So, ich habe mir wirklich vorgenommen bald mal wieder etwas zu schreiben. Manchmal braucht man nur etwas Druck von außen - In diesem Fall von meiner Hochschule in Bremen, die uns verpflichet einen Zwischenbericht zu verfassen, um sicherzugehen, dass wir nicht nur ein Jahr hier rumsitzen und Frühlingsrollen essen. (Ich habe hier noch keine einzige davon gesehen. Merkwürdig.)
- Zwischenbericht -
Studiensemester an der Sichuan Universität 四川大学
in Chengdu
WS 2015
Name: Frank Kucera
Heimatuniversität: Hochschule Bremen
Studiengang: AWS Chinesisch
Gastuniversität: Sichuan Universität 四川大学
Berichtszeitraum: 25.08.15 - 22.02.2016
DAAD – Programm: CSC Selbstzahler Programm
Der folgende Bericht darf allen Studenten der nachfolgenden Semestern sowie allen
interessierten Personen in jeglicher Form zugänglich gemacht werden
1
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbereitungen vor Reiseantritt........................................................................................................3
1.1 Visumangelegenheiten...............................................................................................................3
1.2 Bank...........................................................................................................................................3
1.3 Versicherung..............................................................................................................................3
1.4 Gesundheit und Reiseapotheke..................................................................................................4
1.5 Flugticket...................................................................................................................................4
1.6 Finanzierung des Auslandsjahres...............................................................................................4
2. Ankunft in Chengdu.........................................................................................................................5
2.1 Vom Flughafen in die Stadt........................................................................................................5
2.2 Unterkunft der ersten Tage.........................................................................................................5
2.3 Wohnungssuche.........................................................................................................................6
2.4 Einschreibung Universität und Aufenthaltsgenehmigung.........................................................7
3. Leben in Chengdu.............................................................................................................................8
3.1 Bankkonto..................................................................................................................................8
3.2 Handy.........................................................................................................................................8
3.3 Mobilität – Bus, U-Bahn, Taxi, Fahrrad, E-Bike.......................................................................8
3.3 Der Sichuan Dialekt 四川话......................................................................................................9
3.4 Hinweise zur Sichuan Küche...................................................................................................10
3.5 Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Peking und Shanghai.................................................10
4. Studieren an der Sichuan Universität.............................................................................................10
4.1 Infos zur Sichuan Universität...................................................................................................11
4.2 Einschätzung der Lehrkräfte....................................................................................................11
4.2.1 Frau Xian..........................................................................................................................11
4.2.2 Frau He.............................................................................................................................12
4.3 Stundenplan.............................................................................................................................12
4.4 Prüfungen.................................................................................................................................13
4.5 Zeugnis.....................................................................................................................................14
4.6 Einschätzung des eigenen Lernfortschritts..............................................................................14
5. Kurzer Reisebericht........................................................................................................................15
6. Ausgabenübersicht..........................................................................................................................16
7. Erster Eindruck vom Praktikum.....................................................................................................18
8. Fazit................................................................................................................................................18
1. Vorbereitungen vor Reiseantritt
Es empfiehlt sich früh genug mit den Vorbereitungen für das Auslandsjahr zu beginnen. Neben den
offensichtlichen Dingen wie Finanzierung, Versicherung, Gepäck, etc. empfehle ich auch sich
bereits zeitnah damit auseinanderzusetzen, was man neben Studium und Praktikum noch von der
Zeit in China erwartet und danach die Städtewahl zu treffen, da diese Dinge des Alltags sehr
wichtig sind. Dafür bietet es sich an Google, Youtube, www.echinacities.com und die jeweiligen
Foren der Zielstadt zu durchsuchen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie das Leben vor
Ort sein wird.
1.1 Visumangelegenheiten
Seit dem Jahre 2013 haben sich die Visabestimmungen gerade für Studenten und Praktikanten
stark verändert. Das bedeutet in der Praxis, dass es nahezu unmöglich ist während des Aufenthalts
die Stadt zu wechseln, da es kein Praktikantenvisum mehr gibt und man nur mit Hilfe des
Zielunternehmens eine Chance hat das nötige Businessvisum zu bekommen. Dies wiederum ist mit
einem erheblichen Zeit- und Finanzaufwand für sowohl Firma als auch Student verbunden und
lohnt sich nur in Ausnahmefällen. Daher genau überlegen, wo man das ganze Jahr verbringen
möchte.
Ist diese Entscheidung gefallen, muss man ca. einen Monat vor Abreise zur Visums-Agentur der
Volksrepublik China in Hamburg fahren und dort den Pass sowie die Einladungsschreiben der
chinesischen Universität, die man durch die Hochschule bekommt, abgeben. Dieser
Standardservice kostet 65€ und benötigt ca. eine Woche Bearbeitungszeit. Ein Gesundheitszeugnis
sowie HIV-Test wurden im Sommer 2015 wie bereits vorher nicht mehr benötigt.
1.2 Bank
Ein paar Monate vor Abreise sollte man sich Gedanken darum machen, wie man in China an das
nötige Bargeld kommen kann. Hierbei empfiehlt es sich bei der DKB, Comdirect oder Consorsbank
eine Kreditkarte zu beantragen, mit der man Gebührenfrei weltweit Bargeld abheben kann. Dies
funktioniert bequem online und spart eine Menge Stress.
Hat man so ein Konto eingerichtet und die Karte erhalten, ist es möglich per Online-Banking immer
wieder größere Beträge von seinem Hauptkonto auf das Kreditkartenkonto zu überweisen. Im Falle
eines Verlusts der Karte ist so nicht gleich der komplette Geldbestand in Gefahr.
Unbedingt darauf achten die oft mitgelieferten kleinen TAN-Generatoren mitzunehmen, die man
für das Online-Banking im Ausland benötigt.
