, Küche, Bad zu fragen. Was heißt gleich nochmal "Ein Fenster wäre auch cool"?
Nach ca. 12 Minuten und einer immer größer werdenden Menschentraube, die unsere Versuche neugierig beobachtete, hat einer der Makler verstanden, dass wir wohl eine Wohnung suchen würden. Klappt doch. Nach weiteren 30 Minuten haben wir auch die Rahmenbedingungen wie Größe, Budget und Lage übermitteln können.
Während unseres Gesprächs wurden so einige Zigaretten geraucht und es ist hier eine höfliche Geste allen im Gespräch verwickelten Mitmenschen auch eine Fluppe anzubieten, wenn man sich selber eine nimmt. Nina und ich sind ja allerdings Nichtraucher... Was tun? Ich meinte irgendwo einmal gelesen zu haben, dass es ziemlich unhöflich sei eine angebotene Zigarette abzulehnen. Gut, andere Länder, andere Sitten, her mit dem Ding. Hat allerdings nicht wirklich geholfen unsere Glaubwürdigkeit zu steigern, da wir nun zusätzlich zur kommunikativen Barriere auch noch Husten und Röcheln unterdrücken mussten. Dies sollte sich noch einige Male im Laufe des Tages wiederholen. Ich sah mich bereits eine Schachtel am Tag rauchen, bis mir am abend mal einfiel einen chinesischen Freund zu fragen, ob das überhaupt wirklich so unhöflich sei. Leicht verwirrt fragte er mich, wie ich denn auf die bescheuerte Idee gekommen sei.... Gut, sorry Lunge, zumindest das hätte ich dir ersparen können.
Zurüüüüück zum eigentlichen Thema - Anstehende Wohnungsbesichtigungen. Das folgende scheint überall auf der Welt gleich zu sein, erlebte ich es doch in Deutschland, England und hier -> Es wird zuerst versucht dem verzweifelten Wohnungssuchenden die letzten Bruchbuden, die schon zu lange im Portfolio sind, anzudrehen. Das war auch genau der Plan von unserem Makler, den wir, weil wir uns seinen chinesischen Namen partout nicht merken konnten, liebevoll "Kalle" nannten. Wir liefen also zur ersten möglichen Traumwohnung. Wandern traf es eher, da diese Stadt einfach mal viel zu groß ist und sie uns wohl noch die Gegend schmackhaft machen wollten. Das war eine Theorie; Ich glaube immernoch, dass wir uns verlaufen hatten und sie das nur nicht nicht zugeben wollten.
Die ersten zwei Wohnungen, die wir also anschauten, waren... charakteristisch, nahezu avantgarde! Wer braucht schon eine Toilettenschüssel, wenn das Rohr selbst doch breit genug ist. Ne Tür? Jetzt hörts aber auf.
Irgendwann wussten die werten Makler dann, dass wir wussten, dass sie wussten, dass wir wussten, dass sie uns hier gerade ihren Müll andrehen wollten. Hah, nicht mit uns! Weiter zur 4. Wohnung. (Die Odysee erstreckte sich übrigens über den ganzen Tag. Wir liefen gute 342 Km durch Yu Lin und haben auch keine Möglichkeit gehabt etwas zu essen.) Im Nachhinein eine sehr gute Taktik, da wir am Ende des Tages fast bereit gewesen wären die letzte Wohnung zu nehmen. Diese war auch garnicht mal schlecht, luxuriös gar, aber es war doch recht deutlich, dass sie lange nicht bewohnt war und dementsprechend schmierig. Gut, kann man putzen, hauptsache warme Bleibe. Zum Glück war aber Jakob dabei, der ja schon eine Wohnung hatte und daher unser potenzielles Domizil genauer unter die Lupe nehmen konnte. Tolle Panorama-Fensterfront über der Stadt. Nur was ist das? Das Fenster "schließt nicht richtig". In der Realität hieß das, dass man bei "geschlossenem" Fenster immer noch genug Platz im Rahmen hatte seine ganze Hand nach draußen zu stecken. Ja... Fragen wir direkt mal den Makler dazu. Für ihn natürlich absolut kein Problem. Ist doch noch warm draußen und im Winter... Naja, zieht bestimmt nicht. Während ich ihm versuchte klarzumachen, dass unsere Ansprüche zwar nicht hoch waren, aber sowas ginge dann doch nicht, machten sich die anderen daran die anderen Zimmer und Geräte noch einmal genauer zu untersuchen. In Kurzfassung: Oh weia. Kaputte Lampen, streikende Wasserhähne, absolut verdreckte und müffelnde Küchengeräte und der sich aufdrängende Verdacht, dass jemand in dieser Wohnung gestorben sein müsste und sie deshalb so lange leerstand und eigentlich auch verdächtig preiswert war.