1.3 Versicherung
Ein zuverlässiger Versicherungsschutz im Ausland ist nicht zu vernachlässigen. Die meisten wählen
dabei ein Paket des ADAC, HUK Coburg oder der Hanse Merkur aus, die Basis- und
Zusatzleistungen enthalten und auch wieder online und unkompliziert beantragt werden können.
Die Kosten liegen dabei ca. zwischen 300 – 400 Euro für rund 12 Monate Versicherungsschutz.
Am besten 2 Monate vor Abreise beantragen.
1.4 Gesundheit und Reiseapotheke
Auch wenn der Gesundheitstest nicht mehr zwingend erforderlich ist, sollte man sich vor Abreise
noch einmal selbst versichern, dass gesundheitlich alles in Ordnung ist und die wichtigsten
Impfungen nicht zu lange zurückliegen. Bei chronischen Krankheiten und ähnlichem sollte man sich
rechtzeitig informieren, ob benötigte Medikamente als Jahresvorrat mitgenommen oder vor Ort
auch erhalten werden können.
Zusätzlich kann es nicht schaden sich eine kleine Reiseapotheke mit den wichtigsten Mitteln gegen
Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, etc. vorzubereiten. Dies kann man
auch wieder online bestellen, z.B. bei DocMorris und eine Menge Geld sparen.
Man bekommt zwar auch alles in China, allerdings von unbekannten Marken und anfangs kann es
sich etwas schwierig gestalten in seiner Not in der fremden Apotheke das Benötigte zu bekommen.
1.5 Flugticket
Mindestens ein halbes Jahr vorher sollte die Suche nach Flugtickets beginnen. Dies entweder
online oder in der Agentur (Sta-Travel). Gute Webseiten sind: www.fluege.de,
www.skyscanner.com und die jeweiligen Seiten der Fluggesellschaften. Es lohnt sich dabei auch
genau zu recherchieren, ob man den Langstreckenflug eventuell aus einer anderen europäischen
Großstadt günstiger bekommt, als einem das Suchportal vorschlägt. Um beispielsweise nach
Chengdu zu kommen, buchte ich einen Flug bei Airfrance von Bremen nach Paris und von dort aus
dann mit Qatar Airways direkt nach Chengdu. Diese Route konnte automatisch von keinem Portal
generiert werden und erlaubte es mir „nur“ 480€ insgesamt zu bezahlen, was ein guter Preis war.
1.6 Finanzierung des Auslandsjahres
In der Regel bekommt jeder, der in Deutschland Bafög bezieht im Ausland auch die zusätzliche
Unterstützung. Da dieses mit einem enormen Aufwand verbunden ist, dringend rechtzeitig
anfangen!
Grundsätzlich sollte man sich für die Stipendien des DAADs bewerben. Dieser bietet ein
Vollstipendium und ein Selbstzahler-Programm an, bei dem die Studiengebühren vom China
Scholarship Council übernommen werden. In Chengdu muss man allerdings immer noch 3093RMB
zahlen. Da sich nur wenige Studenten bewerben, sind in aller Regel Plätze durchaus zu bekommen.
In manchen Fällen bekommt man aber weder Bafög noch sind die Eltern in der Lage alles zu
finanzieren. Daher kann ich persönlich einen Studentenkredit der KfW empfehlen, auch wenn viele
davon abraten. Es lässt sich online beantragen und bedarf keiner Vermögensnachweise. Man kann
sich einen Höchstbetrag von 7200€ in verschieden gestaffelten monatlichen Raten auszahlen
lassen und bei Bedarf eine Abschlagszahlung in Höhe von 3600€ auf einmal beziehen, was gerade
für den ersten, teuersten Monat eine gute Wahl ist.
Die Tilgung beginnt 4 Jahre nach der ersten Auszahlung in 50€-Schritten (oder mehr, sehr flexibel)
und kann bei Bedarf gestundet werden, ist es mal nicht möglich eine Rate zu begleichen. Sollte
man komplett zahlungsunfähig werden, übernimmt der Staat die Rückzahlung. Der Zinssatz von
rund einem Prozent muss dabei in Kauf genommen werden. Dennoch eine gute Alternative und
Reserve.
2. Ankunft in Chengdu
Alle Vorbereitungen sind getroffen, Visum beantragt, Sachen gepackt und schon geht es los nach
China. Wer noch nie vorher in China war, wird sich nun persönlich einen Eindruck von dem Land
verschaffen können, dessen Sprache, Kultur, Geschichte, etc. die letzten 2 Jahre den
Hauptbestandteil des Studiums darstellten.
2.1 Vom Flughafen in die Stadt
Chengdus Flughafen heißt Shuang Liu International (双流国际) und liegt relativ weit außerhalb. Um
von dort aus zur Unterkunft zu gelangen, nimmt man entweder ein Taxi oder den Shuttlebus.
Fällt die Entscheidung aufs Taxi unbedingt nur am offiziellen Taxi-Stand nach Mitfahrgelegenheiten
suchen und nach dem Einsteigen darauf achten, dass das Taxameter angestellt wird, was
sicherstellt, dass man auch wirklich nur den Normalpreis von ca. 50 RMB zahlt. Es ist nämlich nicht
unüblich direkt nach dem Verlassen des Flughafengebäudes angesprochen zu werden und in ein
privates, überteuertes Taxi gelockt zu werden.
Nahezu 24 Stunden verkehrt zusätzlich der Shuttle-Bus, der einen für unter 10 RMB in die Stadt
bringt, von wo aus aus man mit Bus oder Taxi die letzte Strecke zur Unterkunft überbrücken kann.
Chengdu ist im August sehr warm und die Luftfeuchtigkeit ist hoch, daher sollte man darauf
achten, dass man sich gegebenenfalls einfach von ein paar unnötigen Kleidungsstücken befreien
kann.
2.2 Unterkunft der ersten Tage
Sofern man nicht plant direkt in das Wohnheim der Sichuan Universität zu ziehen, braucht man für
die ersten Tage eine Unterkunft. Besonders empfehlenswert ist das Flip Flop Lounge Hostel nahe
der Haupteinkaufsstraße Chun Xi Lu ( 春熙路) direkt im Zentrum. Zu buchen auf
www.hostelbookers.com für ca. 6€ pro Nacht im komfortablen 4-Bett-Zimmer. Neben der guten
Lage kann diese Hostel mit kompetentem und sehr hilfreichen Personal, sowie Sauberkeit glänzen.
Andernfalls gibt es viele gute andere Hostels oder auch günstige Hotels, für diejenigen, die es
wünschen. Von dort aus kann dann mit der Wohnungs-/WG-Suche begonnen werden und die
Registrierung sowie erstes Kennenlernen der Sichuan Universität stattfinden.
Man sollte mindestens eine Woche vor Unterrichtsbeginn in Chengdu ankommen, um die
Registrierung sowie Wohnungssuche bis dorthin abgeschlossen zu haben.
2.3 Wohnungssuche
Anders als in Shanghai oder Peking lohnt es sich in keinster Weise das Wohnheim der Sichuan
Universität zu benutzen, da es überteuert ist und nicht annähernd den Standard einer Wohnung
oder eines Zimmers außerhalb des Campus erreicht.
Wer mutig ist kann sich direkt eine Wohnung auf dem Campus in einem Gebäude suchen, die
zahlreich vorhanden sind, allerdings auch ziemlich alt wirken. Überall auf dem Campus hängen
Zettel oder man spricht einfach Jemanden an, der so aussieht, als würde er Wohnungen
vermitteln. Wie genau so jemand aussieht, merkt man sofort, wenn man über den Campus
schlendert.
Alternativ gibt es die Möglichkeit sich auf der Karte oder einfach nach eigenem Gutdünken ein
Stadtviertel auszusuchen, anzuschauen und dann die nächstbeste Agentur anzusteuern, um eine
Wohnung zu finden.
Wer es sich zutraut, kann zusätzlich online auf Seiten wie www.58.com, www.echinacities.com,
etc, nach privaten Angeboten suchen, aber dazu benötigt man sehr solide Kenntnisse des örtlichen
Dialekts und der Gepflogenheiten. Mit einer Agentur ist man auf der sicheren Seite, auch wenn
man eine Gebühr in Höhe von 50-80% (unbedingt handeln) einer Monatsmiete in Kauf nehmen
muss. Dafür erwarten einen ein guter Service, Besichtigungen bis man wirklich zufrieden ist und
die Sicherheit, dass der Vertrag und die Pflichten von Vermieter und Mieter geklärt sind.
Neben den beiden großen Ketten Lian Jia (链家) und Century 21 gibt es auch kleinere, unabhängige
Büros. Hier wirklich einfach dem Bauchgefühl vertrauen und mindestens 5 Wohnungen anschauen,
da einem anfangs wie überall die Unterkünfte angeboten werden, die schon zu lange im Bestand
sind und Niemand haben will. Nicht zu früh zufrieden sein!
Die Mietpreise sind im Vergleich zu Shanghai oder Peking etwa die 50% günstiger, was es einem
ermöglicht in Nähe der Uni (12 Minuten Fahrrad) ein Zimmer in einer Wohnung, die nicht älter ist
als 6 Jahre, mit sehr hohem Standard für ca. 200-230€ warm monatlich zu bekommen (3er WG).
Es ist hier üblich 3 Monatsmieten im Vorraus, 1 Monatsmiete Kaution und die Gebühr bei
Vertragsabschluss bar zu bezahlen, daher auf jeden Fall genug Bargeld dabei haben!
Die meisten Wohnungen sind möbliert, aber kleinere Dinge wie Geschirr, Töpfe, Bettwäsche, etc.
sind nicht vorhanden und müssen selbst gekauft werden. Für Haushaltsgegenstände und eigentlich
Allem, was es so gibt, sollte man einen Trip zum Fabrikverkauf/Markt He Hua Chi (荷花池) beim
Nordbahnhof wagen. Auf einem Areal von mehreren Hektar werden von Putzeimer, Bettwäsche,
Schuhe, Plastik-Deko alles erdenkliche zu guten Preisen verkauft – sofern man handeln kann. Sehr
empfehlenswert, da sehr authentisch und abenteuerlich.
Ansonsten gibt es neben IKEA von Billig- bis Luxusmarkt alles, was man so braucht. Zusätzlich lässt
sich vieles auch online bestellen und entweder bar bei Ankunft oder per WeChat (Mit
chinesischem Konto) bezahlen und wird direkt nach Hause geliefert. Besonders lohnend für
Elektrogeräte wie z.B. Toaster-Ofen oder Fön.
Kauft man im Geschäft, gerade in den überall verbreiteten Ito Yokado Filialen, nicht vom
zuvorkommenden Service und dem Einkaufserlebnis generell ablenken lassen. Das führte dazu,
dass ich ausversehen viel zu teure Luxusbettwäsche kaufte und dieses mir erst an der Kasse
bewusst wurde als es schon zu spät war ohne Gesichtsverlust vom Kauf zurückzutreten.
2.4 Einschreibung Universität und Aufenthaltsgenehmigung
Sobald man eine Wohnung/WG gefunden hat, sollte man sich innerhalb von 3 Tagen beim
nächsten Pai Chu Suo (派出所) registrieren. Dafür sollte man Pass und Mietvertrag mitnehmen und
sich mindestens eine Stunde Zeit nehmen, da Niemand Englisch spricht und man anfangs noch
nicht an den Sichuan Dialekt gewöhnt ist.