Dennoch war die Verzweiflung groß und wir wollten endlich eine Wohnung haben. Liessen uns versichern, dass die Schäden behoben würden und nahmen uns eine Nacht zum drüber schlafen. Beste Entscheidung.
Am selben Abend nämlich bekam einer der Hostelmitarbeiter von unserer Situation Wind und bot an uns zu helfen. Einfach so. Unglaublich netter Kerl. Hat mir auch noch geholfen Handy, Sim-Karte und vieles anderes zu besorgen. Danke, Dong Chen.
Er meinte dann an jenem Abend, dass das alles ziemlicher Bullsh*t sei und wir lieber noch einmal in einem anderen Stadtviertel schauen sollten.
Diesen Hinweis nahmen wir uns zu Herzen und fuhren am nächsten Tag auf gut Glück in die Nähe des Uni-Geländes und schauten uns ein wenig die Gegend an. War erstmal nicht sonderlich beeindruckend, aber zumindest nah dran. Wir wollten es diesmal mit einer anderen Agentur versuchen und gingen ins erstbeste Büro.
Diesmal mit kompetenter erscheinenden Maklern redend, hatten wir nach nur wenigen Minuten unsere Vorstellungen erläutert und brachen bald zu den ersten Besichtigungen auf.
Was uns auch dort immer wieder auffiel und uns anfangs etwas komisch vorkam, war, dass es hier ganz normal zu sein scheint während "geschäftlicher" Interaktionen auch über eher private Dinge zu reden. So waren die netten Damen ausgesprochen neugierig, wo wir herkamen, was wir hier machen, wie das Leben in Deutschland sei und ob es dort keine "normalen" Zigaretten gäbe. Wie bitte? Achja, sie sahen, wie sich Maike ab und zu mit ihrem aus Deutschland mitgebrachtem Tabak Zigaretten selbst rollte. Das ist hier absolut unbekannt.
Nach 12 Minuten waren wir also mehr oder weniger beste Freunde, aber wir waren ja eigentlich gekommen eine Bleibe zu suchen.
Im Gegensatz zum Vortag waren die Wohnungen in diesem Viertel um Längen besser und hatten sogar schließende Fenster und Türen. Jay. Nach ein paar Stunden hatten wir auch fast unser Traumapartement gefunden. Mit der einen Hand schon fast den Zuschlag gemacht, hat einer von uns zum Glück noch im letzten Moment einen gigantischen Schimmelfleck im Zimmer 3 gefunden. MIST! Schnell beste Freundin Nr.2 gerufen und ihr versucht zu erklären, dass Schimmel in die Zimmer nix gut für Lunge sei. Sie guckte, fragte nach, guckte nochmal - Wo sei jetzt das Problem? Bisschen Farbe drüber und vergessen ist die Sache. Interessante Vorgehensweise - Erklärt auch so einiges, aber für uns supergenaue und gesundheitsliebende Deutsche nicht akzeptabel. Die Wohnung fiel leider auch raus.
Die Stimmung fiel leicht, es wurde diskutiert, sicherlich heimlich über uns geflucht, aber mit größter Professionalität eine weitere Wohnung gesucht.
Man bat uns ein bisschen zu warten und lud uns eine halbe Stunde später ins Auto, um uns zu einem anderem Xiao Qu zu bringen.