Nun ist man Besitzer einer vorläufigen Registrierung, die man innerhalb von 30 Tagen in eine
Residence Permit umwandeln lassen muss. Dazu begibt man sich zum Tian Fu Square (天府广场),
auf dem eine große Mao-Statue steht. Diese direkt anschauend geht man links zwischen den
Gebäuden vorbei, um zum Public Security Bureau in der Renmin Xilu (成都市公安局出入境管
里处, 人民西路2号3楼) zu gelangen. Dort angekommen füllt man das Antragsformular aus,
das man im Erdgeschoss bekommt (Mitbringen: Pass, Passkopie – möglich vor Ort, Passbild und
400 RMB) und begibt sich in den Wartebereich. Sobald man beim Sachbearbeiter ist, am Besten
nur den Anweisungen folgen und nichts vom Praktikum oder Arbeit generell erwähnen, sondern
einfach nur das X-Visum abändern lassen.
Einen Monat später kann der Pass mit der Aufenthaltsgenehmigung wieder abgeholt werden. Für
die Zwischenzeit bekommt man einen Pass-Ersatz, mit dem man alles machen kann außer ein
Bankkonto eröffnen.
Sobald man den Pass zurückbekommen hat, mussten einige von uns zurück zum Pai Chu Suo, um
das Registrierungsdokument erneuern zu lassen. Das war uns nicht klar und wir waren ca. einen
Monat zu spät. Man rief unsere Vermieterin an, die uns wiederum informierte. Auf der Station
wurden wir dann aber zum Glück nur kurz getadelt und mussten nicht die Verzugsstrafe zahlen.
Die Registrierung an der Universität ist etwas einfacher. Man geht zum Ausländerbüro in der Mitte
des Campus in den 2. Stock, Büro hinten links und gibt seine Dokumente ab (Polizeiliche
Registrierung, Passkopie, Passfoto, Einladungsschreiben, Stipendiumsunterlagen).
Anschließend begleicht man am Empfangstresen in Bar die Studiengebühr und kann sich bei
Bedarf im Büro direkt nach Studentenausweis, Mensakarte und Bibliotheksausweis erkundigen. Bei
uns dauerte dies allerdings noch 2 Wochen bis diese verfügbar waren. Lohnt sich aber sehr, da es
fast überall Vergünstigungen gibt – gerade bei Eintrittspreisen.
3. Leben in Chengdu
Die größten Hürden sind genommen und man bekommt langsam einen Eindruck davon, wie das
Leben in der Hauptstadt der Sichuan Provinz aussehen wird
3.1 Bankkonto
Ein chinesisches Bankkonto lohnt sich in vielerlei Hinsicht. Man kann online einkaufen und muss
nicht immer Bargeld dabei haben. Dies kann sowieso schwierig werden, da die internationale
Kreditkarte nur in den großen Banken wie ICBC, BOC, Merchant's Bank und CITIC akzeptiert wird
und diese nicht immer vorhanden sind.
Die Beantragung ist kostenlos und kann entweder bei einer ICBC oder BOC gemacht werden. Alles,
was man dafür braucht sind Pass, Polizeiliche Registrierung und Studentenausweis. Innerhalb von
30 Minuten kann man direkt eine Karte mit eigenem PIN sein Eigen nennen und z.B. mit WeChat
verbinden, um das immer populärer werdende WeChat Pay (微信支付) zu nutzen. Man kann auch
versuchen bei Alipay ein internationales Konto zu eröffnen, doch aus mir unerklärlichen Gründen
hat es bei mir nicht funktioniert.
Das chinesische Bankkonto ist auch gut, wenn man sich einen Nebenjob sucht und darüber bezahlt
werden kann.
3.2 Handy
Eine chinesische Handynummer ist absolut unverzichtbar und kann seit einiger Zeit nur noch in
den größten Filialen der Anbieter China Unicom (联通) oder China Mobile (移动通信) mit dem Pass
beantragt werden. Dazu steigt man am Besten an der U-Bahn Haltestelle Tai Sheng Nan Lu (太升南
路) aus, da in diesem Gebiet alle Filialen und Handyläden zu finden sind. Für die Beantragung der
Handykarte benötigt man den Pass und eine andere chinesische Handynummer. Ein Freund half
mir dabei und zu dem Zeitpunkt habe ich es leider noch nicht ganz verstanden, was es damit auf
sich hatte. Ab dann kann man für ca. 10€ telefonieren und 4G Internet nutzen. Es ist darauf zu
achten, ob man einen Tarif nimmt, der nur in Chengdu gilt oder einen für ganz China (etwas
teurer).
Wer sowieso ein neues Smartphone benötigt kann sich hier eines zu einem Preis zwischen 50-300
Euro besorgen. Besonders zu empfehlen sind die Eigenmarken wie Xiaomi, Oppo und Vivo. Mit ein
bisschen Internetrecherche weiß man dann auch, ob das Gerät in Deutschland weiterbenutzt
werden kann.
3.3 Mobilität – Bus, U-Bahn, Taxi, Fahrrad, E-Bike
Auch wenn das U-Bahn-Netz Chengdus zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit denen der Großstädte
Peking und Shanghai mithalten kann, wird es kontinuierlich verbessert. Aber neben der U-Bahn
gibt es viele weitere Möglichkeiten von A nach B zu kommen. Auf jeden Fall lohnt es sich eine
Jiaotong Ka (交通卡) zu besorgen, die man an jeder U-Bahn Haltestelle bekommen und aufladen
kann. Eine Busfahrt kostet damit auch nicht mehr 2 RMB sondern nur noch 1,80RMB.
Mit dieser Karte kann man auch die Schnellbusse benutzen, die die Stadt auf der 2. Ringstraße auf
ihrer eigenen Spur umkreisen und eine gute Alternative zur U-Bahn darstellen.
Taxi fahren ist hier im Gegensatz zu Deutschland immer bezahlbar, da man nur eine Anfangsgebühr
von 8 RMB plus 1,80RMB für jeden gefahrenen Kilometer bezahlen muss.
Neuerdings gibt es aber noch bessere Alternativen wie Uber und Zhuan Che ( 专车), die es
ermöglichen eine Mitfahrt in einem Privat-PKW für einen noch geringeren Preis zu organisieren.
Dazu entweder die eigene App auf das Smartphone laden oder direkt über die unverzichtbare App
Baidu Maps (百度地图) die Fahrt bestellen und online bezahlen. Die einzige Schwierigkeit dieser
Methode besteht darin, dass man nach Abschluss des Bestellvorgangs vom jeweiligen Fahrer
angerufen wird, um einmal die Identität zu bestätigen und einen genaueren Abholpunkt
auszumachen. Dies gestaltet sich manchmal schwierig, da der Fahrer nur Dialekt spricht oder man
einfach nicht ohne weiteres in der Lage ist auf Chinesisch seinen derzeitigen Standort zu
beschreiben.
Wer ganz unabhängig sein möchte kauft sich am besten auf dem Campus der Universität ein
„gebrauchtes“ Fahrrad oder einen der immer populärer werdenden E-Roller.
Und wenn die Zeit da ist, ist es immer möglich die Stadt zu Fuß zu erkunden oder sich einfach auf
gut Glück in irgendeinen Bus zu setzen, da man auf diese Weise fast immer tolle Orte entdeckt und
einen Eindruck der verschiedenen Stadtteile gewinnt.
3.3 Der Sichuan Dialekt 四川话
In der Hochschule lernen wir Hochchinesisch und haben den Eindruck, dass dieses an vielen Orten
auch so gesprochen würde. Dies ist nicht immer richtig. Schon in den ersten Tagen nach Ankunft in
Chengdu wird einem das zischelnde und gutturale Chinesisch auffallen, das gerade von
Einwohnern über 40 Jahren zumeist gesprochen wird.
Im Gegensatz zu vielen anderen chinesischen Dialekten ist es dem Hochchinesisch oder 普通话 in
vielen Hinsichten ähnlich, bedarf aber einigem an Gewöhnung, da die Laute „zhi“, „chi“, „shi“ das
„h“ verlieren und auch eher scharf klingen wie „z“, „c“, „s“. Zusätzlich werden N-Laute zu einem
Laut, der wie „l(n)“ klingt, „uo“ aus zum Beispiel 国 wird etwas wie „ui“ (Auf die oft gestellte Frage,
woher man stamme also nicht „De Guo“ antworten sondern „Deeh Gweeh/Gui“. Der
Possessivmarker 的 wird hier in etwa wie „leeh“ ausgesprochen. Außer der unterschiedlichen
Aussprache werden teilweise auch andere Wörter für gewohnte Phrasen benutzt. 什么 wird zu
Sha2 啥 und 知道 zu Xiao3 De晓得.
Dies kann zu Anfang und auch später noch zu frustrierenden Missverständnissen führen, aber in
der Regel sprechen die meisten Chengduer zusätzlich Hochchinesisch und wenn nicht, ist es immer
noch eine sehr gute Übung zum Hörverständnis und bereitet auf die Realität vor, dass 普通话 nicht
immer Standard ist.
3.4 Hinweise zur Sichuan Küche
Die Sichuan Provinz ist für scharfes und Ma2La4 麻辣 (betäubende Schärfe) bekannt und
geschätzt. Für alle die, die kein Chili mögen, empfiehlt es sich beim Bestellvorgang dies zu
erwähnen, was in der Regel kein Problem darstellt.
Schwieriger ist es für alle, die aus welchen Gründen auch immer auf tierische Produkte verzichten
wollen oder müssen. Man kann bei der Bestellung erwähnen, dass man z.B. kein Fleisch haben
möchte, aber man muss sich darauf einstellen, dass nahezu immer zumindest Fleischbrühe oder
ein Sud im Essen sein werden. Oft genug wird man sehr komisch angeguckt oder nahezu verjagt,
wenn man diese Sonderwünsche äußert, da dieses Konzept hier einfach nahezu unbekannt ist.
Daher ist es eine fantastische Möglichkeit selbst das Kochen zu beginnen oder zu verbessern, da
Lebensmittel nahezu nichts kosten und man viel neues ausprobieren kann.
Wer sich das nicht zutraut oder nicht die Zeit hat, kann folgende Gerichte nahezu überall finden,
die am ehesten frei von tierischen Produkten sind (Su4De 素的): Yu2Xiang1qie2zi 鱼香茄子
(Gebratene Auberginen mit viel Knoblauch), Ma2Po2Dou4Fu (Tofu in typischer Chilisoße)麻婆豆腐,
Hong2shao1Dou4Fu 红烧豆腐,红烧茄子,Tu3dou4si1 土豆丝 (Kartoffelstreifen gebraten),糖醋白
菜,重庆小面,豌豆面 und so weiter.
Alternativ haben die meisten buddhistischen Klöster auch ein kleines Restaurant, in dem man
gegen eine kleine Gebühr vegetarische Gerichte bekommen kann.
Milchprodukte sind selten in Hauptgerichten zu finden, was für Allergiker und Veganer ein Problem
weniger darstellt. Dennoch sollte man sich darauf einstellen, dass man nach der Bestätigung des
Kellners etwas fleischfreies bestellt zu haben einen Knochen in der Suppe zu finden, da es ja sonst
unmöglich schmecken könne. 入乡随俗。
3.5 Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Peking und Shanghai
Als Zusammenfassung der vorherigen Hinweise komme ich zu der Ansicht, dass die Kosten hier in
Chengdu in etwa 50% niedriger sind als die in den anderen Städten bei gleicher Lebensqualität.