Und da hatten sie aber was gefunden, jawollja! Eine sehr grüne, eigtl. viel zu luxuriös erscheinde Wohnanlage (Eigener Tennisplatz, Check. Pool, auch da. Yissss). Schnell in den Fahrstuhl und die Wohnung besichtigen. Riecht gut nach essen...!? Oh, hier wohnt noch wer. Tatsächlich war eine Familie plus alte Omma gerade am Mittagessen. Es war uns etwas unangenehm jetzt einfach in der Bude rumzurennen und womöglich wieder was zum kritisieren zu finden. Doch man versicherte uns bald, dass man morgen sowieso ausziehen würde. Nun hört man ja so einiges über China und wir waren nicht ganz überzeugt, ob der morgige Auszug auch wirklich FREIWILLIG geschehen würde... Naja, erstmal gucken. Im Prinzip war die Wohnung perfekt. Modern, sehr gemütlich, gut ausgestattet. Das einzige Problem stellte eines der Schlafzimmer dar. Es war bisher das Kinderzimmer, daher war die Tapete mit LKWs verziert und das Bett war eine Kinderkrippe. Auch wenn wir immer wieder von uns selbst sagen, dass wir viel zu kindisch sind für unser Alter, war das dann aber doch etwas unpassend. Schnell gefragt, ob es möglich wäre zu streichen und ein anderes Bett zu bekommen. Und hier kam es zum Missverständnis: Wir meinten verstanden zu haben, dass das garkein Problem sei. SUPER! Jackpot! Direkt unterschreiben und Reservierungsgebühr zahlen. Die Vertragsunterschrift wurde für den nächsten Tag angesetzt, sodass wir noch einmal Zeit hatten uns alles durch den Kopf gehen zu lassen.
Am selben Abend im Hostel trafen wir auch unseren neuen chinesischen Freund wieder und erzählten ihm auch diesmal von unserem Erlebnis. Während des Gesprächs erzähltem wir ihm auch davon, dass wir ein bisschen Schiss davor hatten den Mietvertrag nicht richtig zu verstehen und nacher noch ausversehen eine unserer Nieren mitverkaufen würden. Um das zu verhindern, bot er sich an am nächsten Tage mitzukommen und sich alles genau anzugucken.
Sprung zum nächsten Morgen. Der Termin war um 12.00 Uhr mittags angesetzt. Ich stand einigermaßen pünktlich um 10.00 Uhr auf, weil ich endlich mal nach Kaffee suchen wollte. Das ist die Geschichte, in der ich ausversehen in meinen assigsten Klamotten in einem Luxuscafé landete und mich nicht mehr raustraute. Vielleicht komme ich ein anderes Mal darauf zurück.
Jeeeedenfalls machten wir aus Dong Cheng direkt vor der Agentur um die Uhrzeit zu treffen und wir machten uns selbst irgendwann auf den Weg. Das blöde war, dass wir absolut vergessen hatten, wo die Agentur eigtl. war und wir brauchten dringend einen Geldautomaten für die Kaution. Mit einer eleganten Verspätung von ca. 40 Minuten kamen wir aber doch an und man wartete bereits auf uns.
Wir trotteten alle gemeinsam zurück zur Wohnung, um noch einmal die Details zu besprechen. Diesmal war die Familie auch wieder da, aber - mir ist bis heute nicht klar wie - Die Wohnung war komplett leer. Nicht schlecht, Herr Chinaspecht.
So, wie war das noch mit dem streichen und dem neuen Bett? Geht auf garkeinen Fall? ... Wie bitte?
Was jetzt? Gestern war das doch noch kein Problem? Haben wir vllt. etwas falsch verstanden? Wir fragten unseren Freund, ob er der Sache noch einmal auf den Grund gehen könne - Ja, es sei so, dass hier nichts geändert werden könne. Das fanden wir in dem Moment direkt richtig nicht gut!