Dies macht Chengdu für alle noch interessanter, die sich wegen der Finanzierung des
Auslandsjahres Gedanken machen müssen. Mieten, Transport, Ausgehen, etc. sind hier wesentlich
erschwinglicher und wer auch noch selbst kocht kann das gesparte Geld für tolle Unternehmungen
außerhalb Chengdus nutzen, um das Land noch besser kennenzulernen.
4. Studieren an der Sichuan Universität
Das Studium ist neben dem Praktikum der Hauptgrund für den China-Aufenthalt, daher sollte man
sich genau überlegen welche Universität man als Ziel auswählt.
4.1 Infos zur Sichuan Universität
Die Sichuan Universität gehört zu einer der besten des Landes und hat eine lange Tradition als
erste höhere Lehranstalt in Süd-West China.
Beim ersten Betreten des Campus fallen einem viele Unterschiede zu einem deutschen Campus
auf. Es gibt viele Wohnhäuser, Geschäfte, kleine Stände, die Fahrräder verkaufen, Sportanlagen,
etc.
Das Gebäude für die ausländischen Studenten wirkt von außen etwas alt, passt aber zum Rest und
ist von innen in einem sehr guten Zustand. Möbliert mit Holzmöbeln, die allerdings ziemlich
unbequem werden können.
Verlässt man das Unterrichtsgebäude und wendet sich nach rechts, gelangt man einen gut
ausgestatteten Kiosk und ein tolles kleines Café, das sehr guten Americano Kaffee für nur 10 RMB
verkauft.
Es lohnt sich unbedingt die Mensakarte im Ausländeroffice zu beantragen, da die Mensen für
durchschnittlich 5-6 RMB Essen von Restaurant-Qualität bieten können.
4.2 Einschätzung der Lehrkräfte
Im Gegensatz zu unseren Kommilitonen in Shanghai und Peking sind wir von nur zwei Lehrkräften -
Frau Xian Li Xia 鲜丽霞 und Frau He Qian 何倩 – unterrichtet, die meiner Meinung nach ihre
Sache sehr gut gemacht haben
4.2.1 Frau Xian
Frau Xian betreut die Bremer Gruppe schon seit geraumer Zeit und einige Erfahrung mit unseren
Ansprüchen. Anfangs war sie noch etwas reserviert und ihr Lehrstil, der daraus bestand die
wichtigen Kernsätze aus den Wirtschaftstexten mehr oder weniger auswendig nachzuerzählen,
sagte uns nicht wirklich zu. Vielleicht etwas zu direkt fragten wir sie also, ob es möglich sei, mehr
freies Sprechen einzubauen und uns etwas vom Text zu entfernen. Sie wirkte etwas uneinsichtig,
aber hat gemerkt, dass wir eine andere Methode bevorzugen und dementsprechend Lehrinhalte
angepasst.
Sobald wir uns alle besser kennengelernt hatten, wurde die Stimmung immer besser und die
Stunden wurden mit Textarbeit aber auch sehr viel freier Diskussion gefüllt und meistens fand sich
auch noch die Zeit über private Dinge und Probleme zu reden.
Die Zwischenprüfungen waren fair gestaltet und hatten den Inhalt, auf den wir vorbereitet wurden.
Nach der Zwischenprüfung haben wir uns auch mehr und mehr von dem doch recht veralteten
Buch entfernt und regelmäßige Vorträge zu frei gewählten Themen in die Stunden eingebaut.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Frau Xian ihr Handwerk versteht, aber immer noch offen
für Anregungen der Studenten ist. Ihr Stil ist eine Mischung aus Sachlichkeit und Humor, der zu
einer sehr guten Atmosphäre führte.
Nach den Abschlussprüfungen gingen wir mit ihr und Frau He noch Essen und zum Karaoke und
haben alle noch einmal ein bisschen „unser Fett weg bekommen“, was man im Rahmen der Uni so
nicht unbedingt gemacht hätte. Bis auf Kleinigkeiten war ich sehr zufrieden mit ihrer
Unterrichtsgestaltung und Lehrstil und bei Fragen/Problemen konnte man sich jederzeit an sie
wenden.
4.2.2 Frau He
Frau He ist eine noch relativ junge und sehr energetische Dozentin, die durch ihre offene und
manchmal sympathische, etwas unbeholfene Art den Unterricht so gestalten konnte, dass es nie zu
Durchhängern unsererseits kam. Sie unterrichtete uns in Mittelstufen-Chinesisch, Kou Yu und das
zweiwöchentliche Extra-Modul, in dem wir zu vorgegebenen oder selbstgewählten Themen
Vorträge hielten.
Frau He legte besonderen Wert darauf unser gesprochenes Chinesisch zu verbessern, indem sie
uns die Nutzung vieler neuer Konjunktionen und Phrasen beibrachte und an Beispielen,
Diskussionen und Gesprächen näherbrachte.
Da sie aus Qingdao stammt, haben wir mit ihr auch einige Besonderheiten des dort gesprochenen
Dialekts und Eigenarten besprochen, wohingegen wir ihr deutsche Volkslieder übersetzen und
präsentieren sollten. Diese kleinen Abweichungen vom traditionellen Lehrplan nach Buch sorgten
dafür, dass der Unterricht immer interessant blieb und wir merkten, dass es sich lohnt unser
gesprochenes Chinesisch aufzupolieren.
Die von ihr gestellten Prüfungen waren mir allerdings etwas zu simpel und reichten nicht an das
Unterrichtsniveau unserer Kommilitonen in Peking und Shanghai heran.
Insgesamt betrachtet ist Frau He eine der sympathischsten Lehrkräfte, die ich jemals hatte, ohne
aber ihren Lehrauftrag zu vernachlässigen, da „Spaß und Arbeit“ in verschiedenster Form von ihr
kombiniert wurden und wir so beispielsweise einmal Unterricht im Teehaus machten, um die
Besonderheiten des Sichuan Dialekts kennenzulernen.
Ich hoffe, dass Frau He so wie Frau Xian der Bremer Gruppe noch lange zur Verfügung stehen
werden.
4.3 Stundenplan
Der Lehrplan der Sichuan Universität bestand aus vier verschiedenen Modulen: 经贸汉语
Wirtschaftschinesich, 综合汉语 Allgemein-/Mittelstufenchinesisch, 口语 Alltagschinesisch sowie
dem zweiwöchentlichem 语言实践 Anwendungsmodul.
Zeit Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
8.30 – 10.00 经贸汉语经贸汉语经贸汉语经贸汉语
10.30 – 12.00 综合汉语综合汉语口语综合汉语口语
14.00 – 15.30 口语双周 语言实践
4.4 Prüfungen
Beide Dozentinnen haben uns jeweils vor Zwischen- (30%) und Abschlussprüfung (50%) mitgeteilt,
worauf in etwa wir uns vorbereiten sollen.
Teil aller Prüfungen waren Vokabeln, Satzbau aus gemischten Satzteilen, Leseverstehen, freies
schreiben und ähnliches.
Mit Vorbereitung waren diese gut zu schaffen und reichten meiner Meinung nach vom Anspruch
nicht an die Chinesisch Klausuren des 4. Semesters in Bremen heran.
Die mündliche Kou Yu Prüfung erinnerte tatsächlich mehr an die aus dem 1. und 2. Semester, da
einzelne Vokabeln richtig vorgelesen werden mussten und im Anschluss ein simpler Dialog mit Frau
He geführt wurde.
Für das Fach 语言实践 sollten wir ein Thema unserer Wahl thematisch vorbereiten und am
Prüfungstag einen Aufsatz darüber schreiben.
Zusätzlich gab es wöchentlich bei beiden Dozentinnen Diktate und Referate, die zu 20% mit in die
Abschlussnote einflossen.
4.5 Zeugnis
4.6 Einschätzung des eigenen Lernfortschritts
Im Vergleich zu Peking und Shanghai war der Anspruch des Unterrichts an der Sichuan Universität
niedriger, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sich meine Fähigkeiten im Hörverstehen
und frei sprechen wahnsinnig verbessert haben.
Zu bemängeln sind zwar die alten Texte des Wirtschaftschinesisch Buchs, aber man lernte
dennoch, wie man Texte mit vielen fremden Vokabeln so lesen kann, dass man die grundlegende
Aussage versteht und in eigenen Worten wiedergeben kann. Diese Technik hilft dabei chinesische
Zeitungen oder Webseiten besser zu verstehen.
Allerdings merkt man schnell, dass die Fähigkeit per Hand zu schreiben ohne regelmäßige Übung
langsam schlechter wird, dem man irgendwie freiwillig mit viel Motivation beikommen könnte.
Die Mischung aus Unterricht und der chinesischsprachigen Lebensumgebung führten dazu, dass
ich mich nun nicht mehr davor scheue Konversationen auf Chinesisch zu führen und in der Regel
das ausdrücken kann, was ich möchte, wenn auch nicht immer grammatikalisch einwandfrei.
Bevor ich hierher kam habe ich so etwas manchmal im Asia-Laden probiert und bin an Dialekt
sowie Sprachgeschwindigkeit der dortigen Mitarbeiter direkt gescheitert.
Nach der Uni fuhren ein Kommilitone und ich mit dem Bus nach Laos und stellten fest, dass uns
unser Chinesisch Konversationen mit mitfahrenden Chinesen und Laoten ermöglichte, die auf
Englisch niemals funktioniert hätten, was ein wirklich gutes Gefühl war. In Laos selbst haben wir
aus Gewohnheit schon generell alle auf Chinesisch angesprochen, weil es mehr und mehr vertraut
wird.
Auch ein Vorstellungsgespräch für einen Nebenjob, das gleichzeitig auf Deutsch, Englisch und
Chinesisch geführt wurde, konnte ich ohne allzu große Mühe bewältigen.
Neben dem „gehobenen“ Wirtschaftschinesisch ist es außerdem interessant den Dialekt besser zu
verstehen und auch selbst anzuwenden, was des Öfteren zu erstaunten Blicken führt.
Man kann auch hier sagen, dass man mit genug eigener Motivation hier sehr viel lernen kann
außerhalb des Unterrichts. Und anstatt stundenlang zuhause über Vokabellisten zu grübeln, bietet
es sich an zum Beispiel einen chinesischen Roman zu kaufen und versuchen zu verstehen. Wer will,
kann lernen und Spaß haben gut verbinden.
5. Kurzer Reisebericht
Einer der Gründe, weshalb ich Chengdu auswählte, war der, dass die Stadt sehr günstig gelegen ist,
um mit Zug und Bus interessante Orte besuchen zu können.
An diversen Wochenenden und in der Golden Week sowie zum Frühlingsfest hatten wir immer die
Möglichkeiten Sichuans berühmte Berge Le Shan und Emei Shan zu erklimmen und andere kleinere
Ausflüge zu machen.
Aber man muss nicht innerhalb Chinas bleiben, da Zug und Bus hier sehr viel erschwinglicher sind
als in Europa. Daher entschieden ein Kommilitone und ich uns dazu über Weihnachten und
Silvester Richtung Kunming und Laos aufzubrechen und dies möglichst günstig.
Die Stadt Kunming in der Yunnan Provinz fungiert oft nur als Zwischenstopp für die bekannteren
Touristenorte im Süden Chinas, hat selber aber auch eine Menge zu bieten. Wer sich entscheidet
dorthin zu fahren, muss unbedingt in das Lost Garden Hostel einchecken, dass die schönsten
Zimmer und die beste Pizza Chinas zu bieten hat.