Wir diskutierten dennoch kurz, wer sich eventuell bereiterklären würde ein Stück Kindheit wiederzuerleben, aber einigten uns dann doch bald, dass wir in diesem Fall leider wieder einmal absagen müssten. Vermieterin und Makler waren alles andere als amused. Es war mittlerweile der dritte Tag mit den schwierigen Deutschen und die Stimmung drohte zu kippen. Bevor wir uns aber prügeln mussten, hat es eine der Maklerin doch noch irgendwie geschafft einen anderen Besichtigungstermin zu vereinbaren.
Falls jetzt noch irgendjemand am lesen ist - Der Text wird viel zu lang - Es sollte endlich von Erfolg gekrönt sein.
Wir kehrten noch einmal zur Agentur zurück und man bat uns zu warten.
Eine kurze Zeit später lud man uns wieder einmal ins Auto und brachte uns zum Nachbar Xiao Qu.
In dieser Wohnanlage schauten wir uns noch einmal drei Wohnungen an. Nina und ich waren von der ersten sofort begeistert - 31. Stockwerk, gut geschnitten, großer Balkon, zwei Badezimmer, Wasserspender und alles, was man so braucht. Achja, der Preis stimmte. Wir zahlen ca. pro Person nichtmal 200€ im Monat. In Bremen bekäme man dafür höchstens ne Besenkammer neben den Bahnschienen, wenn überhaupt.
Mit Hilfe unseres Kumpels setzten wir also einen erneuten Termin zur Unterschrift fest. (Er ist übrigens auch Student an der Sichuan Universität und beginnt gerade seinen Master. In China ist es üblich im Wohnheim zu wohnen. Das bedeutet gemeinsam mit 4-6 Leuten ein Zimmer teilen. Es war uns zwischenzeitlich etwas unangenehm, dass er sehen musste, wie wir uns über dies und das in einer eigenen Wohnungen beschwerten, waren wir ja im Prinzip auch nur Studenten. Das Ding ist nur, dass wir als Ausländer dann auch ins Ausländerwohnheim gemusst hätten, das wiederum absolut frech überteuert und auch ziemlich hässlich ist. Daher eigene Wohnung.)
Sprung zum nächsten Tag: Wir unterschrieben und waren endlich nicht mehr obdachlos! (Übrigens, ein Mietvertrag hier umfasst tatsächlich 4 Din-A3 Seiten und jedes wichtige Detail wird mit einem Fingerabdruck von jeweils Vermieter und Mieter abgesegnet. DAS ist mal genaues arbeiten und sieht irgendwie cool aus.)
Nachdem wir also unsere Kaution bezahlt und unsere Seele hoffentlich nicht gleich mitverkauft hatten, fand also die Schlüsselübergabe statt.
Ungeduldig, wie ich manchmal bin, wollte ich noch am gleichen Abend unbedingt "einziehen". Maike und Nina waren entspannter und wollten es am nächsten Tag in Ruhe machen.
Kurzfassung für alle, die nicht 3 Stunden haben zum genauen durchlesen: Wir schauten uns insgesamt 7-10 Wohnungen an, von denen die Hälfte an Gefängnisse erinnerte. Wir entpuppten uns als "anspruchsvolle" Mieter, weil wir schließende Fenster und schimmelfreie Wände erwarteten.
Zusätzlich lernten wir, dass man sich mit Maklern befreunden kann und es möglich ist einen kompletten Haushalt plus Omma innerhalb weniger Stunden in Kartons zu packen und auszuziehen.
| Auf zur 2. Agentur (Noch ziemlich motiviert) |
| Meine Aussicht aus dem 31. Stockwerk |
| Alle Zimmer haben diesen tollen Erker zum draufsitzen und Apfel essen |
| Hier trocknen wir unsere Wäsche, damit sie auch nen tollen Ausblick hat |
| Hier schlafe ich in diesem viel zu großen Bett, das viel zu viel Platz wegnimmt |
| Blick aufs Wohnzimmer und Balkon (Einfach dazudenken) |
| Die Küchen in hier sind eher funktional als schön. Kochen macht trotzdem Spaß |
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