Man sollte unbedingt von Kunming aus mit dem Zug ins 2 Stunden entfernte Hei Jing 黑井 fahren
und am Bahnhof nach einem alten Herren und seinem Eselskarren Ausschau halten, der einen für
10 RMB durch ein kleines, authentisches Dorf fährt, um im Salzförderort Hei Jing anzukommen,
den man auf eigene Faust erkunden kann und der noch nicht von Touristenmassen verdorben ist.
Weil wir noch Zeit übrig hatten sind wir auf gut Glück ins Nachbardorf gewandert und haben mit
dem Dorfältesten reden können, der meinte, dass noch nicht viele Ausländer bei ihnen gewesen
wären. Ein wirklich besonderes Erlebnis.
(Ein paar Wochen zuvor waren meine Mitbewohnerinnen und ich schon einmal in Kunming und
fuhren von dort aus in das Tai Ping Tal zum selbsternannten „Spirit Tribe“ - Eine Aussteigersiedlung
in wunderschöner Natur, die seit einiger Zeit Musikfestivals organisiert. Auch sehr lohnenswert
nach der langen Zeit in der Großstadt)
Von Kunming aus kann man per Schlafbus bis nach Vietnam oder Laos fahren. Wir haben die
Strecke nach Luang Prabang angetreten und erlebten eine abenteuerliche, wahnsinnig
anstrengende 26 Stunden Fahrt für ca. 50€.
Man durchquert atemberaubende Landschaften, die man im Flugzeug verpassen würde, machten
Rast an hygienisch wirklich herausfordernden Tankstellen und Rastplätzen und zogen bald die
Aufmerksamkeit der anderen Mitfahrer auf uns, da wir die einzigen Ausländer waren und sogar
Chinesisch sprechen konnten.
Einmal angekommen in Luang Prabang fanden wir mit Hilfe zweier Chinesinnen, die wir auf dem
letzten Teilstück kennenlernten ein chinesisch geführtes Hostel und fühlten uns direkt wie zuhause.
Laos ist ein tolles Land für einen Abenteuertrip, aber die Busfahrten hin und zurück mit teilweise
grenzwertigen Situationen sind der Hauptgrund, weshalb dieser Urlaub im Kopf bleibt.
Wer sich auch für diese Art des Reisens interessiert sollte unbedingt die Seite www.seat61.com
besuchen, die sämtliche Zug-, Bus-, Schiffverbindungen weltweit detailliert beschreibt.
6. Ausgabenübersicht
Wie vorher schon erwähnt ist das Leben hier weitaus günstiger als in Shanghai oder Peking, ohne
dabei in irgendeiner Form schlechter zu sein.
Zusätzlich gibt es die Möglichkeit während des Studiums einer Nebentätigkeit nachzugehen, um
die eigene Kasse etwas aufzubessern. Es findet sich immer eine Privatschule, die einen Aushilfs-
Englischlehrer braucht oder Firmen, die Übersetzer für ihre Inhalte brauchen können. Ich habe
beispielsweise beim Spieleentwickler Tap4Fun einmal die Woche chinesische und englische Inhalte
ins Deutsche übersetzt und so erste Arbeitseindrücke in China gewinnen können.
7. Erster Eindruck vom Praktikum
Das Thema Praktikum ist das einzige, was Chengdu im Vergleich zu den anderen Städten wirklich
schlecht dastehen lässt, da nahezu keine Angebote vorhanden sind. Selbst die Liste aus dem Aulis
hat mir nicht wirklich geholfen. Daher habe ich erst recht spät durch den Kontakte bei meinem
Nebenjob eine WeChat-Gruppe für Jobsuchende gefunden und dort meine Angaben gepostet.
Dann allerdings bekam ich recht schnell drei gute Angebote, von denen ich mich für ein Praktikum
bei dem jungen Start-Up Enlai Total Educational Solutions entschied.
Dieses Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft einer renommierten südenglischen Software-
Firma und hat sich darauf spezialisiert geeignete Lehrkräfte und alternative Bildungssysteme wie
z.B. Forest School an chinesische Privatschulen zu bringen.
Da wir hier noch ziemlich am Anfang sind, kann ich aus nächster Nähe Meetings mit Klienten und
Geschäftspartnern beiwohnen und erlebe mit, wie man ein Contractual Joint Venture aufbaut.
Meine Aufgaben sind hauptsächlich in den Bereichen HR, Marketing und Strategisches
Management. So habe ich aktiv an der Webseite mitgearbeitet und Wissen aus den vorigen
Semestern anwenden und ausbauen können. Wir sprechen Englisch und Chinesisch und ich sehe
tatsächlich, dass mir die Stelle hier hilft meine Interessen weiter zu fokussieren und vielleicht gute
Kontakte zu für später zu knüpfen, da die großen Hierarchien noch nicht aufgebaut sind.
8. Fazit
Insgesamt bin ich sehr froh Chengdu ausgewählt zu haben, da das Leben hier sehr vielseitig
zwischen chinesischer Tradition und Moderne ist. Die Universität ist zwar nicht so „gut“ wie jene in
Peking, aber die Dozentinnen geben ihr Bestes, um eine gute Lernatmosphäre zu schaffen und
jeder, der wirklich daran interessiert ist Fortschritte zu machen, hat die Chance dazu dies hier zu
tun, da sich immer ein neugieriger Einwohner findet, der Lust auf ein Gespräch hat. Schwierig wird
es allerdings bei der Praktikumssuche. Es empfiehlt sich wesentlich früher anzufangen als ich es tat
und man sollte alle Kontakte, sofern man sie schon hat, nutzen, um etwas zu finden. Alternativ
sollte man sich hier vor Ort mit anderen arbeitenden Ausländern auseinandersetzen, da diese
einem oft noch zu einer Stelle verhelfen können, die auf den Jobbörsen nicht ausgeschrieben ist.
Chengdu ist ein bisschen „anders“ und wer ein sehr vielfältiges Auslandsjahr sucht, ist hier genau
richtig!




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